Es ist Klassismus, nicht Klassizismus: Anticlassist Killjoy Guide for beginners at the Udk and in the Theatre Field

Nahaufnahme eines Textdokuments auf einem Computerbildschirm. Das Wort „klassistische“ wird von der Rechtschreibprüfung als fehlerhaft markiert und rot unterstrichen. Als korrekte Schreibweise wird „klassizistische“ vorgeschlagen.
Nahaufnahme eines Textdokuments auf einem Computerbildschirm. Das Wort „klassistische“ wird von der Rechtschreibprüfung als fehlerhaft markiert und rot unterstrichen. Als korrekte Schreibweise wird „klassizistische“ vorgeschlagen.

Ich habe sehr oft den Fehler gesehen, dass man eine Liste von Diskriminierungsformen erstellt und dabei Klassizismus statt Klassismus schreibt, sogar für meine Word-Datei zu diesem Text ist das Wort ein Tippfehler. Man muss nicht viel recherchieren, um die Gründe dafür zu verstehen. Meines Erachtens wird das Wort nicht so oft benutzt. 

Klassismus: Diskriminierung oder Vorurteile gegenüber einer Person oder Personen aufgrund einer [vermuteten] Zugehörigkeit zu oder Herkunft aus einer bestimmten [niedrigeren] sozialen Klasse[1]

Kunsthochschulen sind ein Hotspot für Klassismus, doch es kann schwierig sein, bestimmte Situationen zu benennen, weil viele Codes über Jahre hinweg normalisiert worden sind und nicht als Diskriminierung adressiert werden können, ohne dass man als Killjoy[2] gilt. Ich schreibe diesen Artikel in der Tradition der Selbst-Ethnographie, ich habe Szenisches Schreiben abgeschlossen, und meine Erfahrungen sind stark im Literaturbereich und in den darstellenden Künsten verankert. Ich schreibe, um euch auch zu ermutigen, Killjoys zu werden und Klassismus an der UdK und im Theaterbereich besser zu erkennen und zu bekämpfen und meritokratische Diskurse zu hinterfragen. 

Ökonomische Zugänglichkeit, Erasure und Fetischisierung

Während meines Studiums musste ich viel mit Wut umgehen. Wut darüber, dass Menschen mir Sätze gesagt haben wie: „Wähl das Foto lieber nicht. Da siehst du wie eine Kindergärtnerin aus“, nachdem ich Fotos aus meinem Autor*innenportfolio gezeigt hatte. Kann man nicht beides sein? Und was wäre daran schlimm? Hatte meine Mutter keinen Stil, als sie als Kindergärtnerin gearbeitet hat? Doch. Oder Aussagen wie: „Oh, du bist ja so reich!“, nachdem ich einer Person mein Kontoauszug mit Bafög-Ersparnissen aus Versehen gezeigt hatte – einer Person, die nicht arbeiten musste und keine Miete selbst zahlen musste, weil die Eltern dafür gesorgt haben. Ich hatte das Privileg als EU-Mitglied, Bafög zu beziehen, allerdings musste ich als Person ohne deutsche Staatsbürgerschaft beweisen, dass ich während des Studiums mindestens 12 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Ja, wenn man für das Leben arbeiten muss, muss man auch sparen, wenn es überhaupt möglich ist. Ich dachte, das wüssten alle. Aber vielleicht, wenn man nur Geld von den Eltern überwiesen bekommt, ist es nicht so. Wenn man nicht Angst hat, Bafög-Schulden zurückzahlen zu müssen. Manchmal sind Werte und Dynamiken, die ich als “selbstverständlich” wahrnehme, eigentlich klassenbedingt. Meine Wut hat sich inzwischen in Traurigkeit verwandelt, weil ich gemerkt habe, dass man sich über diese Themen kaum unterhält. Oft weiß man einfach nichts über die Lebensrealitäten anderer Menschen.

Sehr oft werden an der Uni (Kooperations-)Projekte angekündigt – spannende, gut gemeinte Projekte, für die man sich manchmal bewerben muss. Eine Bewerbung, in die viel Arbeit fließt, Arbeit, die am Ende möglicherweise umsonst ist. Die Zeit für diese Bewerbungen ist im Stundenplan jedoch nie mitgedacht. Das ist an sich schon problematisch, wird aber oft hingenommen, da die UdK Berlin ohnehin den Ruf hat, eine Universität zu sein, an der es extrem schwierig ist, etwas anderes neben dem Studium zu machen (z. B regulärer Lohnarbeit nachzugehen), an der sich Studierende zu 100 % der Kunst widmen können. Darüber hinaus ist das größte Problem meiner Meinung nach, dass viele Projekte keine klare ökonomische Zugänglichkeit haben. Wenn es um Reisen geht: Werden die Kosten erstattet? Wenn ja, wann? Müssen Rechnungen vorgestreckt werden? Wann weiß ich, ob ich Ferien beantragen muss, falls ich ortsgebunden bin?  Sehr oft kommen diese Informationen zu spät, als wären sie nur eine zusätzliche organisatorische Randnotiz und keine Form von Zugänglichkeit. Natürlich liegt das manchmal daran, dass Förderungen erst spät bestätigt werden. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Wer leidet darunter?

