Empirie und Struktur

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Brief der studentischen Initiative I.D.A an Philipp Hübl (1.4.21)

Brief von Henrike Lehnguth und Kathrin Peters an Philipp Hübl (26.3.21)

Lieber Philipp Hübl,

das Deutschlandfunk Kultur, das zum Internationalen Tag gegen Rassismus Ihren Kommentar „Ein irreführender Begriff“ gesendet hat, stellt Sie als Gastprofessor für Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin vor. Wir kennen uns noch nicht, aber als Kolleginnen an der UdK Berlin, die der Kulturwissenschaft ebenfalls sehr verbunden sind, möchten wir in guter wissenschaftlicher Absicht unsererseits ein paar Kommentare zu Ihrem Beitrag abgeben. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die UdK Berlin derzeit an einer Diversitätsstrategie arbeitet, um strukturellen Rassismus – das ist der von Ihnen beanstandete Begriff – abzubauen. Eine Gruppe von Studierenden hat im letzten Jahr mit beklemmender Evidenz auf institutionellen/strukturellen und Alltagsrassismus an der UdK verwiesen. Wir werden das Phänomen nicht los, in dem wir die Begriffe, es zu beschreiben, infrage stellen. Um welche Begriffe geht es also?

Sie fassen Rassismus als eine Benachteiligung aufgrund von Hautfarbe. Das sei so etwas wie die Kerndefinition von Rassismus, die in den letzten Jahren bis zur Unbrauchbarkeit ausgeweitet worden sei. Die Kulturwissenschaft, die wir kennen, hat allerdings gezeigt, dass das Konzept „Rasse“ in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts als ein umfassendes Klassifikationssystem entstanden ist, das körperliche Merkmale vermaß, Charakter-und Wesenseigenschaften zuordnete und die so voneinander unterschiedenen „Rassen“ hierarchisierte. Bestehende koloniale Machtverhältnisse wurden mit Hilfe biologischer Eigenschaften objektiviert und legitimiert; man könnte auch sagen, die Wahrnehmung hat sich allmählich rassifiziert (Foucault, Gilman, Hall, Said). Es ist das Erbe, mit dem wir zu tun haben. In der Forschung zu Rassismus und Kolonialismus ist es daher üblich geworden, die Begriffe „Schwarz“ und „weiß“, in dieser Schreibweise, zur Bezeichnung soziokultureller Positionen zu verwenden, um einen Positivismus der Hautfarbe nicht zu wiederholen. Gerade die Geschichte des Antisemitismus und die Migrationsgeschichte der Nachkriegszeit beider deutscher Staaten fordert uns auf, Rassismus so kompliziert zu denken, wie er eben ist, sonst können die Ausgrenzungen gar nicht begriffen werden, die migrantische Deutsche und/oder Menschen of Color in Deutschland erfahren (Terkessidis). 

Auch wenn wir Ihnen darin zustimmen, dass die Problematisierung rassistischen Redens und Handelns in vollem Gange ist – wozu immer auch Gegenreden, Verleugnungen und Beschwichtigungen gehören –, heißt das nicht, dass deswegen das Problem schon (fast) gelöst wäre. Zum einen muss denjenigen zugehört werden, die die Emanzipation bei hoher persönlicher Gefährdung vorantreiben – die weiße Mehrheitsgesellschaft, zu der auch wir uns zählen, tut das nämlich nicht. Zum anderen ist es gerade die Logik eines Diskurses, dass Zusammenhänge sichtbar und sagbar werden, die zuvor, vielleicht in den 1970er Jahren noch, gar nicht wahrgenommen oder schlicht hingenommen wurden. Sie schreiben: „Und so entdeckt man mehr, obwohl eigentlich weniger da ist“, aber das ist falsch. Man entdeckt mehr, weil schon immer mehr da war. Man entdeckt Strukturen, die wie Platzanweisungen wirken, ohne dass die Beteiligten einem Hautfarbenrassismus vertreten würden, den sie auch wirklich nicht teilen (dass 54% der in erwähnten Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019, Befragten asylsuchende Menschen ablehnen, Tendenz steigend, gehört allerdings auch ins Bild).

Und nein, die Rede von strukturellem Rassismus beschuldigt nicht jede weiße Person, manifest rassistische Auffassungen zu haben oder bewusst rassistisch zu handeln, womöglich bis hin zur Gewalttätigkeit. Vielmehr macht das Denken von Strukturen, das ja in den Sozial- und Geisteswissenschaften seit Langem etabliert ist, darauf aufmerksam, dass die Rede und das Handeln von Personen auch entgegen der eigenen Intention benachteiligend und diskriminierend wirken kann. Strukturen sind schlichtweg größer und mächtiger als jede Einzelne, sie werden von der Sprache getragen, von Narrativen, Mythen und kulturellen Traditionen, von Institutionen (Bildungsinstitutionen, aber auch Familie) und schlagen sich im Alltagshandeln nieder. Wie die Handlungsspielräume jeder Einzelnen bemessen sind und wie viel Gehör ihr geschenkt wird, ist eine Frage der sozialen Situiertheit. Weiße haben in postkolonialen und postmigrantischen Gesellschaften, also in so gut wie allen, eine Position inne, die vorteilhafter ist als die anderer Personengruppen und eben auch zu deren Lasten geht. Das kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass sie von familiären Verbindungen profitieren, die für das berufliche Fortkommen nützlich sind. Daraus resultiert ein höherer sozialer Status, der, um ein UdK-relevantes Beispiel zu nennen, den Zugang zu Kunst und Musik ebnet. Es passiert, dass Weißen im Studium Kompetenzen zugesprochen werden, die andere erst unter Beweis stellen müssen. Sie verfügen über Namen, die Deutschsprachige leicht aussprechen können, was ihnen Vorteile bei vielen Bewerbungsverfahren verschafft. Woher sie kommen, können sie mit den Namen von Bundesländern beantworten, ohne dass die ganz große Zugehörigkeitsfrage mitschwingt – wie arglos sie auch immer gestellt sein mag. Selbstverständlich können auch Weiße Benachteiligungen erfahren und diskriminiert werden – zum Beispiel weil sie eine Behinderung haben, arm sind und/oder sich als trans Person identifizieren –, aber sie werden nicht strukturell aufgrund ihres Weißseins diskriminiert. 

Wenn Sie schreiben, dass behauptet würde, „alle Menschen [seien] per Definition rassistisch“ (definiert von wem, der kritischen Rassismustheorie, antirassistischer Politik, Betroffenen?), wird nicht nur implizit Menschsein mit Weißsein gleichgesetzt. Wenn man die Differenz zwischen manifest rassistischem Verhalten und rassistischen und rassifizierenden Strukturen nicht anerkennt, führt das zu genau jenen Verallgemeinerungen, die anderen unterstellt werden.

Das wirft die Frage auf, was eigentlich die Zielrichtung Ihres Beitrags ist. Geht es darum zu zeigen, dass die internationale Rassismusforschung ungeeignete Begriffe verwendet? Warum ist das hier und jetzt wichtig? Oder ist die Kritik an Critical Race Theory ein Aufhänger, um dem Strukturalismus und Poststrukturalismus, der für diese Theorien zentral ist, einmal mehr Unwissenschaftlichkeit vorzuwerfen? Oder soll mit dem Verweis auf nicht näher erläuterte empirische Studien gesagt werden, dass es mit dem Rassismus doch gar nicht so schlimm ist in Deutschland? Und wer genau kann einen solchen Standpunkt überhaupt diskutieren? Wie man es auch dreht und wendet, zum Internationalen Tag gegen Rassismus ist das ein irreführender Beitrag.

