Conversations on Care and Access. Ein Tagungsbericht zu Claire Cunninghams interaktivem Workshop an der UdK

Anstatt zu fragen, wie wir arbeiten sollten, sollten wir fragen, wie wir arbeiten müssen – so Claire Cunningham. Als Claire Cunningham erläutert, was sie damit meint, sitzt die Tänzerin, Performance-Künstlerin und Choreographin im Schneidersitz auf einem Kissen und blickt in die Runde. Ihre graue Krücke hat sie vor sich abgelegt. Was es für Cunningham bedeutet, die Bedürfnisse ihres Publikums von Anfang an konsequent mitzudenken, wird im Verlauf ihres Workshops immer deutlicher. Es ist Donnerstag, der 8. Februar 2024, Tag zwei des Symposiums Unlearning University an der UdK Berlin.

Ankommen

Der Workshop findet in Raum 61Raum 6 ist ein kleiner Raum mit Podest und besonders für Filmsichtungen geeignet. Während des Symposiums war der Raum mit Kissen und Klappmatratzen ausgestattet. im Erdgeschoss des Medienhauses statt. Der Eingang ist ebenerdig und trotz der hohen Altbau-Decke und der großen Fenster wirkt der Raum gemütlich. Dazu tragen die Sitzkissen und Matratzen auf dem Boden und der Tribüne bei, die mit vier breiten Stufen einen Großteil des Raums einnimmt. Zu Beginn ihres Workshops lädt Cunningham alle Teilnehmenden dazu ein, sich in diesem Raum einen Platz zu suchen, den sie als angenehm empfinden. Kissen werden verrückt, einige Teilnehmende machen es sich auf Matratzen auf dem Boden oder der Tribüne bequem und auch ein Rollstuhl findet Platz. Cunningham setzt sich im Schneidersitz auf die Tribüne. Sie weist darauf hin, dass es nicht nur möglich, sondern erwünscht sei, die eigenen körperlichen Bedürfnisse ernst zu nehmen, sich beispielsweise auch während des Workshops zu bewegen, umzusetzen, hinzulegen oder bei Bedarf den Raum zu verlassen, auch ohne Erklärung.

Die Teilnehmenden werden außerdem dazu eingeladen, sich aus zwei Schachteln mit Stim-Toys zu bedienen. Stim Toys, auch Fidget Toys oder Stimming Tools genannt, sind Gegenstände, die zur körperlichen Stimulation durch repetitive oder ritualisierte Bewegungen, sogenanntes Stimming, genutzt werden können.2Vgl. „Stimming. Self-Stimulating Behaviors.“ in: Psychology Today Online. URL: https://www.psychologytoday.com/intl/basics/stimming (zuletzt aufgerufen am 15.03.2024). Diese Bewegungen, das Kneten eines Balls etwa, das Langziehen einer Gummischnur oder das Drehen eines Fidget Spinners, können zur Entspannung und zur Fokussierung beitragen. Sie werden insbesondere von neurodivergenten3“Wenn die kognitiven Gehirnfunktionen eines Menschen von denjenigen abweichen, welche die Gesellschaft als innerhalb der Normliegend (also als ‚normal‘ oder ‚neurotypisch‘) definiert, … Mehr anzeigen Menschen genutzt, beispielsweise von Menschen mit ASS4Autismus-Spektrum-Störungen oder mit ADHS5Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Doch auch bei neurotypischen Menschen sind die Spielzeuge beliebt.6Stimtoys Online, URL: https://www.stimtoys.ch/pages/uber- uns (zuletzt aufgerufen am 15.03.2024). Cunningham entschuldigt sich dafür, den Workshop nicht auf Deutsch anleiten zu können. Es stehen Headsets für eine digitale Flüsterübersetzung vom Englischen ins Deutsche zur Verfügung. Im Raum befinden sich neun Teilnehmende und eine Person aus dem Awareness-Team des Symposiums. Als Ruhe eingekehrt ist, stellt sich die Workshopleiterin und Künstlerin vor.

Wer ist Claire Cunningham?

Claire Cunningham bezeichnet sich als „self-identifying disabled person“ und als „queer crip“. Ihr ist wichtig zu betonen, dass es sich dabei nicht um eine Fremdzuschreibung handelt. Anfangs beschreibt sie ihr Äußeres, damit auch Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit eine Vorstellung bekommen könnten, mit wem sie es zu tun haben. Claire Cunningham bezeichnet sich als 46-jährige, etwa ein-einhalb Krücken (143cm) große weiße Frau. Die Krücken, so die Künstlerin, seien eine Erweiterung ihres Körpers; sie bezeichnet sich spaßeshalber auch als Vierbeinerin.

Cunningham ist eine international renommierte Performerin und Choreographin. Ihre Performances beruhen häufig auf dem (Fehl-)Gebrauch ihrer Krücken. Traditionelle Tanztechniken, die nicht behinderte Körper ausschließen, lehnt Claire Cunningham bewusst ab.7Vgl. Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin (HZT): Prof. Claire Cunningham, Einstein-Professorin. In: HZT Online, URL: https://www.hzt-berlin.de/zentrum/personen/claire-cunningham/ (zuletzt … Mehr anzeigen Ihre Arbeiten basieren auf einem „tiefen Interesse an der gelebten Erfahrung von Behinderung und ihren Auswirkungen nicht nur als Choreografin, sondern auch in Bezug auf gesellschaftliche Vorstellungen von Wissen, Wert, Verbindung und gegenseitiger Abhängigkeit.“8Ebd.

Seit Oktober 2023 lehrt und forscht Cunningham als Einstein-Professorin für Choreographie, Tanz und Disability Art am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT).9Vgl. Unbekannte*r Autor*in: Claire to become the Einstein Professor for Choreography, Dance and Disability Arts at the Inter-University Centre for Dance Berlin (HZT). In: Claire Cunninghams … Mehr anzeigen Das HZT wird in Kooperation mit dem Netzwerk TanzRaumBerlin von der UdK und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch getragen. Claire Cunninghams Fokus liegt in der Forschung auf Crip-Techniken behinderter Tanzkünstler*innen, Praktiken der Fürsorge (care) und Ästhetiken von Zugang (access).10Vgl. Critical Diversity Blog, URL: https://criticaldiversity.udk-berlin.de/abstracts-und-cvs/ (zuletzt aufgerufen am 10.03.2024).