Wenn die ökonomische Zugänglichkeit von Projekten an der Universität oder von Ausschreibungen mit Kooperationspartner*innen nicht transparent ist, werden klassenbedingte Ausschlüsse produziert. Diese Problematiken werden jedoch nicht von der Mehrheit erlebt, und über Geld zu sprechen gilt schnell als unhöflicher Killjoy. Dadurch findet häufig Erasure statt, weil sich betroffene Menschen nicht trauen, etwas zu sagen. Wenn man dennoch etwas anspricht, gilt man entweder als unsympathisch und wird kleingeredet, oder man wird zum Teil fetischisiert. Während meiner Zeit an der UdK habe ich viel Armutscosplay und Saviourism[3]gesehen. Mit Fetischisierung meine ich, wenn eine bestimmte Person immer dann angeschaut oder angesprochen wird, wenn es um Geld geht. Wenn die Privatsphäre der Person zur Diversity-Erfahrung übersetzt wird. Die Zugänglichkeit eines Projekts sollte von der gesamten Gruppe mitgedacht werden, nicht nur von den Betroffenen. Zugänglichkeit muss Teil eines Projekts sein und nicht nur für Virtue Signaling[4] ausgenutzt werden. 

Geschmacksdiskurs und Habitus

Eine weitere Form, Klassismus zu erzeugen – ohne dass dies unbedingt beabsichtigt ist, denn mein Punkt hier ist Institutionskritik – besteht darin, elitäre Netzwerke zu reproduzieren. Jobs bekommt eine Person zum Beispiel, wenn sie zu bestimmten Premieren geht, die einen teuren Eintrittspreis verlangen oder wenn sie an bestimmten Veranstaltungen außerhalb von Berlin teilnimmt. Auch wenn diese Netzwerke sich nach außen als zugänglich präsentieren, gibt es darin einen Habitus[5], der weniger zugänglich ist. Und es braucht sowohl Geld als auch Zeit. Wie lange muss jemand mit Ferienwohnungen-Problemen empathisieren, um einen Job im Staatstheater zu bekommen? In solchen Momenten habe ich bemerkt, dass mir in Deutschland nicht nur Vitamin D fehlt, sondern auch Vitamin B. 

Als migrantische Person der ersten Generation klingt es zunächst gut, die „richtigen“ Menschen endlich durch Talent oder Tokenism[6] zu erreichen. Gleichzeitig fühlt sich das politisch schief an. Warum bin ich jetzt hier? Wegen meiner Kunst oder meiner Identität? Welche Privilegien haben mich hierher gebracht?  Warum fühle ich mich trotzdem fehl am Platz? 

Was sehr viele Aufstiegsbiographien im Kunstbereich verbindet, ist die Enttäuschung, wenn symbolische Macht sich nicht direkt in ökonomische Macht verwandelt. Die UdK ist mehr oder weniger demokratisch, wenn es um symbolische Macht geht. Ein UdK-Abschluss öffnet viele Türen, aber wie viele Türen können nachhaltig offen bleiben, wenn man nicht schon vorher ökonomische Sicherheit hatte? 

Nachdem ich ja nun meine aufstiegsbiografische Position geoutet habe, komme ich zum nächsten Punkt: Geschmack. Geschmack ist unter anderem klassenbedingt. Er funktioniert subtil. Aber wenn wir ökonomische Zugänglichkeiten im Kunst- und Theaterbereich transparent machen, werden wir zwangsläufig mit einem Geschmacksdiskurs konfrontiert. Hier ließe sich der häufige Rechtschreibfehler tatsächlich produktiv wenden: Klassizismus. Wer entscheidet was zum Klassiker wird?  Es gibt bestimmte ästhetische Setzungen – Mischungen aus Themen und Formen –, die bei einigen Klassen sehr gut ankommen und bei anderen kaum. Zum Beispiel ertrage ich kaum Texte in denen die Arbeiter*innen Klasse romantisiert wird oder mit der Armutsklasse gleichgesetzt wird und habe zudem manchmal das Gefühl, dass einige Texte “realitätsfern” in mir wirken, wobei sie realistisch sein sollten.  Welche Klasse ist für die Preiskultur zuständig? Welche Narrative gehen immer weiter? Habitus beinhaltet auch Geschmack. Natürlich gibt es Ausnahmen aber wenn man sich die Statistiken von Arbeiter*innenkindern anschaut, sieht man dass sie es z. B. nicht zu oft in den Kulturbereich schaffen. Geschmack ist natürlich nicht nur Klasse, aber wenn ein bestimmter Geschmack eine große Mehrheit in Machtpositionen hat, sollte man das im Studium zumindest thematisieren. Geschmacks-Diskursen waren aber komplett abwesend, nur Angst vor Aneignung war sehr oft im Raum.  