Wir würden uns freuen, Sie bei einer der kommenden Veranstaltung zur Diversitätsentwicklung der UdK Berlin kennenzulernen und die Diskussion fortzusetzen.

Henrike Lehnguth
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und designierte Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der UdK Berlin

Kathrin Peters
Professorin für Geschichte und Theorie der visuellen Kultur, UdK Berlin


Brief von Philipp Hübl an Henrike Lehnguth und Kathrin Peters (12.4.21)

Liebe Frau Lehnguth, liebe Frau Peters,

Sie haben mit einem offenen Brief meine Kolumne auf Deutschlandfunk Kultur „Struktureller Rassismus: Ein irreführender Begriff“ kommentiert. Daher antworte ich Ihnen ebenfalls öffentlich. Wie der Titel ja sagt, geht es in dem Artikel primär um Begriffe und erst sekundär um die empirischen Fakten. Nirgendwo bezweifle ich, dass es Rassismus gibt. Es geht darum, mit welchen wie weit gefassten Begriffen wir welche Phänomene gut erklären und so dann auch gut bekämpfen können.

In dem Wochenkommentar habe ich drei recht klar definierte, für die empirische Forschung hilfreiche Begriffe verteidigt: Erstens Rassismus als bewusste Abwertung aufgrund der Ethnie oder Hautfarbe. Da sind sich sicherlich alle einig. Zweitens Rassismus als unbewusste oder indirekt abwertende Einstellung. Als Beispiele habe ich Diskriminierung am Wohnungs- und Arbeitsmarkt genannt und für letzteres beispielhaft eine europaweite Studie verlinkt, die das nachweist. Für den Bildungssektor lassen sich vergleichbare Untersuchungen nennen. Drittens institutioneller Rassismus wie das Racial Profiling der Polizei. Man hätte auch das Redlining in den USA, also Diskriminierung bei der Kreditvergabe, nennen können, wie es etwa Daniel James auf Deutschlandfunk tut, der mit seinem Kommentar „Struktureller Rassismus: Verteidigung eines Begriffs” auf meinen kritisch geantwortet hat.

Fast alle Beispiele, die Sie in ihrem Text anführen, scheinen unter diese drei Begriffe zu fallen, daher könnte es bei unserer Diskussion bloß um einen terminologischen Disput gehen. Aber vielleicht geht es auch um mehr. Sie schreiben, dass „die UdK Berlin derzeit an einer Diversitätsstrategie arbeitet, um strukturellen Rassismus – das ist der von Ihnen beanstandete Begriff – abzubauen.“ Wenn Sie hier mit „strukturell“ sagen wollen, dass es eine Häufung von bewusstem, unbewussten und institutionellen Rassismus gibt, dann fügt das Wort „strukturell“ den klar definierten Begriffen nichts hinzu, außer eben „es gibt zu viel davon“. Da Rassismus immer moralisch falsch ist, gibt es normativ gesehen immer zu viel davon. Daher habe ich im Text geschrieben: Jeder Fall ist einer zu viel.

Sie schreiben „wir werden das Phänomen nicht los, in dem wir die Begriffe, es zu beschreiben, infrage stellen.“ Das sehe ich anders. Wir verstehen das Phänomen erst, wenn wir genaue Begriffe haben.

Ihren Exkurs zu kolonialen Machtverhältnissen fand ich interessant, stimme auch den meisten Punkten zu, sehe aber nicht so recht, was das mit meiner Kolumne zu tun hat. Ich würde Antisemitismus und Rassismus wie in der Sozialpsychologie üblich als zwei Varianten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auffassen. Man kann Antisemitismus auch terminologisch unter „Rassismus“ subsumieren und ihn „kompliziert denken“, wie Sie schreiben (wenn ich Sie richtig verstehe), damit würde man sich aber die Möglichkeit nehmen, die Gemeinsamkeiten zwischen dem klassischen Antisemitismus (der eine stark rassistische Komponente hat), dem israelbezogenen Antisemitismus (den man gerade im linken Lager findet) und dem muslimischen Antisemitismus verwischen.1Deutsche und europäische Studien dazu finden sie hier: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/119/1811970.pdf (S. 79 f.); … Continue reading

Sie schreiben, ich würde suggerieren, dass „das Problem schon (fast) gelöst wäre“. Das habe ich weder gesagt noch angedeutet. Allein wenn 7,2 Prozent der Menschen in Deutschland rassistische Einstellungen haben, wie ich referiere, heißt das, dass mindestens 5,5 Millionen Menschen Rassisten sind. Von einem gelösten Problem kann also überhaupt nicht die Rede sein. Rassismus nimmt ab, und Rassismus ist ein Problem. Beide Teilsätze können gleichzeitig wahr sein. Genau wie Gewalt (sogar seit Jahrhunderten) weltweit abnimmt, aber immer noch nicht verschwunden ist.2Pinker, Steven (2011) The Better Angels of our Nature. The Decline of Violence in History and Its Causes. New York: Allen Lane

Sie schreiben, meine Behauptung sei „falsch“, dass es weniger Rassismus gebe, fügen aber keine Quellen dazu an. Problematisch ist sicher, dass wir die expliziten Einstellungen erst seit 20 Jahren messen, und daher keine perfekten Datensätze vorliegen. Das zeigt, nebenbei bemerkt, übrigens indirekt, dass wir uns als Gesellschaft mehr für Rassismus und Diskriminierung sensibilisiert haben, denn vor 30 oder mehr Jahren gab es weder regelmäßige Erhebungen noch eine Antidiskriminierungsstelle des Bundes – mit anderen Worten: Der Staat hat Diskriminierung damals offenbar nicht als ernsthaftes Problem angesehen. Neben anderen hat das Aladin El-Mafaalani in seinem Buch „Das Integrationsparadox“ sehr anschaulich beschrieben.3El-Mafaalani, Aladin (2018) Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Köln: Kiepenheuer & Witsch

Dennoch deuten sehr viele Studien daraufhin, dass Gewalt und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit weltweit in den letzten Jahrzehnten abgenommen haben, wenn auch sicherlich nicht linear. Ronald Inglehart beispielsweise ermittelt mit Kolleginnen und Kollegen in seinem World Value Survey seit etwa 40 Jahren die Werte und Einstellungen der Menschen aller Weltregionen. Über 30.000 Publikationen gehen auf diese Daten zurück. Eine wichtige Erkenntnis ist: so gut wie alle Länder haben zwei progressive Bewegungen vollzogen, die bis heute andauern – von einer streng religiösen zu einer säkularen Gesellschaft und von einer kollektivistischen zu einer individualistischen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (erkennbar an Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus, Abwertung von bis hin zur Todesstrafe für Homosexualität etc.) ist in religiösen und kollektivistischen Ländern im Mittel besonders stark ausgeprägt, in säkular-individualistischen Ländern wie Schweden, Japan, Griechenland und Deutschland hingegen deutlich schwächer, vor allem aber schwächer im Vergleich zu den Jahrzehnten zuvor.4Inglehart, Ronald und Welzel, Christian (2005) Modernization, Cultural Change and Democracy. New York und Cambridge: Cambridge University Press, S. 141 f.; eine detaillierte Diskussion findet sich in … Continue reading

Die Mitte-Studie ist ein weiterer beispielhafter Datenpunkt: Alle Einstellungen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sind in den letzten 15–20 Jahren zurückgegangen, die meisten haben sich fast halbiert: Rassismus, Sexismus, Abwertung homosexueller Menschen, Antisemitismus (klassisch und israelbezogen), Fremdenfeindlichkeit, Muslimfeindlichkeit, und das geschlossene rechte Weltbild. Dass kein Wert über Null liegen sollte, versteht sich von selbst. Sie erwähnen die „Abwertung asylsuchender Menschen“, die bei etwa 50 Prozent liegt. Keine Frage: Auch dieser Wert fällt 50 Prozentpunkte zu hoch aus. Allerdings wird er erst seit neun Jahren erhoben, man hat also keinen Vergleich zum Jahrzehnt davor. Übrigens ist nicht ganz unumstritten, ob man von den Fragen in der Studie tatsächlich auf diese Einstellungen schließen kann. Viele Kritiker, inklusive Claus Kleber in einem ARD-Interview, haben das Problem angesprochen, dass die Ablehnung der Aussage „der Staat sollte bei der Prüfung von Asylanträgen großzügig sein“ in der Studie ein Kriterium für „negative Einstellungen gegenüber Asylsuchenden“ sein soll. Das schreibt Menschen, die meinen, der Staat solle sich exakt nach den Gesetzen richten, und daher die Frage verneinen, negative Einstellungen gegenüber Asylsuchenden zu.