Vorstellungen von Care und Access

Zur Vorbereitung, die freiwillig war, hat Cunningham im Voraus zwei Texte zur Verfügung gestellt, auf die sie im Verlauf des Workshops immer wieder eingeht. Der erste ist ihre Abhandlung „Equations of Care & Responsibility“ (Danceolitics, 2021), der zweite das Kapitel 2.6 aus der Critical Diversity Policy der UdK (2024) zum Thema „Accessibility at/of Arts Universities“. Ursprünglich hatte Claire Cunningham geplant, den Workshop zu zweit mit der Künstlerin Angela Alves anzuleiten und die Inhalte im Dialog zu vermitteln. Doch da diese kurzfristig erkrankt ist, hält Claire Cunningham den Kurs nun alleine ab. Sie hätte gerne vermieden, einen Frontalvortrag zu halten, meint sie. Die Künstlerin schlägt daher vor, sich mit ihrem Input auf eine halbe Stunde zu beschränken, bevor die Teilnehmenden ihre persönlichen Erfahrungen nach einer Pause in interaktiven Formaten teilen können. Alle Teilnehmenden stimmen zu und Claire Cunningham erzählt. Es würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, auf all die Punkte einzugehen, die sie anspricht. Deshalb möchte ich hier die zentralen Aussagen festhalten. Wem das nicht reicht, der*dem empfehle ich Cunninghams Aufsatz „Equations of Care & Responsibility“ in dem Sammelband Danceolitics11Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 67–78., aus dem Claire Cunningham im Verlauf des Workshops immer wieder zitiert.

Mit dem Begriff care habe sie sich lange schwergetan, erklärt Claire Cunningham. Er provoziere zahlreiche problematische Assoziationen: „Care was a thing done to or for disabled people, rather than something that disabled people had agency or control in.“12Ebd., S. 68 In den vergangenen Jahren habe sie dennoch festgestellt, dass care ein wichtiger Teil ihrer Arbeit geworden sei. Sie habe sich mit anderen Künstler*innen und Kolleg*innen wie Luke Pell, Julia Watts Belser und Jess Curtis ausgetauscht und gemeinsam ein Konzept entwickelt, das sie „the choreography of care“ nannten.

Aus ihrer Perspektive als performative Künstlerin setzt sich Cunningham kritisch mit den Orten auseinander, an denen sie performt. Theater seien historisch betrachtet sehr ableistisch. In der Critical Diversity Policy der UdK wird Ableismus definiert als „die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, indem Menschen an bestimmten Fähigkeiten gemessen und auf ihre Beeinträchtigung reduziert werden und/oder indem ihnen Zugänge erschwert bzw. verunmöglicht werden.“13Universität der Künste Berlin: Glossar, in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der Künste Berlin, Berlin 2023, S. 49. Eine Theaterperformance zu besuchen, führt Claire Cunningham aus, bringe je nach Behinderung zahlreiche unterschiedliche Herausforderungen mit sich, von der Anreise über die Frage nach der Zugänglichkeit am Veranstaltungsort, etwa für Rollstühle oder für nicht sehende Menschen, bis hin zu der Frage, ob es eine geeignete Toilette gibt. Hier wird ein Punkt deutlich, den die Künstlerin auch in „Equations of Care & Responsibility“ betont: Information ist Macht (information is power14Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 74.) und je mehr Informationen, desto besser der Zugang (access).

Neben der Angst vor Bevormundung oder ablehnender Behandlung vor Ort gebe es auch Menschen, für die bestimmte Elemente der Performance ein Problem darstellen könnten, zum Beispiel, wenn der Ton ohne Vorwarnung plötzlich laut wird, oder wenn sich die Lichtverhältnisse plötzlich verändern. Auch während der Performance berührt oder angesprochen zu werden, könnte problematisch sein, ebenso, wenn die Performer*innen oder andere Zuschauer*innen erwarten, dass man sich schnell von der Stelle bewegt.15Vgl. Ebd., S. 72 f. Cunningham zählt noch viele weitere Beispiele auf, die den Performance-Besuch für Menschen mit Behinderungen erschweren können.

Häufig gingen Veranstaltungsbesuche für Menschen mit Behinderungen auch mit höheren Kosten einher als für Menschen ohne Behinderung, etwa weil zusätzlich das Ticket und die Anreise für eine Begleitperson bezahlt werden müssen oder weil die zusätzliche Recherche im Voraus und die Planung des Veranstaltungsbesuchs viel Zeit in Anspruch nehmen. Diese Arbeit (work) wolle sie honorieren und respektieren und fühle sich daher ihrem Publikum gegenüber verantwortlich. Hier kommt auch wieder der care-Begriff ins Spiel. Die care-Arbeit, die sie ihrem Publikum gegenüber leiste, gelte insbesondere, aber nicht nur für Menschen mit Behinderungen. Schließlich könne sie nicht davon ausgehen, dass der Besuch einer ihrer Performances für irgendeine Person einfach sei.16Vgl. Ebd., S. 73 f.

Daher orientiert sich Cunningham in ihrer Arbeit an den Kategorien time as care, communication as care, design as care, performance as care und the complexity of care.16 Diese Kategorien ermöglichten, ihre eigene künstlerische Arbeit zu hinterfragen. Ihr Ziel sei es, care für ihre Mitarbeiter*innen, für das Werk selbst und für das Publikum zu leisten – und zwar konsequent und von Anfang an. Darum also geht es ihr, wenn sie sagt, wir sollten uns fragen, wie wir arbeiten müssen, anstatt zu fragen, wie wir arbeiten sollten („We should ask ourselves how we must work instead of asking how we should work“). Dabei spielt Aufmerksamkeit (attention) Claire Cunningham zufolge eine zentrale Rolle. Der Akt des Wahrnehmens (noticing) der eigenen Bedürfnisse und der Bedürfnisse anderer werde zu einem Akt der Fürsorge (care), indem wir basierend auf Aufmerksamkeit und Wahrnehmung Initiative ergreifen und aktiv werden (action).17Vgl. Ebd., S. 70 Für Claire Cunningham bedeutet das unter anderem, dass sie bei der Fortbewegung im Alltag mehr auf den Boden blickt als andere und dass sie in ihren Performances daher häufig versucht, die Aufmerksamkeit des Publikums auf den Boden zu lenken.

Eine der zentralen Fragen, die sich die Künstlerin immer wieder stellt, ist außerdem, wie sie den Besucher*innen ihrer Performances das Gefühl vermitteln kann, dass es wirklich möglich ist, den Raum zu verlassen, wenn sie wollen. Dies einfach zu sagen, sei oft nicht genug. Sie versuche prinzipiell immer, möglichst alle relevanten Informationen mit dem Publikum zu teilen (information is access). Denn nur so hätten das Publikum wirklich die Wahl (choice), eine Entscheidung zu treffen: information is power. Ihre Verantwortung nehme sie sehr ernst, auch wenn die Entscheidung, Informationen vorab preiszugeben, Einfluss auf das ästhetische Erleben einer Performance haben könne.
Auch in ihrer neuen Position als Professorin am HZT steht Claire Cunningham vor der großen Frage, wie Universitäten inklusiver gestaltet werden kann.