Dogmatische Identitätspolitik und Repräsentation

Was mir in Bezug auf Klassismus an der UdK Berlin besonders auffällt, ist, dass problematische, direkt klassistische Aussagen oft von Personen, die vorgeben sich intensiv mit dekolonialen und machtkritischen Diskursen auseinandergesetzt zu haben. Viele lernen Diskriminierungsformen ausschließlich theoretisch und verwenden bestimmte Paradigmen als starre Dogmen statt als Instrumente. Eine kleine Anekdote dazu:

Ich schreibe eine autofiktionale Szene über Erschöpfung und Klassenerfahrung an der Universität – ja, das ist momentan ein bisschen mein Fokus– und wir suchen ein Team für eine kleine Werkstattinszenierung. Abends bekomme ich einen Anruf und mir wird mitgeteilt, dass die Person, die die Rolle spielen könnte, keine Migrantin sei. Damit habe ich kein Problem und freue mich auf die Proben. Weniger freue ich mich darüber, dass ich gebeten werde, den Text zu kürzen (Kürzungen sind für Schriftsteller*innen immer schmerzhaft, egal ob im Text oder auf finanzieller Ebene in der Kulturpolitik). Ich stimme trotzdem zu und streiche die Teile über Sprachschwierigkeiten und das Thema Migration. Ich entscheide mich selbst dafür, um weniger Stress zu haben und zu verursachen. Übrig bleibt ein Text über Erschöpfung. Ich schlage vor, stärker die ökonomischen Bedingungen zu inszenieren, und höre folgende Antwort:
„Ja, aber wir können keine Unterdrückung zeigen, wir haben keine Schwarze Person auf der Bühne.“  Da der Monolog autofiktional ist, antworte ich spontan: „Ich bin auch nicht Schwarz aber ich erlebe die Unterdrückung!“ – „Ja, du!“. Für mich war die erste Antwort rassistisch, auch wenn sie aus der Idee heraus entstanden ist, keine Aneignung von Unterdrückung zu betreiben. Warum durfte nur ein schwarzer Körper Unterdrückung auf die Bühne bringen und warum könnte nicht ein schwarzer Körper einfach dort sein wenn race kein Thema ist?

Mir ist wichtig zu betonen, dass ich weiß bin. Ich erfahre keinen Rassismus, und ich halte es für zentral, die analytische Schärfe dieser Begriffe zu bewahren. Was im Text auf der Bühne beschrieben wurde, war eine Klassenerfahrung, die auch die weiße deutsche Arbeiterklasse widerspiegeln könnte. Im Raum existierte jedoch nur ein sehr binärer Schwarz-Weiß-Diskurs, der weit entfernt war von Klassenbewusstsein oder materialistischer Analyse.

Ich verstehe, dass sich die darstellenden Künste intensiv mit Repräsentation beschäftigen müssen. Dennoch ergibt es keinen Sinn, Identitätspolitik auf diese Weise zu verwenden. Ich war die migrantische Person im Raum, und deshalb konnte  niemand meine Geschichte adäquat spielen. Woher kommt diese Angst? Warum? Wer profitiert davon?

Es stimmt, dass Rassismus und Klassismus sehr oft zusammengehen und ein bisschen so wie ein toxisches Liebespaar funktionieren, aber sie existieren auch unabhängig voneinander. Es ist wichtig, Diskriminierungsformen intersektional zu denken, aber es ist auch wichtig, die Phänomene unabhängig voneinander betrachten zu können. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur machbar, sondern auch notwendig und dringend ist. Nur mit den richtigen Instrumenten können wir hegemonische Diskurse hinterfragen, andere Perspektiven sichtbar machen und echte critical diversity fördern. Es gehört zur Antidiskriminierungsarbeit. Die UdK Berlin braucht mehr Killjoys und einen internen, kollektiven Abbau von diskriminierenden und ausschließenden Strukturen, die derzeit für Viele nicht einmal sichtbar sind. Das können und dürfen sich nicht allein die betroffenen Menschen leisten. Ich beende diesen Artikel mit einer letzten Anekdote, die eine Art Zusammenfassung ist. 