Selbst wenn sich dieses methodische Problem aus der Welt räumen lässt, deuten unabhängig davon andere langfristige Erhebungen auf einen positiven Trend hin. Im Sozialbericht der Bundesregierung werden die Einstellungen der Deutschen zum „Zuzug Schutzsuchender“ seit 30 Jahren ermittelt.5Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland 2018, S. 407 Der Anteil derjenigen, die fordern, dass der Zuzug von Schutzsuchenden ganz unterbunden werden solle (einfach gesagt „der rechte Rand“), nahm in den letzten 25 Jahren von deutlich über 20 Prozent auf deutlich unter 10 Prozent ab. Umgekehrt stieg der Anteil der Leute, die für uneingeschränkt offene Grenzen sind (einfach gesagt „der linke Rand“), von etwa 12 Prozent auf über 25 Prozent. Der Anteil derer, die die Mittelposition eines begrenzten Zuzugs vertraten, verharrte relativ konstant bei etwa 65 Prozent.

Ein zweiter Grund, warum viele die positive Entwicklung falsch einschätzen, ist neben unserer erhöhten Sensibilisierung für Menschenfeindlichkeit der sogenannte „Concept Creep“, also die Begriffserweiterung, um die es mir im Artikel ging.6Levari, David E. et al. (2018) “Prevalence-induced Concept Change in Human Judgment” Science 360(6396): 1465–1467 Besonders deutlich zeigt sich die Begriffserweiterung beim Sprachwandel von Wörtern, die Phänomene bezeichnen, durch die jemand zu Schaden („harm“) kommt, etwa „Missbrauch“, „Mobbing“, „psychische Störung“, „Trauma“, „Sucht“, „Vorurteil“ und eben „Rassismus“, wie Nick Haslam beispielhaft fürs Englische gezeigt hat.7Haslam, Nick (2016) “Concept Creep: Psychology’s Expanding Concepts of Harm and Pathology” Psychological Inquiry 27(1): 1–17

Der dritte Grund für die Fehleinschätzung der Entwicklung ist die Verfügbarkeitsheuristik: Weil wir mehr in den Medien und der Öffentlichkeit über drastische Fälle sprechen, haben wir den Eindruck, es seien auch statistisch mehr geworden. Das ist aber oft ein Irrtum. Der schwedische Statistiker Hans Rosling hat in seiner Forschung gezeigt, dass Menschen glauben, die Welt werde immer schlechter, obwohl sie faktisch fast überall besser geworden ist.8Rosling, Hans (2018) Factfulness. The Reasons We’re Wrong about the World – and why Things are Better than you Think. London: Sceptre, S. 3 f. Besonders Intellektuelle haben einen starken „Negativity Bias“, wie er sagt. Das könnte der tiefere Grund für die oft zu beobachtende Abwehrhaltung gegenüber den Daten sein. Stellt man Probanden Fragen wie „Wie viele Menschen in der Welt haben Zugang zu Elektrizität?“ oder „Wie viele einjährige Kinder weltweit sind gegen eine Krankheit geimpft?“ mit den Optionen „20“, „40“ und „80“ Prozent, so kreuzen die wenigsten „80 Prozent“ an. Das ist aber in beiden Fällen die korrekte Antwort.9mehr hier: https://ourworldindata.org/ Rosling hat in einer Studie 12.000 Teilnehmern aus 14 Ländern insgesamt 12 dieser Fragen gestellt. Nur eine einzige Person hat alle Fragen richtig beantwortet. Im Mittel lagen die Probanden nur in zwei von 12 Fällen richtig, weit unterhalb der Marke, die man durch bloßes Raten hätte erreichen können. Bevor man die Statistiken nicht gesehen hat, ist man in der Tat erst skeptisch, jedenfalls ging es mir so. Interessant dabei ist: Je gebildeter die Versuchspersonen waren, desto schlechter schnitten sie in den Fragen ab. Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgerpreisträger waren in ihrer Einschätzung noch schlechter als Laien.

Sie unterstellen, ich hätte gesagt „die Rede von strukturellem Rassismus beschuldigt … jede weiße Person, manifest rassistische Auffassungen zu haben“. Das ist nicht meine Auffassung. Erstens gibt es einige klar definierte Ansätze, die die Wörter „strukturelle Ungerechtigkeit“ oder „strukturelle Diskriminierung“ verwenden, etwa Elizabeth Anderson in Ihrem Buch The Imperative of Integration oder Sally Haslanger in ihrem Aufsatz „Racism, Ideology, and Social Movements“.10Anderson, Elizabeth (2010) The Imperative of Integration. Princeton: Princeton University Press; Sally Haslanger (2017) „Racism, Ideology, and Social Movements“ Res Philosophica 94, 1 Meiner Ansicht nach kann man diese Redeweisen aber auf die drei obengenannten Begriffe von Rassismus zurückführen.11ähnlich argumentiert Iris Young in Young, Iris (1990) Justice and the Politics of Difference. Princeton: Princeton University Press.

Vor allem aber bezog sich meine Kritik an der Redeweise „struktureller Rassismus“ auf diffuse, weitgefasste Definitionen, die eben nicht analytisch genau oder empirisch überprüfbar von „Macht“, „Hierarchien“, „Stereotypen“, „Normen“ und dergleichen sprechen. Beispielhaft habe ich eine „Extremposition“ angesprochen, von der die öffentliche Debatte „inspiriert“ ist und die unter anderem Robin DiAngelo in ihrem Buch White Fragility vertritt, das sich fast eine Million Mal in den USA verkauft hat. DiAngelo schreibt, jeder und jede Weiße sei ein Rassist/in, um gleich hinzuzufügen, das sei nicht wertend, sondern deskriptiv gemeint.12DiAngelo, Robin (2018) White Fragility. Why is it so Hard for White People to Talk about Racism. Boston: Beacon Press Gleichzeitig behauptet sie, offenbar wertend, Weiße seien „Komplizen“ in einem System von „Autorität“ und „Kontrolle“.