Barrierefreiheit (in) der Kunstuniversität

Auf ihre bisherigen Erfahrungen am HZT wird sie nach ihrem Vortrag auch direkt von einer Teilnehmerin angesprochen. Mit ihrer neuen Position als Professorin gingen neue Herausforderungen einher, erwidert Claire Cunningham. Sie und ihr Team seien dabei zu lernen und herauszufinden, wie das Tanz-Studium für Menschen mit Behinderungen attraktiver werden könne. Den Bewerbungsprozess für Studierende inklusiver zu gestalten sei beispielsweise eine Stellschraube, der sie gerne mehr Aufmerksamkeit widmen würde. Sie stellte aber auch klar, dass dies eine Aufgabe der verantwortlichen Verwaltungsmitarbeiter*innen sei, für die ihr die Kapazitäten fehlten. Ihr Fokus liege auf der künstlerischen Lehre. Sie und ihr Team stellten sich deshalb die Frage, wie sie die Verbesserung der Barrierefreiheit am HZT nachhaltig unterstützen könnten. In diesem Zusammenhang spricht Claire Cunningham auch die Critical Diversity Policy der UdK an. In Kapitel 2.6 zu „Barrierefreiheit (in) der Kunstuniversität“18Vgl. Universität der Künste Berlin :Barrierefreiheit (in) der Kunstuniversität (Kapitel2.6), in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der … Mehr anzeigen bekäme sie den Eindruck, dass die Inklusion von Menschen mit Behinderungen häufig als extrem kompliziert wahrgenommen würde. Oft müsse sie das aber gar nicht sein und kleine Veränderungen könnten schon viel bewirken. In der Policy würden viele wichtige Punkte angesprochen, von der räumlichen über die digitale Barrierefreiheit bis hin zum Nachteilsausgleich für ein barrierefreies Studium.19Vgl. Ebd., S. 44f. Ein Punkt käme ihr aber zu kurz, nämlich die Zugänglichkeit zur Lehre an Kunstuniversitäten. Mit einem höheren Anteil an der Universität angestellter Personen mit Behinderung ginge ihrer Erfahrung nach automatisch mehr Inklusion auch für Studierende einher. Das hinge sowohl mit der Sensibilisierung der Angestellten und Studierenden, als auch mit der Vorbildfunktion der Lehrenden zusammen.

„Tell me something you notice in this room.”

Nach einer Pause machen es sich die Teilnehmenden wieder im Raum bequem, zum Teil an neuen Plätzen. Ein Teilnehmer legt sich auf den Rücken. Wieder lädt die Workshopleiterin dazu ein, die Bedürfnisse des Körpers bewusst wahrzunehmen (attention and noticing): „What you need for your body, feel free to do, if you want to sleep, sleep.“ Einige Teilnehmende lachen, doch Claire Cunningham erklärt, sie freue sich sogar, wenn Besucher*innen während ihrer Performances einschliefen. Das verdeutliche, dass sie sich wohlfühlten. Doch diesmal schläft niemand ein. Stattdessen lassen sich die Teilnehmenden auf die vier Übungen ein, die die Künstlerin anleitet. Die erste Übung hat Claire Cunningham von der Choreographin und Performerin Sara Shelton Mann gelernt. Dafür setzen sich die Teilnehmenden jeweils zu zweit in Paaren zusammen. Jede Person hat eine Minute Zeit, in der sie immer wieder auf die Aufforderung „Tell me something you love“ („Erzähl mir etwas, das du liebst“) antwortet. Nach einer Minute wechseln die Partner*innen und die andere Person antwortet. Diese Übung wird mit drei unterschiedlichen Partner*innen wiederholt. Einige Paare wechseln dafür ins Deutsche. Bei dem Hinweis, bitte nicht zu versuchen, interessant zu wirken, geht ein Grinsen durch die Runde. Ich beobachte gespannt, wie diese persönliche Frage die Stimmung in der Gruppe auflockert, die Teilnehmenden haben sich erst hier und heute kennengelernt. Die zweite Übung funktioniert nach demselben Prinzip, doch diesmal lautet die Aufforderung: „Tell me something you notized today – outside or inside your body“ („Erzähl mir etwas, das du heute festgestellt hast – in deinem Körper oder außerhalb“).

Die dritte und vierte Übung beziehen sich explizit auf das Thema der Barrierefreiheit an Kunstuniversitäten. Wieder wechseln die Gruppen, so dass alle Teilnehmenden einer Person gegenübersitzen, mit der sie noch nicht gesprochen haben. Für die dritte Übung hat jede Person zwei Minuten Zeit. Die Aufgabe lautet: „Tell me something you notice in this room” („Erzähl mir etwas, das du in diesem Raum wahrnimmst“). Hier ginge es um die Frage nach design as care, präzisiert Claire Cunningham, und darum, von welchen Körpern der Raum, in dem der Workshop stattfindet, ausginge.. Alle Gruppen stellen fest, wie stark der Ort das Zusammensein beeinflusst. Zwar gibt es viele gemütliche Sitzmöglichkeiten, doch wäre mehr als ein Rollstuhl im Raum, würde es schon eng werden, das Licht lässt sich nicht ändern und die Fenstergriffe sind so hoch angebracht, dass sie nur von Menschen mit einer bestimmten Körpergröße bedient werden können. Ich muss zugeben, dass mir das als able-bodied Person ohne körperliche Einschränkungen vorher nicht aufgefallen war.

Für die letzte Übung kommt erneut Bewegung in den Raum. In Vierergruppen erzählen die Teilnehmenden aus ihrem Arbeits- und Universitätsalltag und gehen jeweils auf einen konkreten Aspekt ein, der bestimmte (körperliche) Kapazitäten voraussetzt. Wir stellen fest, dass allen Teilnehmenden zahlreiche Beispiele für fehlende Zugänglichkeit (access) im Alltag einfallen. Auch mir fallen einige Situationen ein, die mich persönlich bisher ehrlicherweise nicht gestört haben. Ich halte mich eigentlich für einen reflektierten Menschen, empfinde Barrierefreiheit als wichtig und habe „Equations of Care and Responsibility“20Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 67-78. mit Begeisterung gelesen. Deshalb nehme ich auch an dem Workshop teil. Doch in diesem Moment wird mir bewusst, wie viel sensibler ich im Alltag sein könnte und sollte.

Gemeinsam diskutieren wir in Kleingruppen optionale Lösungsmöglichkeiten. Claire Cunningham weist darauf hin, dass es manchmal unmöglich sei, eine Lösung für das jeweilige Problem zu finden. Die Zeit fehlt, mögliche Lösungen für alle angesprochenen Probleme zu diskutieren, doch es gibt viele Ideen. Die diskutierten Fragen werden wir mitnehmen, so das Feedback, wie auch die Ideen für mehr care und access im individuellen Studien- und Berufsalltag. Ich beobachte nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Teilnehmenden eine Sensibilisierung. Viel zu schnell sind zwei Stunden vergangen und der Workshop findet ein Ende. Einige Teilnehmer*innen bleiben, um noch einmal kurz persönlich mit Claire Cunningham ins Gespräch zu kommen.

Und jetzt?