Einmal hatten wir einen Workshop, zu dem ich einen Text mitgebracht hatte, der erneut autofiktional war (ja, vielleicht muss ich damit irgendwann aufhören, um weniger Stress zu haben). Meine Erfahrungen mit dem Putzen als Au-pair mit Stauballergie hatte ich in eine Figur übersetzt, die als Reinigungskraft arbeitet. Eine bekannte Künstler*in, die den Workshop leitete, deutete immer wieder an, es handle sich dabei um eine Form von Klassenaneignung. Ich ignorierte diese Provokationen, bis die Person sagte: „Ich habe eine Freundin, die als Reinigungskraft arbeitet – was würde sie über deine Texte denken?“ Ich wollte mich nicht als Arbeiterklasse outen, ich wollte meine Biographie nicht rechtfertigen. Doch genau darum geht es: das Image der UdK: ein Ort für rich kids. Ein Ort, wo einige Menschen sich nicht einmal vorstellen können, dass Studierende gleichzeitig putzen und schreiben können, oder dass sich eine Person aufstiegsbiografisch bewegt hat. Ein Ort für rich kids

Das stimmt aber nicht immer, es gibt sehr viele unterschiedliche Realitäten, die jedoch sehr leise sind. Es ist Zeit sie sichtbar zu machen und meritokratische Diskurse tief zu hinterfragen. Das ist momentan besonders wichtig weil Kultur immer mehr gekürzt wird und Kürzungen schaffen schwierigere ökonomische Bedingungen, die Antiklassismus noch dringender machen. Wir müssen Antiklassismus zum festen Kanon der UdK machen, nur dann können wir vielleicht das Wort Klassizismus neutral nutzen. Gerade können wir uns das nicht leisten.


[1] https://www.duden.de/rechtschreibung/Klassismus

[2] Der Begriff der „feminist killjoy“ geht auf Sara Ahmed zurück und bezeichnet eine Person, die durch das Benennen von Diskriminierung soziale Harmonie stört und dadurch Machtverhältnisse sichtbar macht 

[3] Saviorismus bedeutet, jemandem auf eine eigennützige Weise zu helfen. 

[4] bezeichnet das demonstrative Zur-Schau-Stellen moralischer Werte oder politischer Haltungen, vor allem mit dem Ziel, von anderen als moralisch gut oder sozial engagiert wahrgenommen zu werden – oft ohne entsprechendes Handeln im Hintergrund.

[5] bezeichnet ein System verinnerlichter Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, das Menschen im Laufe ihrer Sozialisation erwerben und das ihr Verhalten, ihren Geschmack und ihre Einstellungen prägt. Besonders geprägt wurde der Begriff von Pierre Bourdieu.

[6] bezeichnet die Praxis, einzelne Personen aus marginalisierten oder unterrepräsentierten Gruppen symbolisch einzubeziehen, um den Anschein von Vielfalt oder Gleichberechtigung zu erwecken – ohne jedoch echte strukturelle Veränderungen vorzunehmen oder diesen Personen tatsächlichen Einfluss zu geben. Das Konzept stammt von der Soziologin Rosabeth Moss Kanter.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ableismus ist die Diskriminierung und das soziale Vorurteil gegenüber Menschen mit bestimmten körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Bedürfnissen. In der Regel handelt es sich dabei um eine Abwertung der physischen und psychischen Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, die auf einer vermeintlichen biologischen (körperlichen und/oder geistigen) Norm dessen beruht, was ein nichtbehinderter, neurotypischer Mensch sein sollte. Ableismus kann sich mit anderen Formen der Unterdrückung wie Rassismus und Sexismus überschneiden.

Adultismus ist die im Alltag und im Recht anzutreffende Diskriminierung, die auf ungleichen Machtverhältnissen zwischen Erwachsenen einerseits und Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen andererseits beruht.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das seit 2006 in Kraft ist, ist das einheitliche zentrale Regelwerk in Deutschland zur Umsetzung von vier europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien. Erstmals wurde in Deutschland ein Gesetz geschaffen, das den Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Rassifizierung, ethnischer Herkunft, Geschlechtsidentität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung umfassend regelt.

Antisemitismus ist eine Weltanschauung, die auf Hass/Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen als religiöser oder rassifizierter Gruppe, jüdischen Einrichtungen oder allem, was als jüdisch wahrgenommen wird, beruht oder diese diskriminiert. Antisemitismus kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Audismus bezeichnet die Diskriminierung von Tauben, die auf einer höheren Wertschätzung des Hörens und Sprechens sowie der Abwertung von Tauben als „defekt“ beruht. Dies führt zur Marginalisierung der Gehörlosenkultur und der Gebärdensprache. (Quelle: Diversity Arts Culture)

Barrierefreiheit bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Umgebung für möglichst viele Menschen zugänglich ist und von ihnen genutzt werden kann. Inklusive Barrierefreiheit bewertet daher die Bedürfnisse und Wünsche aller möglichen Menschen – einschließlich derjenigen, die neurodivergent sind oder unterschiedliche Fähigkeiten haben – und bezieht diese in Design und Funktion mit ein. Änderungen, die Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten die gleiche Chance und Teilnahme ermöglichen, werden oft als behindertengerechte Anpassungen bezeichnet.