Weitere Beispiele für extrem weitgefasste Definitionen: Ibram X. Kendi schreibt in seinem Buch How to be an Antiracist, ebenfalls auf dem Weg zum Millionenbestseller, Rassismus läge immer dann vor, wenn Ungleichheit zwischen ethnischen Gruppen bestehe, ganz gleich, wie diese zustande gekommen sei.13Kendi, Ibram X. (2017) How to be an Antiracist. New York: One World Ein Rassist sei jeder, der nicht aktiv gegen Ungleichheit vorgehe. Ferner: „Racism itself is institutional, structural, and systemic“. Faktoren, die dazu beitragen, seien „written and unwritten laws, rules, procedures, processes, regulations, and guidelines“. Keith Lawrence und Terry Keleher schreiben in einem im Antirassismus-Training oft zitierten Aufsatz „Structural Racism is … a system of hierarchy and inequity, primarily characterized by white supremacy“. Und Omowale Akintunde hält fest „Racism is a systemic, societal, institutional, omnipresent, and epistemologically embedded phenomenon that pervades every vestige of our reality.“14Akintunde, Omowale (1999) “White Racism, White Supremacy, White Privilege, and the Social Construction of Race: Moving from Modernist to Postmodernist Multiculturalism” Multicultural Education 7, … Continue reading

Diese beispielhaften Thesen sind nicht auf die US-amerikanischen Diskussion beschränkt, sondern verbreiten sich – wie fast alle Themen – auch in der deutschen. „Struktur“ und „System“ sind darin oft Plastikwörter, die gelehrt klingen, aber so gut wie nie klar definiert sind und daher ominös bleiben.15Pörksen, Uwe (1988) Plastikwörter: Die Sprache einer internationalen Diktatur. Stuttgart: Klett Cotta Der ontologische Status von so unterschiedlichen Entitäten wie Regeln, Gesetzen, Hierarchien, Kontrolle, Ungleichheit und Prozeduren bleibt ebenfalls völlig unklar.16Ein schöner Überblick über weitere verschiedene Extrempositionen oder weite Verwendungen des Begriffs in der US-Debatte findet sich hier: … Continue reading Man kann selbstverständlich so sprechen, wie ich in der Kolumne ja anmerke, weil niemand ein Patentrecht auf theoretische Begriffe hat. Aber ob diese Redeweise irgendetwas erhellt, halte ich für fraglich.

Sie selbst schreiben in Ihrem offenen Brief: „Strukturen sind schlichtweg größer und mächtiger als jede Einzelne, sie werden von der Sprache getragen, von Narrativen, Mythen und kulturellen Traditionen, von Institutionen (Bildungsinstitutionen, aber auch Familie) und schlagen sich im Alltagshandeln nieder.“

Genau das halte ich für eine diffuse Definition. Erstens müssen es Menschen, also Individuen sein, die Narrative (Geschichten?) erzählen, in Bildungseinrichtungen arbeiten und in Familien leben. Also geht es am Ende um die bewussten und unbewussten Einstellungen von Individuen. Wieder stellt sich die Frage, was an „Strukturellem“ zusätzlich übrigbliebe, würde man die drei obengenannten Formen von bewusstem, unbewusstem und institutionellem Rassismus eliminieren.

Zweitens hat die Rede von „Strukturen“ auch allerlei praktische Konsequenzen sowohl für die wissenschaftliche als auch für die öffentliche Diskussion. Wenn der Rassismus-Begriff weit gefasst ist, verwischt man die mühsam erarbeiteten analytischen Unterschiede, die die quantitativen Sozialwissenschaften für die Forschung benötigen. Davon hängen nämlich unmittelbar die sinnvollen Policy-Maßnahmen der Politik ab. Wenn beispielsweise sowohl unzureichende Sprachkenntnisse als auch Diskriminierung Faktoren sind, die den Bildungserfolg mindern, dann muss der Staat beides tun: Diskriminierung bekämpfen, etwa mit Aufklärung, und Sprachkurse anbieten und ausbauen, anstatt alles unter „strukturelle Diskriminierung“ zu verbuchen. Zudem kann man Strukturen moralisch nicht verantwortlich machen, sondern nur Menschen für ihre Handlungen in diesen „Strukturen“. Mein Eindruck ist sogar: Die Rede von „Strukturen“ entlastet eher von der Verantwortung, denn Menschen können sich jetzt für ihr Handeln herausreden. Ferner entwertet die weite Verwendung von Rassismus den moralischen Vorwurf, der mit der Bezeichnung „Rassist“ einhergeht. Und: Menschen außerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften denken äußerst selten in Kategorien des „Systems“ und der „Struktur“. Viele der etwa 83 Prozent der Menschen in Deutschland, die keinen akademischen Abschluss haben und die akademischen Sprachspiele gar nicht kennen, werden den Vorwurf „Rassismus“ als einen Vorwurf gegenüber dem Charakter verstehen, der verständlicherweise moralisch und emotional extrem aufgeladen ist. Wie Elisabeth Anderson feststellt, führt der begrifflich weit gefasste Vorwurf, der aber eng interpretiert wird, eher zu Trotz, Unverständnis oder schlicht dazu, dass die Menschen das Thema nicht ernst nehmen.17Anderson, Elizabeth (2010) The Imperative of Integration. Princeton: Princeton University Press, S. 48 f.

Sie schreiben von den Vorteilen, die Menschen aus der Mittel- und Oberschicht (oder Mittel- und Oberklasse) haben. Das halte ich wie Sie für ein Gerechtigkeitsproblem. In Deutschland sind Menschen mit Migrationsgeschichte überproportional in den einkommensschwächeren Schichten (oder Klassen) zu finden. Das führt zu etlichen Nachteilen und „Folgekosten“ in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit und in anderen. In Deutschland sind die Bildungs- und die ökonomischen Aufstiegschancen beispielsweise deutlich schlechter als in den meisten OECD-Ländern.18Ein ernüchternder Überblick über die Lage findet sich hier: https://www.bundestag.de/resource/blob/634368/071d34cdd0f392f049f3cc4894f2b61e/WD-9-095-18-pdf-data.pdf Das trifft allerdings alle Menschen unterhalb der Mittelklasse und dabei handelt es sich, wenn man es als Diskriminierung konzeptualisieren will, um eine Diskriminierung aufgrund der Klasse oder sozialen Schicht (was im Grundgesetz übrigens erstaunlicherweise gar nicht als Diskriminierungsgrund genannt ist) und nicht um eine rassistische Diskriminierung, also eine aufgrund der Herkunft oder Ethnie. Ungleichheit ist oft eine Form von Ungerechtigkeit, die immer moralisch falsch ist. Aber nicht jede Ungleichheit, die statistisch überproportional eine Gruppe betrifft, ist eine Ungerechtigkeit und schon gar nicht eine des „strukturellen Rassismus“. Dass für einen Teil der Menschen mit Migrationsgeschichte zusätzlich zu Nachteilen durch Klassenzugehörigkeit außerdem noch rassistische Diskriminierung hinzukommt, macht ihre Situation besonders schwierig. Um das zu ändern, muss man (und vor allem die Politik) aber differenzieren.

Meine Vermutung: Weil „Rassismus“ ein „morally thick concept“ ist, ein Begriff also, der ein deskriptives Element („das und das ist Rassismus“) und ein normatives Element („Rassismus ist moralisch schlecht“) enthält, wollen einige alle Formen der Ungleichheit, die sie für moralisch falsch halten, dem deskriptiven Teil zuordnen, um sie dann moralisch verurteilen zu können. Mit dem Verfahren geht man in gewisser Weise auf Nummer sicher, weil man keine „falschen Negative“ hat, wie die Statistiker sagen, also Fälle von rassistischer Diskriminierung, die man übersieht. Man produziert aber „falsche Positive“, indem man Ungleichheiten, die gar nicht auf Rassismus in den drei genannten Lesarten zurückgehen, als Indikator für Rassismus ansieht. Tatsächlich kann man ungerechte Ungleichheit, die überproportional Menschen mit Migrationsgeschichte trifft, auch unabhängig davon moralisch kritisieren. Dafür muss man in jedem Fall beim Output (Ungleichheit) ansetzen, um dann den Input genauer zu untersuchen. Und da hilft ein diffuser Begriff, wie gesagt, nicht weiter.