Immer wieder ist im Verlauf des Workshops deutlich geworden, wie ernst Claire Cunningham ihren care-Anspruch nimmt. Das Konzept der „choreography of care“ ist offensichtlich nicht nur eine Theorie, sondern die Grundlage ihres Arbeitens. Ich bin gespannt, wie sich das in Cunninghams neuem Solowerk Songs of the Wayfarer manifestieren wird, das sie im November 2024 uraufführen wird.21Vgl. HZT Online, URL: https://www.hzt-berlin.de/zentrum/personen/claire-cunningham/ (zuletzt aufgerufen am 10.03.2024). Dass die Künstlerin in ihrem Einsatz für mehr Inklusion in den Künsten keine Einzelkämpferin ist, zeigen auch andere Projekte wie beispielsweise Making A Difference. Das Langzeitprojekt hat zum Ziel, selbstbestimmte und sichtbare Communities „behinderter, Tauber und chronisch kranker Künstler*innen in der Berliner Tanzszene“ zu fördern.22Making a Difference. Projektwebseite (2024), URL: https://making-a-dilerence-berlin.de/ueber-uns/ (zuletzt aufgerufen am 12.03.2024).

An der UdK Berlin wird die im Grundgesetz23Vgl. Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 3, Satz 2. und im Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen24Vgl. Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG): Behindertengleichstellungsgesetz vom 27. April 2002 (BGBl. I S. 1467, 1468), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 23. Mai … Mehr anzeigen verankerte Forderung nach mehr Inklusion aktuell noch nicht ausreichend umgesetzt, denn es „existieren noch immer Barrieren auf räumlicher, zeitlicher, sprachlicher, organisatorischer und habitueller Ebene.“25Universität der Künste Berlin: Glossar, in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der Künste Berlin, Berlin 2023, S. 49.

Wie die UdK der Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen entgegenwirken möchte, ist in der Critical Diversity Policy festgehalten. Zentrale Anlaufstellen an der UdK Berlin sind der Beauftrage für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen Christian Schmidts und die Vertrauensperson der Schwerbehinderten Menschen Inga Kleinecke. Ihre Kontaktdaten und weitere Informationen sind auf der Webseite zur Barrierefreiheit und der Seite zum barrierefreien Studium an der UdK Berlin zu finden.

Referenzen

Referenzen
1 Raum 6 ist ein kleiner Raum mit Podest und besonders für Filmsichtungen geeignet. Während des Symposiums war der Raum mit Kissen und Klappmatratzen ausgestattet.
2 Vgl. „Stimming. Self-Stimulating Behaviors.“ in: Psychology Today Online. URL: https://www.psychologytoday.com/intl/basics/stimming (zuletzt aufgerufen am 15.03.2024).
3 “Wenn die kognitiven Gehirnfunktionen eines Menschen von denjenigen abweichen, welche die Gesellschaft als innerhalb der Normliegend (also als ‚normal‘ oder ‚neurotypisch‘) definiert, dann wird dieser Mensch als neurodivergent bezeichnet.“– Jäggi, Claudia (01.09.2023): 07 Diversität und Eingebundenheit: 7.3 Neurodiversität. In: Schweizerische Gesundheitsstiftung RADIX Online. URL: https://www.radix.ch/de/gesunde- schulen/angebote/schoolmatters/buecher/ein-beitrag-zur-entwicklung-der-schule-mit-psychischer-gesundheit/07-diversitaet-und-eingebundenheit/73-neurodiversitaet/ (zuletzt aufgerufen am 16.03.2024).
4 Autismus-Spektrum-Störungen
5 Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
6 Stimtoys Online, URL: https://www.stimtoys.ch/pages/uber- uns (zuletzt aufgerufen am 15.03.2024).
7 Vgl. Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin (HZT): Prof. Claire Cunningham, Einstein-Professorin. In: HZT Online, URL: https://www.hzt-berlin.de/zentrum/personen/claire-cunningham/ (zuletzt aufgerufen am 10.03.2024).
8 Ebd.
9 Vgl. Unbekannte*r Autor*in: Claire to become the Einstein Professor for Choreography, Dance and Disability Arts at the Inter-University Centre for Dance Berlin (HZT). In: Claire Cunninghams offizielle Webseite, URL: http://www.clairecunningham.co.uk/2023/06/claire-to-become-the-einstein-professor-for-choreography-dance-and- disability-arts-at-the-inter-university-centre-for-dance-berlin-hzt/ (zuletzt aufgerufen am 20.03.2024)
10 Vgl. Critical Diversity Blog, URL: https://criticaldiversity.udk-berlin.de/abstracts-und-cvs/ (zuletzt aufgerufen am 10.03.2024).
11 Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 67–78.
12 Ebd., S. 68
13 Universität der Künste Berlin: Glossar, in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der Künste Berlin, Berlin 2023, S. 49.
14 Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 74.
15 Vgl. Ebd., S. 72 f.
16 Vgl. Ebd., S. 73 f.
17 Vgl. Ebd., S. 70
18 Vgl. Universität der Künste Berlin :Barrierefreiheit (in) der Kunstuniversität (Kapitel2.6), in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der Künste Berlin, Berlin 2023, S. 43 f.
19 Vgl. Ebd., S. 44f.
20 Cunningham, Claire: Equations of Care & Responsibility. In: Willeit, Simone und Wolińska, Kasia (Ed.): Danceolitics, Berlin 2021, S. 67-78.
21 Vgl. HZT Online, URL: https://www.hzt-berlin.de/zentrum/personen/claire-cunningham/ (zuletzt aufgerufen am 10.03.2024).
22 Making a Difference. Projektwebseite (2024), URL: https://making-a-dilerence-berlin.de/ueber-uns/ (zuletzt aufgerufen am 12.03.2024).
23 Vgl. Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 3, Satz 2.
24 Vgl. Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG): Behindertengleichstellungsgesetz vom 27. April 2002 (BGBl. I S. 1467, 1468), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 23. Mai 2022 (BGBl. I S. 760) geändert worden ist.
25 Universität der Künste Berlin: Glossar, in: Critical Diversity Policy. Konzept für Antidiskriminierung & Diversität Universität der Künste Berlin, Berlin 2023, S. 49.


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Ableismus ist die Diskriminierung und das soziale Vorurteil gegenüber Menschen mit bestimmten körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Bedürfnissen. In der Regel handelt es sich dabei um eine Abwertung der physischen und psychischen Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, die auf einer vermeintlichen biologischen (körperlichen und/oder geistigen) Norm dessen beruht, was ein nichtbehinderter, neurotypischer Mensch sein sollte. Ableismus kann sich mit anderen Formen der Unterdrückung wie Rassismus und Sexismus überschneiden.

Adultismus ist die im Alltag und im Recht anzutreffende Diskriminierung, die auf ungleichen Machtverhältnissen zwischen Erwachsenen einerseits und Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen andererseits beruht.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das seit 2006 in Kraft ist, ist das einheitliche zentrale Regelwerk in Deutschland zur Umsetzung von vier europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien. Erstmals wurde in Deutschland ein Gesetz geschaffen, das den Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Rassifizierung, ethnischer Herkunft, Geschlechtsidentität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung umfassend regelt.

Antisemitismus ist eine Weltanschauung, die auf Hass/Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen als religiöser oder rassifizierter Gruppe, jüdischen Einrichtungen oder allem, was als jüdisch wahrgenommen wird, beruht oder diese diskriminiert. Antisemitismus kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Barrierefreiheit bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Umgebung für möglichst viele Menschen zugänglich ist und von ihnen genutzt werden kann. Inklusive Barrierefreiheit bewertet daher die Bedürfnisse und Wünsche aller möglichen Menschen – einschließlich derjenigen, die neurodivergent sind oder unterschiedliche Fähigkeiten haben – und bezieht diese in Design und Funktion mit ein. Änderungen, die Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten die gleiche Chance und Teilnahme ermöglichen, werden oft als behindertengerechte Anpassungen bezeichnet.