Belästigung ist ein unerwünschtes und nicht einvernehmliches Verhalten, das die Würde einer anderen Person verletzt. Belästigung kann oft ein einschüchterndes, feindseliges, demütigendes oder kränkendes soziales Klima erzeugen und kann auf der sexuellen Orientierung, der Religion, der nationalen Herkunft, einer Behinderung, dem Alter, der Rassifizierung, dem Geschlecht usw. einer Person beruhen. Belästigungen können verschiedene Formen annehmen, darunter verbale, körperliche und/oder sexualisierte.

Das binäre Geschlecht ist die Einteilung der Geschlechter in zwei unterschiedliche und entgegengesetzte Kategorien: Mann/männlich und Frau/feminin. Dieses Glaubenssystem geht davon aus, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht mit den traditionellen sozialen Konstruktionen von männlicher und weiblicher Identität, Ausdruck und Sexualität übereinstimmt. Eine Zuweisung außerhalb des binären Geschlechts wird in der Regel als Abweichung von der Norm betrachtet.

Das Konzept des biologischen Geschlechts bezieht sich auf den biologischen Status einer Person, welcher meist bei der Geburt zugewiesen wird – in der Regel aufgrund der äußeren Anatomie. Das biologische Geschlecht wird in der Regel als männlich, weiblich oder intersexuell kategorisiert.

Cis-Geschlechtlichkeit, oder einfach cis, bezieht sich auf Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Cis kommt von der lateinischen Vorsilbe, die „auf dieser Seite von“ bedeutet.

as Konzept nach Birgit Rommelspacher geht davon aus, dass es ein System von Hierarchien, Herrschaft und Macht gibt, indem die verschiedenen rassistischen, sexistischen, klassistischen und weiteren Herrschaftsformen sich ineinander verflechten. In dieser Verflechtung hat jeweils eine dominante Gruppe die Macht, welche gesellschaftlich immer wieder ausgehandelt wird. In einer bestehenden Gesellschaft erlangt die dominante Gruppe ihre Rolle dadurch, dass sie als zur Mehrheit der Bevölkerung gehörend wahrgenommen wird und in den gesellschaftlichen Institutionen eine bedeutende Präsenz hat.

Der gefängnisindustrielle Komplex (PIC) ist ein Begriff, der die komplexen und miteinander verknüpften Abhängigkeiten zwischen einer Regierung und den verschiedenen Unternehmen und Institutionen beschreibt, die von den Praktiken der Freiheitsentziehung profitieren (z. B. Gefängnisse, Haftanstalten, Abschiebeeinrichtungen und psychiatrische Kliniken). In Anlehnung an den Begriff „militärisch-industrieller Komplex” plädiert der PIC für eine umfassendere Analyse der Art und Weise, wie die Freiheitsberaubung in einer Gesellschaft eingesetzt wird, und nennt alle Interessengruppen, die finanzielle Gewinne über Strategien der Vermeidung der Inhaftierung von Menschen stellen.

Genderexpansiv ist ein Adjektiv, das eine Person mit einer flexibleren und fließenderen Geschlechtsidentität beschreiben kann, als mit der typischen binären Geschlechtszugehörigkeit assoziiert werden könnte.

Geschlecht wird oft als soziales Konstrukt von Normen, Verhaltensweisen und Rollen definiert, die sich von Gesellschaft zu Gesellschaft und im Laufe der Zeit verändern. Es wird oft als männlich, weiblich oder nicht-binär kategorisiert.

Die Geschlechtsangleichung ist ein Prozess, den eine Person durchlaufen kann, um sich selbst und/oder ihren Körper in Einklang mit ihrer Geschlechtsidentität zu bringen. Dieser Prozess ist weder ein einzelner Schritt noch hat er ein bestimmtes Ende. Vielmehr kann er eine, keine oder alle der folgenden Maßnahmen umfassen: Information der Familie und des sozialen Umfelds, Änderung des Namens und der Pronomen, Aktualisierung rechtlicher Dokumente, medizinische Maßnahmen wie Hormontherapie oder chirurgische Eingriffe, die oft als geschlechtsangleichende Operation bezeichnet werden.

Der Ausdruck des Geschlechts ist die Art und Weise, wie eine Person ihr Geschlecht nach außen hin verkörpert, was in der Regel durch Kleidung, Stimme, Verhalten und andere wahrgenommene Merkmale signalisiert wird. Die Gesellschaft stuft diese Merkmale und Leistungen als männlich oder weiblich ein, obwohl das, was als männlich oder weiblich gilt, im Laufe der Zeit und zwischen den Kulturen variiert.