Sie behaupten, ich würde „implizit Menschsein mit Weißsein“ gleichsetzen. Das ist eine starke Unterstellung, die an eine Verleumdung grenzt. Sie gibt in keiner Weise meine Auffassung wieder. Ich bezog mich auf Ansätze, die behaupten, alle Menschen (jeder Hautfarbe und Herkunft) seien Rassisten, weil sie Stereotype über andere Gruppen kennen würden (oder nach ihnen urteilten), beziehungsweise noch weiter gefasst: weil sie im höchst umstrittenen Implicit Association Test (IAT) nicht neutral abschnitten. Aber in der Tat fehlte da im Text ein Halbsatz, der den Anschluss zu den Stereotypen eindeutig herstellt, sodass man auch denken konnte, ich bezöge mich auf die weiter oben referierte Extremposition.

In den USA wird dieselbe Debatte natürlich viel ausführlicher geführt. Wie es der Zufall so will, hat John McWhorter vor wenigen Tagen einen Essay zu exakt demselben Thema mit exakt denselben Beispielen, Problemen und Argumenten wie in meiner Kolumne veröffentlicht. Das führt mich zu Ihrer Frage „Wer genau kann einen solchen Standpunkt überhaupt diskutieren?“. Meine Antwort lautet: Jede oder jeder, am besten mit empirischen Studien und klaren Begriffen.

Ihre Fragen und der erkenntnistheoretische Relativismus, der dabei vielleicht mitschwingt, bringen mich zum letzten Punkt. So gerne ich, wie man sieht, über Begriffsfragen ausführlich diskutiere, ist es doch befremdlich, dass Sie mit einem offenen Brief auf eine Kolumne reagiert haben, anstatt mich direkt anzuschreiben. Niemand wird nach kritischen Texten zur Willensfreiheit, Molekularbiologie oder zum Dreißigjährigen Krieg aufgefordert, auf einen offenen Brief zu antworten. Ich habe es getan, weil die Vorwürfe im Raum standen.

Ihr Vorgehen sendet aber das falsche Signal, vor allem an die Studentinnen und Studenten der UdK, die jetzt den Eindruck bekommen müssen, die Universität sei nicht der Ort des freien Austauschs von Argumenten und Ideen, sondern vielmehr ein Ort, an dem eine (scheinbar?) abweichende Positionen dazu führt, dass man sich coram publico verteidigen muss.

So wichtig Diversität der Biographien ist, für die wir uns alle einsetzen, die Diversität der Theorien und Argumente darf man dafür nicht opfern, auch wenn man glaubt, für eine gute Sache zu streiten. Aber vielleicht trägt unsere kleine Unterhaltung dazu bei, das Feld der Standpunkte zu erweitern oder gar neu zu bestellen.

Mit besten Grüßen

Philipp Hübl

References

References
1 Deutsche und europäische Studien dazu finden sie hier: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/119/1811970.pdf (S. 79 f.); https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/269248/antisemitismus-bei-muslimen; https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2017-antisemitism-update-2006-2016_en.pdf
2 Pinker, Steven (2011) The Better Angels of our Nature. The Decline of Violence in History and Its Causes. New York: Allen Lane
3 El-Mafaalani, Aladin (2018) Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Köln: Kiepenheuer & Witsch
4 Inglehart, Ronald und Welzel, Christian (2005) Modernization, Cultural Change and Democracy. New York und Cambridge: Cambridge University Press, S. 141 f.; eine detaillierte Diskussion findet sich in Hübl, Philipp (2019) Die aufgeregte Gesellschaft. Wie Emotionen unsere Werte prägen und die Polarisierung verstärken. München: C. Bertelsmann, S. 133 f.
5 Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland 2018, S. 407
6 Levari, David E. et al. (2018) “Prevalence-induced Concept Change in Human Judgment” Science 360(6396): 1465–1467
7 Haslam, Nick (2016) “Concept Creep: Psychology’s Expanding Concepts of Harm and Pathology” Psychological Inquiry 27(1): 1–17
8 Rosling, Hans (2018) Factfulness. The Reasons We’re Wrong about the World – and why Things are Better than you Think. London: Sceptre, S. 3 f.
9 mehr hier: https://ourworldindata.org/
10 Anderson, Elizabeth (2010) The Imperative of Integration. Princeton: Princeton University Press; Sally Haslanger (2017) „Racism, Ideology, and Social Movements“ Res Philosophica 94, 1
11 ähnlich argumentiert Iris Young in Young, Iris (1990) Justice and the Politics of Difference. Princeton: Princeton University Press.
12 DiAngelo, Robin (2018) White Fragility. Why is it so Hard for White People to Talk about Racism. Boston: Beacon Press
13 Kendi, Ibram X. (2017) How to be an Antiracist. New York: One World
14 Akintunde, Omowale (1999) “White Racism, White Supremacy, White Privilege, and the Social Construction of Race: Moving from Modernist to Postmodernist Multiculturalism” Multicultural Education 7, 2: 1
15 Pörksen, Uwe (1988) Plastikwörter: Die Sprache einer internationalen Diktatur. Stuttgart: Klett Cotta
16 Ein schöner Überblick über weitere verschiedene Extrempositionen oder weite Verwendungen des Begriffs in der US-Debatte findet sich hier: https://edition.cnn.com/2020/06/20/us/racist-google-question-blake/index.html
17 Anderson, Elizabeth (2010) The Imperative of Integration. Princeton: Princeton University Press, S. 48 f.
18 Ein ernüchternder Überblick über die Lage findet sich hier: https://www.bundestag.de/resource/blob/634368/071d34cdd0f392f049f3cc4894f2b61e/WD-9-095-18-pdf-data.pdf


Brief von Henrike Lehnguth und Kathrin Peters an Philipp Hübl (14.4.21)

„That life is complicated may seem a banal expression of the obvious, but it is nonetheless a profound theoretical statement – perhaps the most important theoretical statement of our time.” (Avery Gordon)

Lieber Herr Hübl,

Ihre Antwort, die ja nicht nur die Länge unseres Kommentars, sondern auch die Ihrer ursprünglichen Kolumne übertrifft, hat einige Missverständlichkeiten der Kolumne ausgeräumt. Für die unvorbereitete Hörerin konnte es zunächst so klingen, als ob nicht nur „struktureller“ Rassismus für Sie ein Unding sei, sondern das Vorkommen von Rassismus überhaupt überbewertet würde. Das dem nicht so ist, haben Sie klargestellt, insbesondere auch im Gespräch mit Daniel James.