Belästigung ist ein unerwünschtes und nicht einvernehmliches Verhalten, das die Würde einer anderen Person verletzt. Belästigung kann oft ein einschüchterndes, feindseliges, demütigendes oder kränkendes soziales Klima erzeugen und kann auf der sexuellen Orientierung, der Religion, der nationalen Herkunft, einer Behinderung, dem Alter, der Rassifizierung, dem Geschlecht usw. einer Person beruhen. Belästigungen können verschiedene Formen annehmen, darunter verbale, körperliche und/oder sexualisierte.

Das binäre Geschlecht ist die Einteilung der Geschlechter in zwei unterschiedliche und entgegengesetzte Kategorien: Mann/männlich und Frau/feminin. Dieses Glaubenssystem geht davon aus, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht mit den traditionellen sozialen Konstruktionen von männlicher und weiblicher Identität, Ausdruck und Sexualität übereinstimmt. Eine Zuweisung außerhalb des binären Geschlechts wird in der Regel als Abweichung von der Norm betrachtet.

Das Konzept des biologischen Geschlechts bezieht sich auf den biologischen Status einer Person, welcher meist bei der Geburt zugewiesen wird – in der Regel aufgrund der äußeren Anatomie. Das biologische Geschlecht wird in der Regel als männlich, weiblich oder intersexuell kategorisiert.

Cis-Geschlechtlichkeit, oder einfach cis, bezieht sich auf Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Cis kommt von der lateinischen Vorsilbe, die „auf dieser Seite von“ bedeutet.

as Konzept nach Birgit Rommelspacher geht davon aus, dass es ein System von Hierarchien, Herrschaft und Macht gibt, indem die verschiedenen rassistischen, sexistischen, klassistischen und weiteren Herrschaftsformen sich ineinander verflechten. In dieser Verflechtung hat jeweils eine dominante Gruppe die Macht, welche gesellschaftlich immer wieder ausgehandelt wird. In einer bestehenden Gesellschaft erlangt die dominante Gruppe ihre Rolle dadurch, dass sie als zur Mehrheit der Bevölkerung gehörend wahrgenommen wird und in den gesellschaftlichen Institutionen eine bedeutende Präsenz hat.

Der gefängnisindustrielle Komplex (PIC) ist ein Begriff, der die komplexen und miteinander verknüpften Abhängigkeiten zwischen einer Regierung und den verschiedenen Unternehmen und Institutionen beschreibt, die von den Praktiken der Freiheitsentziehung profitieren (z. B. Gefängnisse, Haftanstalten, Abschiebeeinrichtungen und psychiatrische Kliniken). In Anlehnung an den Begriff „militärisch-industrieller Komplex” plädiert der PIC für eine umfassendere Analyse der Art und Weise, wie die Freiheitsberaubung in einer Gesellschaft eingesetzt wird, und nennt alle Interessengruppen, die finanzielle Gewinne über Strategien der Vermeidung der Inhaftierung von Menschen stellen.

Genderexpansiv ist ein Adjektiv, das eine Person mit einer flexibleren und fließenderen Geschlechtsidentität beschreiben kann, als mit der typischen binären Geschlechtszugehörigkeit assoziiert werden könnte.

Geschlecht wird oft als soziales Konstrukt von Normen, Verhaltensweisen und Rollen definiert, die sich von Gesellschaft zu Gesellschaft und im Laufe der Zeit verändern. Es wird oft als männlich, weiblich oder nicht-binär kategorisiert.

Die Geschlechtsangleichung ist ein Prozess, den eine Person durchlaufen kann, um sich selbst und/oder ihren Körper in Einklang mit ihrer Geschlechtsidentität zu bringen. Dieser Prozess ist weder ein einzelner Schritt noch hat er ein bestimmtes Ende. Vielmehr kann er eine, keine oder alle der folgenden Maßnahmen umfassen: Information der Familie und des sozialen Umfelds, Änderung des Namens und der Pronomen, Aktualisierung rechtlicher Dokumente, medizinische Maßnahmen wie Hormontherapie oder chirurgische Eingriffe, die oft als geschlechtsangleichende Operation bezeichnet werden.

Der Ausdruck des Geschlechts ist die Art und Weise, wie eine Person ihr Geschlecht nach außen hin verkörpert, was in der Regel durch Kleidung, Stimme, Verhalten und andere wahrgenommene Merkmale signalisiert wird. Die Gesellschaft stuft diese Merkmale und Leistungen als männlich oder weiblich ein, obwohl das, was als männlich oder weiblich gilt, im Laufe der Zeit und zwischen den Kulturen variiert.

Geschlechtsdysphorie ist eine psychische Belastung, die sich aus der Inkongruenz zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen Geschlechtsidentität ergibt. Menschen aller Geschlechter können Dysphorie in unterschiedlicher Intensität oder auch überhaupt nicht erleben.

Die Geschlechtsidentität ist das innere Selbstverständnis einer Person in Bezug auf ihr Geschlecht. Im Gegensatz zum Geschlechtsausdruck ist die Geschlechtsidentität für andere nicht äußerlich sichtbar.

Heteronormativität ist das Konzept, dass Heterosexualität – romantische und/oder sexuelle Anziehung zwischen Menschen des „anderen“ Geschlechts –  die normative oder einzig akzeptierte sexuelle Orientierung in einer Gesellschaft ist. Heteronormativität geht vom binären Geschlechtsmodell aus und beinhaltet daher den Glauben an eine Übereinstimmung zwischen Sexualität, Geschlechtsidentität, Geschlechterrollen und biologischem Geschlecht. Als vorherrschende soziale Norm führt die Heteronormativität zu Diskriminierung und Unterdrückung derjenigen, die sich nicht als heterosexuell identifizieren.

Bei der Hormontherapie, auch geschlechtsangleichende Hormontherapie (GAHT) oder Hormonersatztherapie (HRT) genannt, werden Geschlechtshormone oder andere hormonelle Medikamente verabreicht. Diese Hormonveränderungen können körperliche Veränderungen auslösen, die als sekundäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet werden und dazu beitragen können, den Körper besser auf die Geschlechtsidentität einer Person anzupassen.

Institutionelle Diskriminierung bezieht sich auf vorurteilsbehaftete organisatorische Maßnahmen und Praktiken innerhalb von Institutionen – wie Universitäten, Unternehmen usw. –, die dazu führen, dass eine marginalisierte Person oder Personengruppe ungleich behandelt wird und ungleiche Rechte hat.

Inter* oder Intergeschlechtlichkeit ist ein Oberbegriff, der Menschen beschreiben kann, die Unterschiede in der reproduktiven Anatomie, bei den Chromosomen oder den Hormonen aufweisen, die nicht den typischen Definitionen von männlich und weiblich entsprechen. Das Sternchen (*) unterstreicht die Vielfalt der intersexuellen Realitäten und Körperlichkeiten.