Geschlechtsdysphorie ist eine psychische Belastung, die sich aus der Inkongruenz zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen Geschlechtsidentität ergibt. Menschen aller Geschlechter können Dysphorie in unterschiedlicher Intensität oder auch überhaupt nicht erleben.

Die Geschlechtsidentität ist das innere Selbstverständnis einer Person in Bezug auf ihr Geschlecht. Im Gegensatz zum Geschlechtsausdruck ist die Geschlechtsidentität für andere nicht äußerlich sichtbar.

Heteronormativität ist das Konzept, dass Heterosexualität – romantische und/oder sexuelle Anziehung zwischen Menschen des „anderen“ Geschlechts –  die normative oder einzig akzeptierte sexuelle Orientierung in einer Gesellschaft ist. Heteronormativität geht vom binären Geschlechtsmodell aus und beinhaltet daher den Glauben an eine Übereinstimmung zwischen Sexualität, Geschlechtsidentität, Geschlechterrollen und biologischem Geschlecht. Als vorherrschende soziale Norm führt die Heteronormativität zu Diskriminierung und Unterdrückung derjenigen, die sich nicht als heterosexuell identifizieren.

Bei der Hormontherapie, auch geschlechtsangleichende Hormontherapie (GAHT) oder Hormonersatztherapie (HRT) genannt, werden Geschlechtshormone oder andere hormonelle Medikamente verabreicht. Diese Hormonveränderungen können körperliche Veränderungen auslösen, die als sekundäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet werden und dazu beitragen können, den Körper besser auf die Geschlechtsidentität einer Person anzupassen.

Institutionelle Diskriminierung bezieht sich auf vorurteilsbehaftete organisatorische Maßnahmen und Praktiken innerhalb von Institutionen – wie Universitäten, Unternehmen usw. –, die dazu führen, dass eine marginalisierte Person oder Personengruppe ungleich behandelt wird und ungleiche Rechte hat.

Inter* oder Intergeschlechtlichkeit ist ein Oberbegriff, der Menschen beschreiben kann, die Unterschiede in der reproduktiven Anatomie, bei den Chromosomen oder den Hormonen aufweisen, die nicht den typischen Definitionen von männlich und weiblich entsprechen. Das Sternchen (*) unterstreicht die Vielfalt der intersexuellen Realitäten und Körperlichkeiten.

Intergenerationales Trauma bezieht sich auf das Trauma, das von einer traumaüberlebenden Person an deren Nachkommen weitergegeben wird. Aufgrund von gewalttätigen und lebensbedrohlichen Ereignissen wie Kriegen, ethnischen Säuberungen, politischen Konflikten, Umweltkatastrophen usw., die von früheren Generationen erlebt wurden, können die Nachkommen negative emotionale, körperliche und psychologische Auswirkungen erfahren. Da die ursprünglichen Ursachen von Traumata durch Formen der Diskriminierung wie Rassifizierung und Geschlecht bedingt sind, treten intergenerationale Traumata auch entlang intersektionaler Achsen der Unterdrückung auf. Schwarze Gemeinschaften haben zum Beispiel das intergenerationale Trauma der Versklavung ans Licht gebracht. Intergenerationales Trauma wird manchmal auch als historisches Trauma, multi- oder transgenerationales Trauma oder sekundäre Traumatisierung bezeichnet.

Intersektionalität benennt die Verflechtung von Unterdrückungssystemen und sozialen Kategorisierungen wie Rassifizierung, Geschlecht, Sexualität, Religion, Migrationsgeschichte, Klasse und mehr. Intersektionalität betont, dass die einzelnen Formen der Diskriminierung nicht unabhängig voneinander existieren und auch nicht unabhängig voneinander betrachtet und bekämpft werden können. Vielmehr sollten bei der Bekämpfung von Unterdrückung die kumulativen und miteinander verknüpften Achsen der verschiedenen Formen von Diskriminierung berücksichtigt werden.

Islamophobie ist eine Weltanschauung, die auf Hass/Feindseligkeit gegenüber muslimischen Menschen als religiöser oder rassifizierter Gruppe, muslimischen Einrichtungen oder allem, was als muslimisch wahrgenommen wird, beruht oder diese diskriminiert. Islamophobie kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Klassismus ist ein Begriff, der die Diskriminierung beschreibt, die auf der Überzeugung beruht, dass der soziale oder wirtschaftliche Status einer Person ihren Wert in der Gesellschaft bestimmt. Klassismus als eine Form der Diskriminierung und Stigmatisierung basiert auf tatsächlichen oder angenommenen finanziellen Mitteln, dem Bildungsstatus und der sozialen Integration. In der Hierarchie „unterlegene“ gesellschaftliche Klassen werden problematisiert und stereotypisiert und erhalten oft ungleichen Zugang und Rechte innerhalb der Gesellschaft.