Über die Studien, die Sie nennen, lässt sich endlos debattieren, und Sie führen ja auch die Schwierigkeiten von Fragestellungen, Kategorien und Datenauswertungen, das Problem der Repräsentativität befragter Gruppen und der sozialen Erwünschtheit von Antworten an. Quantitative Erhebungen sind wichtig, aber ihre Ergebnisse eben auch alles andere als evident, weil sie auf historischen Begriffen und auf Vorannahmen beruhen, die immer wieder befragt werden müssen. Weil die grundsätzliche Faktizität von Rassismus außer Frage steht, geht es uns vor allem um die matters of concern, um die Dinge, die uns betreffen.1Bruno Latour: Das Elend der Kritik. Vom Krieg um Fakten zu Dingen von Belang, Berlin/Zürich 2007 Es liegt wohl auf der Hand, dass Rassismus für uns alle von größerem Belang ist als der Dreißigjährige Krieg, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben. Auch an der UdK Berlin kommen rassistische Rede und Handlungen vor, an denen im Lehrzusammenhang zum Beispiel kein Anstoß genommen wird, weil sie gar nicht wahrgenommen oder als normal, im Sinne von üblich, abgewehrt werden.2Adela Lovric: Amplifying the Unheard Voices: A Statement & Conversation With Sarah Herfurth & Dalís Pacheco, 2021 https://criticaldiversity.udk-berlin.de/amplifying-the-unheard-voices/; … Continue reading Wodurch ist denn ein unconscious bias, der sich hier zeigt, begründet? Was macht überhaupt aus, was wahrnehmbar ist? Auch die Frage nach dem wissenschaftlichen und künstlerischen Kanon, der häufig ausschließlich weiße Perspektiven umfasst (damit ist nicht die Hautfarbe der Autor*innen / Künstler*innen gemeint) und der zugleich perpetuiert, was als relevant betrachtet wird und was nicht, muss gestellt werden.3Siehe die Schweizerische Studie: Philippe Saner, Sophie Vögele und Pauline Vessely: Art.School.Differences. Researching Inequalities and Normativities in the Field of Higher Art Education, … Continue reading Wir wüssten nicht, wie das besser zu nennen wäre als „strukturell“.4Bezeichnet werden damit, grob gesagt, unausgesprochene Normen und Regeln. Wir halten uns unter anderem an Michel Foucault, Gayatri Spivak und Judith Butler, mit denen das Verhältnis von Strukturen … Continue reading Dass Sie Struktur, System und Norm zu „Plastikwörter“ erklären – eine Formulierung, die man leicht selbst für das halten könnte, was sie zu beschreiben sucht –, ist natürlich eine Provokation für ganze Bereiche der Kultur- und Geisteswissenschaft, im Übrigen auch der Soziologie und Ethnologie. Welche Kulturtheorie stützt sich nicht in der ein andere Weise auf ein Konzept von Struktur?5Für einen Überblick: Stephan Moebius, Dirk Quadflieg (H.): Kultur.Theorien der Gegenwart, Wiesbaden (2. Auf.) 2011; Philipp Sarasin: Fast Forward. Kulturtheorien und Kulturkonzepte im Überblick, … Continue reading Für uns wiederum ist eine positivistische und anthropozentrische Position analytisch nicht viel versprechend. Wie sollten wir Produktion in den Künsten auch verstehen, ohne die Eigenlogik von Medien und Materialität, ohne die Bedeutung kultureller Repräsentationen und ohne verkörpertes Wissen anzuerkennen? Aber egal mit welcher Definitionshoheit man welche Begriffe klassifizieren möchte, wäre es auch möglich, einer Wendung, selbst wenn man sie falsch oder auch nur jargonhaft findet, nicht zu widersprechen, weil man um deren enorme Bedeutung für Betroffene und Aktivist*innen weiß, deren Anliegen man ja prinzipiell unterstützt.

Verbleiben wir doch so: Let’s agree to disagree. Und so teilen wir auch Ihre Einschätzung, wir hätten Sie direkt anschreiben sollen, anstatt einen offenen Brief zu formulieren, nicht. Sie haben mit ihrer Kolumne im DLF ihre Meinung sehr öffentlich dargelegt – und zwar als Gastprofessor der UdK Berlin. Vor diesem Hintergrund und weil es uns ein Anliegen ist, Menschen innerhalb und außerhalb der UdK Berlin wissen zu lassen, dass Ihre Meinung zu strukturellem Rassismus nicht stillschweigend geteilt wird, haben wir die Form des offenen Briefs gewählt. Warum sollte eine Pluralität von Argumenten, für die die Universität ohne Zweifel einsteht, eher gesichert sein, wenn wir unsere Position nicht dargelegt hätten? Mit Widerspruch muss schließlich immer gerechnet werden.

Abschließend möchten wir Sie einladen, sich mit der Jerusalem Declaration On Antisemitism, zu befassen, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Ihre Einteilung in klassischen, israelbezogenen und muslimischen Antisemitismus – in der Muslim*innen als einzige Personengruppe herausgegriffen werden –, kommt dort nicht vor. Die Jerusalem Declaration geht einen anderen Weg, unter anderem indem sie Antisemitismus in den größeren Kontext von Rassismus stellt und verdeutlicht, dass faktenbasierte Kritik an Israel als Staat nicht per se antisemitisch ist.

Beste Grüße

Henrike Lehnguth
Kathrin Peters

References

References
1 Bruno Latour: Das Elend der Kritik. Vom Krieg um Fakten zu Dingen von Belang, Berlin/Zürich 2007
2 Adela Lovric: Amplifying the Unheard Voices: A Statement & Conversation With Sarah Herfurth & Dalís Pacheco, 2021 https://criticaldiversity.udk-berlin.de/amplifying-the-unheard-voices/; https://exitracismudk.wordpress.com/
3 Siehe die Schweizerische Studie: Philippe Saner, Sophie Vögele und Pauline Vessely: Art.School.Differences. Researching Inequalities and Normativities in the Field of Higher Art Education, Schlussbericht (2016) https://blog.zhdk.ch/artschooldifferences/schlussbericht;
4 Bezeichnet werden damit, grob gesagt, unausgesprochene Normen und Regeln. Wir halten uns unter anderem an Michel Foucault, Gayatri Spivak und Judith Butler, mit denen das Verhältnis von Strukturen bzw. Diskursordnungen und Handlungsfähigkeit gedacht werden kann.
5 Für einen Überblick: Stephan Moebius, Dirk Quadflieg (H.): Kultur.Theorien der Gegenwart, Wiesbaden (2. Auf.) 2011; Philipp Sarasin: Fast Forward. Kulturtheorien und Kulturkonzepte im Überblick, in: Thomas Forrer, Angelika Linke (Hg.): Wo ist Kultur? Perspektiven der Kulturanalyse, Zürich 2011 https://www.ciando.com/img/books/extract/3728135984_lp.pdf



Ableism is the discrimination of and social prejudice against people with differing physical and mental abilities and needs. It typically involves a negative assessment of a person’s body and mind due to skills and abilities, based on a supposed biological (physical and/or mental) norm of what an able-bodied, neurotypical person should be. Ableism can intersect with other forms of oppression such as racism and sexism. 

Adultism is the discrimination found in everyday life and law based on unequal power relationships between adults, on the one hand, and children, adolescents, and young people on the other. 

The General Equal Treatment Act (AGG), enforced since 2006, is the uniform central body of regulations in Germany for the implementation of four European anti-discrimination directives. For the first time, a law was created in Germany that comprehensively regulates protection against discrimination on the grounds of race, ethnicity, gender identification, religion or belief, ability, age, or sexual orientation.

Antisemitism is a belief system based on hatred/hostility towards or discrimination against Jewish people as a religious or racial group, Jewish institutions or anyone/anything that is perceived Jewish. Antisemitism varies over time and between cultures, with antisemitism intensifying in different historical moments.   

Accessibility names the extent to which a product, service, or environment can be used and accessed by as many people as possible. Inclusive accessibility therefore assesses the needs and desires of all possible people—including those who are neurodivergent or who have varying abilities—and incorporates these into its design and function. Changes to enable those with different abilities to have equal opportunity and participation are often referred to as accommodations.  

Harassment is undesired and non-consensual conduct that violates the dignity of another person. Harassment can often create intimidating, hostile, humiliating, or offensive environments, and can be based on someone’s sexual orientation, religion, national origin, disability, age, race, gender, and more. Harassment can take a variety of forms, including verbal, physical, and/or sexual. 