Intergenerationales Trauma bezieht sich auf das Trauma, das von einer traumaüberlebenden Person an deren Nachkommen weitergegeben wird. Aufgrund von gewalttätigen und lebensbedrohlichen Ereignissen wie Kriegen, ethnischen Säuberungen, politischen Konflikten, Umweltkatastrophen usw., die von früheren Generationen erlebt wurden, können die Nachkommen negative emotionale, körperliche und psychologische Auswirkungen erfahren. Da die ursprünglichen Ursachen von Traumata durch Formen der Diskriminierung wie Rassifizierung und Geschlecht bedingt sind, treten intergenerationale Traumata auch entlang intersektionaler Achsen der Unterdrückung auf. Schwarze Gemeinschaften haben zum Beispiel das intergenerationale Trauma der Versklavung ans Licht gebracht. Intergenerationales Trauma wird manchmal auch als historisches Trauma, multi- oder transgenerationales Trauma oder sekundäre Traumatisierung bezeichnet.

Intersektionalität benennt die Verflechtung von Unterdrückungssystemen und sozialen Kategorisierungen wie Rassifizierung, Geschlecht, Sexualität, Migrationsgeschichte und Klasse. Intersektionalität betont, dass die einzelnen Formen der Diskriminierung nicht unabhängig voneinander existieren und auch nicht unabhängig voneinander betrachtet und bekämpft werden können. Vielmehr sollten bei der Bekämpfung von Unterdrückung die kumulativen und miteinander verknüpften Achsen der verschiedenen Formen von Diskriminierung berücksichtigt werden.

Islamophobie ist eine Weltanschauung, die auf Hass/Feindseligkeit gegenüber muslimischen Menschen als religiöser oder rassifizierter Gruppe, muslimischen Einrichtungen oder allem, was als muslimisch wahrgenommen wird, beruht oder diese diskriminiert. Islamophobie kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Klassismus ist ein Begriff, der die Diskriminierung beschreibt, die auf der Überzeugung beruht, dass der soziale oder wirtschaftliche Status einer Person ihren Wert in der Gesellschaft bestimmt. Klassismus als eine Form der Diskriminierung und Stigmatisierung basiert auf tatsächlichen oder angenommenen finanziellen Mitteln, dem Bildungsstatus und der sozialen Integration. In der Hierarchie „unterlegene“ gesellschaftliche Klassen werden problematisiert und stereotypisiert und erhalten oft ungleichen Zugang und Rechte innerhalb der Gesellschaft.

Kolonialismus ist die Kontrolle und Dominanz einer herrschenden Macht über ein untergeordnetes Gebiet oder Volk. Bei der Unterwerfung eines anderen Volkes und Landes beinhaltet der Kolonialismus die gewaltsame Eroberung der Bevölkerung, die oft mit der Massenvertreibung von Menschen und der systematischen Ausbeutung von Ressourcen einhergeht. Abgesehen von den materiellen Folgen zwingt der Kolonialismus dem unterworfenen Volk auch die Sprache und die kulturellen Werte der herrschenden Macht auf, was kulturelle, psychologische und generationenübergreifende Traumata zur Folge hat.

Kulturalistisch argumentierter Rassismus richtet sich gegen Menschen aufgrund ihres mutmaßlichen kulturellen oder religiösen Hintergrunds. Diese Form der Diskriminierung kann unabhängig davon auftreten, ob sie tatsächlich eine Kultur oder Religion ausüben und wie religiös sie sind (z. B. antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus).

Kulturelle Aneignung ist der Akt der Übernahme von Aspekten einer marginalisierten Kultur durch eine Person oder eine Institution, die dieser Kultur nicht angehört, ohne umfassendes Verständnis des Kontexts und oft ohne Respekt für die Bedeutung des Originals. Kulturelle Aneignung reproduziert Schaden, wenn sie negative kulturelle oder rassistische Stereotypen fördert. Kulturelle Aneignung kann oft die Machtdynamik innerhalb einer Gesellschaft offenbaren: So wird beispielsweise eine weiße Person, die die traditionelle Kleidung einer marginalisierten Kultur trägt, als modisch gelobt, während eine rassifizierte Person von der dominanten Gruppe isoliert und als fremd bezeichnet werden könnte.

Marginalisierung beschreibt jeglichen Prozess der Verdrängung von Minderheiten an den Rand der Gesellschaft. Marginalisierten Gruppen wird in der Regel unterstellt, dass sie nicht der normorientierten Mehrheit der Gesellschaft entsprechen und sind in ihren Möglichkeiten, sich frei zu verhalten, gleichen materiellen Zugang zu haben, öffentliche Sicherheit zu genießen usw., stark eingeschränkt.

Mikroaggression bezeichnet einzelne Kommentare oder Handlungen, die unbewusst oder bewusst Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Mitgliedern von Randgruppen zum Ausdruck bringen. Als kleine, häufige und kumulative Vorkommnisse können Mikroaggressionen aus Beleidigungen, Stereotypen, Abwertung und/oder Ausgrenzung bestehen. Mikroaggressionen wirken sich oft negativ auf die Person aus, die sie erleidet, und beeinträchtigen ihre psychische und physische Gesundheit und ihr Wohlbefinden.

Misogynie ist ein Begriff für sexistische Unterdrückung und Verachtung von Frauen, der dazu dient, Frauen in einem niedrigeren sozialen Status als Männer zu halten und so patriarchalische soziale Rollen aufrechtzuerhalten. Misogynie kann eine Haltung von Einzelpersonen und ein weit verbreitetes kulturelles System bezeichnen, das häufig alles abwertet, was als weiblich wahrgenommen wird. Frauenfeindlichkeit kann sich mit anderen Formen der Unterdrückung und des Hasses überschneiden, z. B. mit Homophobie, Trans*-Misogynie und Rassismus.

Neurodiversität ist ein Begriff, der die einzigartige Funktionsweise der Gehirnstrukturen eines jeden Menschen beschreibt. Die Grundannahme, welche Art von Gehirnfunktion in einer normorientierten Mehrheitsgesellschaft gesund und akzeptabel ist, wird als neurotypisch bezeichnet.

Nonbinär ist ein Begriff, der von Personen genutzt werden kann, die sich selbst oder ihr Geschlecht nicht in die binären Kategorien von Mann oder Frau einordnen. Es gibt eine Reihe von Begriffen für diese Erfahrungen, wobei nonbinary und genderqueer häufig verwendet werden.

Das Patriarchat ist ein soziales System, in dem cis-geschlechtliche Männer sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich eine privilegierte Stellung einnehmen. In der feministischen Theorie kann der Begriff verwendet werden, um das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern zu beschreiben, das die männliche Dominanz begünstigt, sowie die Ideologie der männlichen Überlegenheit, die die Unterdrückung von Frauen und allen nicht-normativen Geschlechtern rechtfertigt und durchsetzt.