Kolonialismus ist die Kontrolle und Dominanz einer herrschenden Macht über ein untergeordnetes Gebiet oder Volk. Bei der Unterwerfung eines anderen Volkes und Landes beinhaltet der Kolonialismus die gewaltsame Eroberung der Bevölkerung, die oft mit der Massenvertreibung von Menschen und der systematischen Ausbeutung von Ressourcen einhergeht. Abgesehen von den materiellen Folgen zwingt der Kolonialismus dem unterworfenen Volk auch die Sprache und die kulturellen Werte der herrschenden Macht auf, was kulturelle, psychologische und generationenübergreifende Traumata zur Folge hat.

Kulturalistisch argumentierter Rassismus richtet sich gegen Menschen aufgrund ihres mutmaßlichen kulturellen oder religiösen Hintergrunds. Diese Form der Diskriminierung kann unabhängig davon auftreten, ob sie tatsächlich eine Kultur oder Religion ausüben und wie religiös sie sind (z. B. antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus).

Kulturelle Aneignung ist der Akt der Übernahme von Aspekten einer marginalisierten Kultur durch eine Person oder eine Institution, die dieser Kultur nicht angehört, ohne umfassendes Verständnis des Kontexts und oft ohne Respekt für die Bedeutung des Originals. Kulturelle Aneignung reproduziert Schaden, wenn sie negative kulturelle oder rassistische Stereotypen fördert. Kulturelle Aneignung kann oft die Machtdynamik innerhalb einer Gesellschaft offenbaren: So wird beispielsweise eine weiße Person, die die traditionelle Kleidung einer marginalisierten Kultur trägt, als modisch gelobt, während eine rassifizierte Person von der dominanten Gruppe isoliert und als fremd bezeichnet werden könnte.

Marginalisierung beschreibt jeglichen Prozess der Verdrängung von Minderheiten an den Rand der Gesellschaft. Marginalisierten Gruppen wird in der Regel unterstellt, dass sie nicht der normorientierten Mehrheit der Gesellschaft entsprechen und sind in ihren Möglichkeiten, sich frei zu verhalten, gleichen materiellen Zugang zu haben, öffentliche Sicherheit zu genießen usw., stark eingeschränkt.

Mikroaggression bezeichnet einzelne Kommentare oder Handlungen, die unbewusst oder bewusst Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Mitgliedern von Randgruppen zum Ausdruck bringen. Als kleine, häufige und kumulative Vorkommnisse können Mikroaggressionen aus Beleidigungen, Stereotypen, Abwertung und/oder Ausgrenzung bestehen. Mikroaggressionen wirken sich oft negativ auf die Person aus, die sie erleidet, und beeinträchtigen ihre psychische und physische Gesundheit und ihr Wohlbefinden.

Misogynie ist ein Begriff für sexistische Unterdrückung und Verachtung von Frauen, der dazu dient, Frauen in einem niedrigeren sozialen Status als Männer zu halten und so patriarchalische soziale Rollen aufrechtzuerhalten. Misogynie kann eine Haltung von Einzelpersonen und ein weit verbreitetes kulturelles System bezeichnen, das häufig alles abwertet, was als weiblich wahrgenommen wird. Frauenfeindlichkeit kann sich mit anderen Formen der Unterdrückung und des Hasses überschneiden, z. B. mit Homophobie, Trans*-Misogynie und Rassismus.

Neurodiversität ist ein Begriff, der die einzigartige Funktionsweise der Gehirnstrukturen eines jeden Menschen beschreibt. Die Grundannahme, welche Art von Gehirnfunktion in einer normorientierten Mehrheitsgesellschaft gesund und akzeptabel ist, wird als neurotypisch bezeichnet.

Nonbinär ist ein Begriff, der von Personen genutzt werden kann, die sich selbst oder ihr Geschlecht nicht in die binären Kategorien von Mann oder Frau einordnen. Es gibt eine Reihe von Begriffen für diese Erfahrungen, wobei nonbinary und genderqueer häufig verwendet werden.

Das Patriarchat ist ein soziales System, in dem cis-geschlechtliche Männer sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich eine privilegierte Stellung einnehmen. In der feministischen Theorie kann der Begriff verwendet werden, um das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern zu beschreiben, das die männliche Dominanz begünstigt, sowie die Ideologie der männlichen Überlegenheit, die die Unterdrückung von Frauen und allen nicht-normativen Geschlechtern rechtfertigt und durchsetzt.

Pronomen oder persönliche Geschlechtspronomen (PGP) sind die Pronomen, die eine Person verwendet, um sich selbst zu bezeichnen, und die andere verwenden sollen, wenn sie sich auf sie beziehen. Die Liste der Pronomen entwickelt sich ständig weiter. Eine Person kann mehrere bevorzugte Pronomen haben oder auch gar keine. Die Absicht, die Pronomen einer Person zu erfragen und korrekt zu verwenden, besteht darin, die negativen gesellschaftlichen Auswirkungen für diejenigen zu verringern, deren persönliche Pronomen nicht mit der Geschlechtsidentität übereinstimmen, die von einer cis-normativen Gesellschaft angenommen wird. Die Verwendung geschlechtsneutraler Formulierungen und Begriffe sind ebenfalls inkludierende Schritte, die sich dem binären Geschlechtermodell und der Cis-Normativität widersetzen.