The gender binary is the classification of gender into two distinct and opposite categories of man/masculine and woman/feminine. This belief system assumes that one’s sex or gender assigned at birth will align with traditional social constructions of masculine and feminine identity, expression, and sexuality. Assignment beyond the gender binary is typically viewed as a deviation of the norm. 

Sex refers to a person’s biological status and is typically assigned at birth, usually based on external anatomy. Sex is typically categorized as male, female, or intersex. 

Cisgender, or simply cis, refers to people who identify with the gender assigned to them at birth. Cis comes from the Latin prefix which means “on this side of.” 

This concept, according to Birgit Rommelspacher, assumes that there is a system of hierarchies, rule and power in which the various racist, sexist, classist, and other forms of governance intertwine. In this interconnectedness, a dominant group maintains power, which is socially negotiated again and again. In a given society, the dominant group achieves their role by being perceived as pertaining to a majority of the population and having a significant presence in societal institutions. 

The prison-industrial complex (PIC) is a term that describes the complex and interrelated dependencies between a government and the various businesses and institutions that benefit from practices of incarceration (such as prisons, jails, detention facilities, and psychiatric hospitals). Based on the term “military-industrial complex,” PIC urges a more comprehensive analysis of how imprisonment is used in a society, noting all the interest groups that prioritize financial gain over keeping people out of prisons. 

Gender-expansive is an adjective that can describe someone with a more flexible and fluid gender identity than might be associated with the typical gender binary. 

Gender is often defined as a social construct of norms, behaviors, and roles that vary between societies and over time. Gender is often categorized as male, female, or nonbinary. 

Gender transition is a process a person might take to bring themselves and/or their bodies into alignment with their gender identity. This process is not a singular step nor does it have a definite end. Rather, it can include any, none, or all of the following: telling one’s family and social circles; changing one’s name and pronouns; updating legal documents; medical interventions such as hormone therapy; or surgical intervention, often called gender confirmation surgery. 

Gender expression is how a person presents gender outwardly, most typically signalled through clothing, voice, behavior, and other perceived characteristics. Society identifies these cues and performances as masculine or feminine, although what is considered masculine or feminine varies over time and between cultures.  

Gender dysphoria refers to psychological distress that results from the incongruence between one’s sex assigned at birth and one’s gender identity. People of all genders may experience dysphoria at varying levels of intensity, or not at all. 

Gender identity is one’s own internal sense of self and their gender. Unlike gender expression, gender identity is not externally visible to others. 

Heteronormativity is the concept that heterosexuality—romantic and/or sexual attraction between people of the “opposite” gender—is the normative or acceptable sexual orientation in a society. Heteronormativity assumes the gender binary, and therefore involves a belief in the alignment between sexuality, gender identity, gender roles, and biological sex. As a dominant social norm, heteronormativity results in discrimination and oppression against those who do not identify as heterosexual.   

Hormone therapy, sometimes called gender-affirming hormone therapy (GAHT) or hormone replacement therapy (HRT), is the process by which sex hormones or other hormonal medications are administered. These hormone changes can trigger physical changes, called secondary sex characteristics, that can help better align the body with a person’s gender identity.

Institutional discrimination refers to prejudiced organizational policies and practices within institutions – such as universities, workplaces, and more – such that an individual or groups of individuals who are marginalized are unequally considered and have unequal rights. 

Inter*, or intersex, is an umbrella term that can describe people who have differences in reproductive anatomy, chromosomes, or hormones that do not fit typical definitions of male and female. The asterisks (*) emphasizes the plurality of intersex realities and physicalities. 

Intergenerational trauma refers to the trauma that is passed from a trauma survivor to their descendent. Due to violent and terrifying events—such as war, ethnic cleansing, political conflict, environmental catastrophe, and more—experienced by previous generations, descendants may experience adverse emotional, physical, and psychological effects. As the original sources of trauma are structured by forms of discrimination such as race and gender, intergenerational trauma also occurs along intersectional axes of oppression. For example, Black communities have brought to light the intergenerational trauma of enslavement. 
Intergenerational trauma is sometimes called historical trauma, multi- or transgenerational trauma, or secondary traumatization. 

Intersectionality names the interconnected nature of systems of oppression and social categorizations such as race, gender, sexuality, migratory background, and class. Intersectionality emphasizes how individual forms of discrimination do not exist independently of each other, nor can they be considered and addressed independently. Rather, addressing oppression should take into account the cumulative and interconnected axes of multiple forms of discrimination. 

Islamophobia is a belief system based on hatred/hostility towards or discrimination against Muslim people as a religious or racial group, muslim institutions or anyone/anything that is perceived Muslim. Islamophobia varies over time and between cultures, with Islamophobia intensifying in different historical moments.

Classism is a term that describes discrimination based on the belief that a person’s social or economic status determines their value in society. Classism, as a form of discrimination and stigmatization, is based on actual or assumed financial means, educational status, and social inclusion. “Inferior” classes in the hierarchy are problematised and stereotyped, and often receive unequal access and rights within society. 

Colonialism is the control and dominance of one power over a dependent area or people. In subjugating another people and land, colonialism entails violently conquering the population, often including mass displacement of people and the systematic exploitation of resources. Beyond material consequences, colonialism also includes processes of forcing the dominant power’s language and cultural values upon the subjugated people, thereby effecting cultural, psychological, and intergenerational trauma. 

Culturally argued racism is directed against people based on their presumed cultural or religious background. This form of discrimination can occur regardless of whether they actually practice one culture or religion and how religious they are (e.g. anti-Muslim racism and anti-Semitism). 

Cultural appropriation is the act of taking on aspects of a marginalized culture by a person or an institution who is outside of that culture, without comprehensive understanding of the context and often lacking respect for the significance of the original. Cultural appropriation, when promoting negative cultural or racial stereotypes, reproduces harm. Acts of cultural appropriation can often reveal power dynamics within a society: for example, a white person who wears a marginalized culture’s traditional dress is praised as fashionable, while a racialized person could be isolated from the dominant group and marked as foreign.  

Marginalization describes any process of displacing minorities to the social fringe. As a rule, marginalised groups are presumed to not correspond to the norm-oriented majority of society and are severely restricted in their ability to behave freely, have equal material access, enjoy public safety, and more.  

Microaggression names individual comments or actions that unconsciously or consciously demonstrate prejudice and enact discrimination against members of marginalized groups. As small, common, and cumulative occurrences, microaggressions can comprise of insults, stereotypes, devaluation, and/or exclusion. Microaggressions often negatively affect the person on the receiving end, affecting their psychological and physical health and wellbeing. 

Misogyny is a term for sexist oppression and contempt for women that is used to keep women at a lower social status than men, thereby maintaining patriarchal social roles. Misogyny can indicate an attitude held by individuals and a widespread cultural system that often devalues anything perceived as feminine. Misogyny can overlap with other instances of oppression and hate—such as homophobia, trans*-misogyny, and racism. 

Neurodiversity is a term that describes the unique ways each person’s brain structures function. The basic assumption of what kind of brain functioning is healthy and acceptable within a norm-oriented majority society is called neurotypical. 

Nonbinary is a term that can be used by persons who do not describe themselves or their genders as fitting into the binary categories of man or woman. A range of terms are used for these experiences, with nonbinary and genderqueer often used. 

Patriarchy is a social system whereby cis men dominantly hold positions of privilege both in public and private spheres. In feminist theory, patriarchy can be used to describe the power relationship between genders that favors male dominance, as well as the ideology of male superiority that justifies and enacts oppression against women and all non-normative genders. 