Pronomen oder persönliche Geschlechtspronomen (PGP) sind die Pronomen, die eine Person verwendet, um sich selbst zu bezeichnen, und die andere verwenden sollen, wenn sie sich auf sie beziehen. Die Liste der Pronomen entwickelt sich ständig weiter. Eine Person kann mehrere bevorzugte Pronomen haben oder auch gar keine. Die Absicht, die Pronomen einer Person zu erfragen und korrekt zu verwenden, besteht darin, die negativen gesellschaftlichen Auswirkungen für diejenigen zu verringern, deren persönliche Pronomen nicht mit der Geschlechtsidentität übereinstimmen, die von einer cis-normativen Gesellschaft angenommen wird. Die Verwendung geschlechtsneutraler Formulierungen und Begriffe sind ebenfalls inkludierende Schritte, die sich dem binären Geschlechtermodell und der Cis-Normativität widersetzen.

Rassismus ist der Prozess, durch den Systeme, politische Maßnahmen, Aktionen und Einstellungen ungleiche Chancen und Auswirkungen für Menschen aufgrund von Rassifizierung und rassistischen Zuschreibungen schaffen. Rassismus geht über individuelle oder institutionelle Vorurteile hinaus und tritt auf, wenn diese Diskriminierung mit der Macht einhergeht, die Rechte von Menschen und/oder Gruppen einzuschränken oder zu unterdrücken. Rassismus kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Sex-Gender-Differenz bezeichnet die Unterscheidung zwischen dem Konzept des „biologischen Geschlechts“ als biologischer Tatsache und dem Konzept des „sozialen Geschlechts“ als Produkt kultureller und sozialer Prozesse, wie z. B. sozial konstruierte Rollen, Verhaltensweisen, Ausdrucksformen und geschlechtsspezifische Identitäten.

Sexismus ist der Prozess, durch den Systeme, Politiken, Handlungen und Einstellungen ungleiche Chancen und Auswirkungen für Menschen auf der Grundlage ihres zugeschriebenen oder vermeintlichen Geschlechts schaffen und beschreibt die Ideologie, die diesen Phänomenen zugrunde liegt. Der Begriff wird meist verwendet, um die Machtverhältnisse zwischen dominanten und marginalisierten Geschlechtern in cisheteronormativen patriarchalen Gesellschaften zu benennen.

Sexuelle Orientierung ist der Begriff, der beschreibt, zu welchem Geschlecht sich eine Person emotional, körperlich, romantisch und/oder sexuell hingezogen fühlt.

Die soziale Herkunft beschreibt die soziokulturellen Werte und Normen, in die jemand hineingeboren wird, einschließlich Faktoren wie Umfeld, Klasse, Kaste, Bildungsbiografie und mehr. Die Werte, die mit der sozialen Herkunft einhergehen, sind konstruiert, haben aber oft materielle Auswirkungen, die bestimmte Gruppen und Menschen privilegieren oder benachteiligen. Wer beispielsweise in einem westlichen Land lebt, generationenübergreifenden Reichtum geerbt hat und über eine durchweg gute Ausbildung verfügt, hat als Erwachsener bessere Chancen auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz. Die soziale Herkunft muss also berücksichtigt werden und nicht die inhärente Eignung für einen Job.

Eine soziale Norm ist ein gemeinsamer Glaube an den Standard für akzeptables Verhalten von Gruppen, der sowohl informell als auch in der Politik oder im Gesetz verankert ist. Soziale Normen unterscheiden sich im Laufe der Zeit und zwischen verschiedenen Kulturen und Gesellschaften.

Der sozioökonomische Status, der in der Regel als niedrig, mittel oder hoch eingeordnet wird, beschreibt Menschen auf der Grundlage ihrer Ausbildung, ihres Einkommens und der Art ihrer Tätigkeit. Die Werte und Normen, die den einzelnen sozioökonomischen Klassen zugeordnet werden, sind sozial konstruiert, haben aber materielle Auswirkungen.

Strukturelle Diskriminierung bezieht sich auf Verhaltensmuster, Strategien und Einstellungen, die auf der Makroebene der Gesellschaft zu finden sind. Diese Diskriminierung sozialer Gruppen beruht auf der Natur der Gesellschaftsstruktur als Ganzes. Strukturelle Diskriminierung unterscheidet sich von individuellen Formen der Diskriminierung (z. B. eine einzelne rassistische Bemerkung, die eine Mikroaggression darstellt), obwohl sie oft den kontextuellen Rahmen für das Verständnis der Gründe für diese individuellen Fälle liefert.

Tokenismus ist eine nur oberflächliche oder symbolische Geste, die Angehörige von Minderheiten einbindet, ohne die strukturelle Diskriminierung der Marginalisierung wesentlich zu verändern oder zu beseitigen. Der Tokenismus ist eine Strategie, die den Anschein von Inklusion erwecken und von Diskriminierungsvorwürfen ablenken soll, indem eine einzelne Person als Vertreter einer Minderheit eingesetzt wird.

Weiße Vorherrschaft bezeichnet die Überzeugungen und Praktiken, die Weiße als eine von Natur aus überlegene soziale Gruppe privilegieren, die auf dem Ausschluss und der Benachteiligung anderer rassifizierter und ethnischer Gruppen beruht. Sie kann sich auf die miteinander verknüpften sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme beziehen, die es Weißen ermöglichen, sowohl auf kollektiver als auch auf individueller Ebene strukturelle Vorteile gegenüber rassifizierten Gruppen zu genießen. Der Begriff kann sich auch auf die zugrundeliegende politische Ideologie beziehen, die vielfältige Formen der Vorherrschaft von Weißen und nicht-weißen Anhängern erzwingt und aufrechterhält, von der Rechtfertigung des europäischen Kolonialismus bis hin zu den heutigen Neofaschismen.

Weißsein ist ein gesellschaftlich und politisch konstruiertes Verhalten, das eine Ideologie, Kultur, Geschichte und Wirtschaft aufrechterhält, die zu einer ungleichen Verteilung von Macht und Privilegien zugunsten derjenigen führt, die gesellschaftlich als weiß gelten. Die materiellen Vorteile des Weißseins werden auf Kosten Schwarzer, indigener und Menschen of Color erzielt, denen systematisch der gleiche Zugang zu diesen materiellen Vorteilen verwehrt wird. Auf diesem Blog wird weiß oftmals kursiv geschrieben, um es als politische Kategorie zu kennzeichnen und die Privilegien des Weißseins zu betonen, die oft nicht als solche benannt, sondern als unsichtbare Norm vorausgesetzt werden.

Xenophobie bezeichnet die Feindseligkeit gegenüber Gruppen oder Personen, die aufgrund ihrer Kultur als „fremd“ wahrgenommen werden. Fremdenfeindliche Haltungen sind oft mit einer feindseligen Aufnahme von Einwanderern oder Flüchtlingen verbunden, die in Gesellschaften und Gemeinschaften ankommen, die nicht ihre Heimat sind. Fremdenfeindliche Diskriminierung kann zu Hindernissen beim gleichberechtigten Zugang zu sozioökonomischen Chancen sowie zu ethnischen, rassistischen oder religiösen Vorurteilen führen.

Abolition ist ein Begriff, der das offizielle Ende eines Systems, einer Praxis oder einer Institution bezeichnet. Der Begriff hat seine Wurzeln in den Bewegungen zur Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert und wird heute oft verwendet, um die Praxis der Polizei und des Militärs und/oder die miteinander verbundenen Gefängnisse, Geflüchtetenlager, Haftanstalten usw. zu beenden. Weitere Informationen finden Sie in der Definition des gefängnisindustrielle Komplexes).

Accountability oder auch Rechenschaftspflicht ist die Verpflichtung und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Im Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit bezieht sich die Rechenschaftspflicht auf die Art und Weise, in der Einzelpersonen und Gemeinschaften sich selbst an ihre Grundsätze und Ziele halten und die Gruppen anerkennen, denen gegenüber sie verantwortlich sind. Rechenschaftspflicht erfordert oft einen transparenten Prozess und ein kontinuierliches Selbst- und Kollektivbewusstsein.

Ageism, auch Altersdiskriminierung genannt, ist eine Diskriminierung oder ein Vorurteil aufgrund des Alters einer Person, z. B. wenn Fähigkeiten und Fertigkeiten aufgrund des höheren oder niedrigeren Alters einer Person in Frage gestellt und bewertet werden.

Agender ist ein Adjektiv, das von Personen genutzt werden kann, die sich mit keinem bestimmten Geschlecht identifizieren.

BIPoC steht für Black, Indigenous und People of Color. Dieser aus den USA stammende Begriff ist eine Selbstbezeichnung, die darauf abzielt, Menschen und Gruppen zu vereinen, die von Rassismus betroffen sind. Die Selbstbezeichnung rückt die spezifischen Erfahrungen Schwarzer, indigener und anders rassifizierter Gruppen in den Mittelpunkt, welche stark von systematischer rassistischer Ungleichbehandlung, deren Wurzeln in der Geschichte der Versklavung und des Kolonialismus liegen, betroffen sind.

Colorism ist ein Begriff, der die Vorurteile oder Diskriminierung beschreibt, welche rassifizierte Menschen mit hellerer Hautfarbe bevorzugt, während solche mit dunklerer Hautfarbe benachteiligt werden. Er wird vor allem verwendet, um die nuancierte Diskriminierung innerhalb einer rassifizierten oder ethnischen Gruppe zu beschreiben.

Die Critical Diversity Policy der UdK ist ein Dokument, welches die Vorstellung hervorheben und durchsetzen soll, dass Unterschiede in Werten, Einstellungen, kulturellen Perspektiven, Überzeugungen, ethnischen Hintergründen, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Fähigkeiten, Wissen und Lebenserfahrungen jeder*jedes Einzelnen in jeder Gruppe von Menschen innerhalb der Universität berücksichtigt und überwunden werden sollten.

Deadnaming ist der Akt, für eine trans*, nicht-binäre oder genderexpansive Person mit ihren Geburtsnamen oder einen falschen Namen zu nutzen, wenn diese ihren Namen als Teil ihres Geschlechtsausdrucks geändert hat. Es ist niemals in Ordnung oder notwendig, den Deadname einer Person zu verwenden, wenn sie ihren Namen geändert hat, auch nicht bei der Beschreibung von Ereignissen in der Vergangenheit. Wenn Du eine Person mit ihrem Deadname anredest, übernimm Verantwortung, indem Du dich entschuldigst und verpflichtest, dies in Zukunft nicht mehr zu tun. Erkundige Dich nach dem aktuellen Namen der Person und bemüh Dich, ihn konsequent zu verwenden.

Dieser soziologische Begriff konzentriert sich auf die Art und Weise, wie Menschen Geschlecht wahrnehmen, (re-)produzieren und im täglichen Leben als relevant erachten. Im Gegensatz zur Annahme, dass Geschlecht eine angeborene Eigenschaft ist, unterstreicht das Konzept des “doing gender”, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, das die tägliche menschliche Interaktion prägt.

Misogynoir ist ein von der Schwarzen Feministin Moya Bailey 2010 geprägter Begriff, der die geschlechtsspezifische und rassistische Unterdrückung beschreibt, mit der Schwarze Cis- und Transgender-Frauen konfrontiert sind (letztere wird manchmal auch durch den Begriff Trans*-Misogynoir charakterisiert). Ausgehend von einer intersektionalen Sichtweise untersucht das Konzept, wie sich anti-Schwarzer Rassismus und Frauenfeindlichkeit zu einer besonderen Form der Unterdrückung und Diskriminierung verbinden.

Queer ist ein Oberbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell oder cisgender sind. Er wird für ein breites Spektrum an nicht-normativen sexuellen und/oder geschlechtlichen Identitäten und Politiken verwendet.

Safer Spaces sollen Orte sein, an denen marginalisierte Gemeinschaften zusammenkommen und gemeinsame Erfahrungen austauschen können, frei von Voreingenommenheit, Konflikten oder Verletzungen, die von Mitgliedern einer dominanten Gruppe verursacht werden. In Anerkennung der Tatsache, dass es unter den gegenwärtigen Systemen unserer Gesellschaft keinen vollkommen sicheren Raum für marginalisierte Menschen gibt, verweist der Begriff „safer“ auf das Ziel einer vorübergehenden Entlastung sowie auf die Anerkennung der Tatsache, dass Verletzungen auch innerhalb marginalisierter Gemeinschaften reproduziert werden können. Beispiele für sichere Räume, die in Organisationen und Institutionen geschaffen wurden, sind Queer-only Räume und/oder Räume nur für Schwarze, Indigene und People of Color.

Social Justice ist eine Form des Aktivismus und eine politische Bewegung, die den Prozess der Umwandlung der Gesellschaft von einem ungerechten und ungleichen Zustand in einen gerechten und gleichberechtigten Zustand fördert. Social Justice beruht auf der Auffassung, dass jeder Mensch die gleichen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rechte und Chancen verdient und das Grundrecht hat, sich psychisch und physisch sicher zu fühlen. Social Justice zielt daher darauf ab, geltende Gesetze und gesellschaftliche Normen zu ändern, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart bestimmte Gruppen gegenüber anderen unterdrückt haben. Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur die Abwesenheit von Diskriminierung, sondern auch das Vorhandensein bewusster Systeme und Unterstützungen, die Gleichheit entlang der Grenzen von Rassifizierung, Geschlecht, Klasse, Fähigkeiten, Religion usw. erreichen und erhalten.

Transgender, oder einfach trans*, ist ein Adjektiv, das sich auf Menschen bezieht, deren Geschlechtsidentität sich von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht unterscheidet. Trans kommt von der lateinischen Vorsilbe, die „hindurch“ oder „darüber hinaus“ bedeutet. Die Selbstbezeichnung gibt als Identitätsmerkmal nicht automatisch an, ob sich diese Person mit einem anderen Geschlecht, keinem Geschlecht oder mehreren Geschlechtern identifiziert. Es gibt also mehrere Trans*-Identitäten. Das Sternchen (*) unterstreicht die Pluralität und Fluidität von Trans-Identitäten.