Pronouns, or personal gender pronouns (PGPs), are the set of pronouns that an individual uses to refer to themselves and desires for others to use when referring to them. The list of pronouns is continuously evolving. An individual may have several sets of preferred pronouns, or none. The intention of both asking and using a person’s pronouns correctly is to reduce the negative societal effects for those whose personal pronouns don’t match with the gender identity that’s assumed by a cisnormative society. Using gender-neutral wording and terms to refer to groups of people (such as “folks,” instead of “guys”) are also inclusive steps that resist the gender binary and cis-normativity. 

Racism is the process by which systems, policies, actions, and attitudes create unequal opportunities and outcomes for people based on race. More than individual or institutional prejudice, racism occurs when this discrimination is accompanied by the power to limit or oppress the rights of people and/or groups. Racism varies over time and between cultures, with racism towards different groups intensifying in different historical moments.   

Sex-gender difference names the distinction between the concept of “sex” as a biological fact and the concept of “gender” as a product of cultural and social processes, such as socially constructed roles, behaviours, expressions and gendered identities.

Sexism is the process by which systems, policies, actions, and attitudes create unequal opportunities and outcomes for people based on their attributed or supposed sex and the ideology underlying these phenomena. It is mostly used to name the power relations between dominant and marginalised genders within cisheteronormative patriarchal societies.

Sexual orientation is the term that describes which sex or gender a person feels emotionally, physically, romantically and/or sexually attracted to.

Social origin describes the socio-cultural values and norms into which one is born, including factors such as environment, class, caste, education biography, and more. The values that accompany one’s social origin are constructed, but often have material impact that privileges or under-privileges certain groups and people. For example, someone whose social origin includes living in a Western country, inheriting intergenerational wealth, and having a consistently good education will increase their chances for a high-paying job as an adult. Their social origin must therefore be taken into account, rather than their inherent worthiness for such a job. 

A social norm is a shared belief in the standard of acceptable behaviour by groups, both informal as well as institutionalized into policy or law. Social norms differ over time and between cultures and societies. 

Socioeconomic status, usually described as low, medium, or high, is a way of describing people based on their education, income, and type of job. The values and norms assigned to each socioeconomic class are socially constructed but have material impact. 

Structural discrimination refers to patterns of behaviour, policies, and attitudes found at the macro-level conditions of society. This discrimination of social groups is based on the nature of the structure of society as a whole. Structural discrimination is distinct from individual forms of discrimination (such as a single racist remark, which is a microaggression), though it often provides the contextual framework to understand why these individual instances occur. 

Tokenism is a superficial or symbolic gesture that includes minority members without significantly changing or addressing the structural discrimination of marginalization. Tokenism is a strategy intended to create the appearance of inclusion and to divert allegations of discrimination by requiring a single person to be representative of a minority. 

White supremacy names the beliefs and practices that privilege white people as an inherently superior race, built on the exclusion and detriment of other racial and ethnic groups. It can refer to the interconnected social, economic, and political systems that enable white people to enjoy structural advantages over other racial groups both on a collective and individual level. It can also refer to the underlying political ideology that imposes and maintains multiple forms of domination by white people and non-white supporters, from justifying European colonialism to present-day neo-fascisms. 

Whiteness is a socially and politically constructed behaviour that perpetuates an ideology, culture, history, and economy that results in the unequal distribution of power and privilege favoring those socially deemed white. The material benefits of whiteness are gained at the expense of Black, Indigenous, and people of color, who are systematically denied equal access to those material benefits. 
On our blog, white is often written in small italics to mark it as a political category and emphasize the privileges of whiteness which are often not named as such, but rather taken for granted as the invisible norm. 

Xenophobia names the hostility towards groups or individuals perceived as “outsiders” based on their culture. Xenophobic attitudes are often associated with hostile reception of immigrants or refugees who arrive in societies and communities that are not their homelands. Xenophobic discrimination can result in barriers to equally access socioeconomic opportunities, as well as ethnic, racial, or religious prejudice.

Abolition is a term that names officially ending a system, practice, or institution. Rooted in 19th century movements to abolish slavery, present day abolitionism is often invoked to end the practice of policing and military and/or the interconnected carceral systems of prisons, refugee camps, detention centers, and more. For more, see the definition of prison-industrial complex). 

Accountability is the obligation and willingness to accept responsibility for one’s actions. In the context of social justice, accountability refers to the ways in which individuals and communities hold themselves to their principles and goals, as well as acknowledging the groups to which they are responsible. Accountability often requires a transparent process and continuous self- and collective awareness. 

Ageism is discrimination or prejudice based on a person’s age, such as when skills and abilities are questioned and assessed based on one’s older or younger age. 

Agender is an adjective that can be used by persons who do not identify as any gender.

BIPoC stands for Black, Indigenous and people of color. A term that originated in the U.S., it is a self-designation intended to center the specific experiences of Black, Indigenous, and other racialized groups, who are severely impacted by systemic racial injustice rooted in histories of enslavement and colonialism, and to unite people and groups affected by racism. 

Colorism is a term that describes the prejudice or discrimination favoring people with lighter skin tones over those with darker skin tones. This is especially used to describe the nuanced discrimination faced within a racial or ethnic group. 

The Critical Diversity Policy at UdK is a document whose intention is to emphasize and enforce the idea that differences in values, attitudes, cultural perspective, beliefs, ethnic backgrounds, sexual orientation, gender identity, abilities, knowledge and life experiences of each individual in each group of people should be considered and overcome within the university.

Deadnaming is the act of calling a trans*, nonbinary, or gender-expansive person by their birth name, or an incorrect name, when they have changed their name as part of their gender expression. It is never okay or necessary to use a person’s deadname when they have changed their name, including when describing past events. If you deadname someone, take accountability by apologizing and commit to not doing so in the future. Take steps to know someone’s current name and commit to using it.   

This sociological term focuses on how people observe, (re-)produce, and make gender relevant in everyday life. Rather than taking gender as an innate quality, the acts of “doing gender” emphasize how gender is a social construct that is prevalent in daily human interaction. 

Misogynoir is a term, coined by Black feminist Moya Bailey in 2010, that describes the gendered and racial oppression faced by Black cis and transgender women (the latter sometimes referred to as trans*-misogynoir). Taking an intersectional lens, misogynoir examines how anti-Black racism and misogyny combine into a particular form of oppression and discrimination. 

Queer is an umbrella term for people who are not heterosexual or cisgender. It Is used for a broad spectrum of non-normative sexual and/or gender identities and politics. 

Safer spaces are intended to be places where marginalized communities can gather and communicate shared experiences, free of bias, conflict, or harm perpetrated by members of a dominant group. Recognizing that there is no such thing as a perfectly safe space for marginalized people under the current systems of our society, the term “safer” indicates the goal of temporary relief, as well as acknowledging the fact that harm can be reproduced even within marginalized communities. 
Examples of safer spaces created in organizations and institutions are queer-only spaces and/or spaces only for Black, Indigenous, and people of color. 

Social justice is a form of activism and political movement that promotes the process of transforming society from an injust and unequal state to one that is just and equitable. Social justice is rooted in the view that everyone deserves equal economic, political, and social rights and opportunities, and the fundamental right to feel psychologically and physically secure. Social justice therefore aims to change governing laws and societal norms that have historically and presently oppressed some groups over others. Social justice is not just the absence of discrimination, but also the presence of deliberate systems and supports that achieve and sustain equity along lines of race, gender, class, ability, religion, and more. 

Transgender, or simply trans*, is an adjective that refers to people whose gender identity is different than the sex assigned at birth. Trans comes from the Latin prefix which means “across” or “beyond.” The self-designation is not an identity feature that automatically indicates whether this person identifies with a different gender, no gender or multiple genders. Thus, there are several trans* identities. The asterisks (*) emphasizes the plurality and fluidity of trans identities.