Rassismus ist der Prozess, durch den Systeme, politische Maßnahmen, Aktionen und Einstellungen ungleiche Chancen und Auswirkungen für Menschen aufgrund von Rassifizierung und rassistischen Zuschreibungen schaffen. Rassismus geht über individuelle oder institutionelle Vorurteile hinaus und tritt auf, wenn diese Diskriminierung mit der Macht einhergeht, die Rechte von Menschen und/oder Gruppen einzuschränken oder zu unterdrücken. Rassismus kann im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen variieren und sich in verschiedenen historischen Momenten intensivieren.

Sex-Gender-Differenz bezeichnet die Unterscheidung zwischen dem Konzept des „biologischen Geschlechts“ als biologischer Tatsache und dem Konzept des „sozialen Geschlechts“ als Produkt kultureller und sozialer Prozesse, wie z. B. sozial konstruierte Rollen, Verhaltensweisen, Ausdrucksformen und geschlechtsspezifische Identitäten.

Sexismus ist der Prozess, durch den Systeme, Politiken, Handlungen und Einstellungen ungleiche Chancen und Auswirkungen für Menschen auf der Grundlage ihres zugeschriebenen oder vermeintlichen Geschlechts schaffen und beschreibt die Ideologie, die diesen Phänomenen zugrunde liegt. Der Begriff wird meist verwendet, um die Machtverhältnisse zwischen dominanten und marginalisierten Geschlechtern in cisheteronormativen patriarchalen Gesellschaften zu benennen.

Sexuelle Orientierung ist der Begriff, der beschreibt, zu welchem Geschlecht sich eine Person emotional, körperlich, romantisch und/oder sexuell hingezogen fühlt.

Die soziale Herkunft beschreibt die soziokulturellen Werte und Normen, in die jemand hineingeboren wird, einschließlich Faktoren wie Umfeld, Klasse, Kaste, Bildungsbiografie und mehr. Die Werte, die mit der sozialen Herkunft einhergehen, sind konstruiert, haben aber oft materielle Auswirkungen, die bestimmte Gruppen und Menschen privilegieren oder benachteiligen. Wer beispielsweise in einem westlichen Land lebt, generationenübergreifenden Reichtum geerbt hat und über eine durchweg gute Ausbildung verfügt, hat als Erwachsener bessere Chancen auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz. Die soziale Herkunft muss also berücksichtigt werden und nicht die inhärente Eignung für einen Job.

Eine soziale Norm ist ein gemeinsamer Glaube an den Standard für akzeptables Verhalten von Gruppen, der sowohl informell als auch in der Politik oder im Gesetz verankert ist. Soziale Normen unterscheiden sich im Laufe der Zeit und zwischen verschiedenen Kulturen und Gesellschaften.

Der sozioökonomische Status, der in der Regel als niedrig, mittel oder hoch eingeordnet wird, beschreibt Menschen auf der Grundlage ihrer Ausbildung, ihres Einkommens und der Art ihrer Tätigkeit. Die Werte und Normen, die den einzelnen sozioökonomischen Klassen zugeordnet werden, sind sozial konstruiert, haben aber materielle Auswirkungen.

Strukturelle Diskriminierung bezieht sich auf Verhaltensmuster, Strategien und Einstellungen, die auf der Makroebene der Gesellschaft zu finden sind. Diese Diskriminierung sozialer Gruppen beruht auf der Natur der Gesellschaftsstruktur als Ganzes. Strukturelle Diskriminierung unterscheidet sich von individuellen Formen der Diskriminierung (z. B. eine einzelne rassistische Bemerkung, die eine Mikroaggression darstellt), obwohl sie oft den kontextuellen Rahmen für das Verständnis der Gründe für diese individuellen Fälle liefert.

Taub (in Großschreibung) ist eine positive Selbstbezeichnung für nicht hörende Menschen, unabhängig davon, ob sie taub, resthörig oder schwerhörig sind. Sie zeigt, dass Taubheit nicht als Defizit gilt. Einige Mitglieder der Tauben-Community bevorzugen „Taub“, weil es im Gegensatz zu „gehörlos“ nicht schon einen Mangel impliziert. (Quelle: Diversity Arts Culture)

Tokenismus ist eine nur oberflächliche oder symbolische Geste, die Angehörige von Minderheiten einbindet, ohne die strukturelle Diskriminierung der Marginalisierung wesentlich zu verändern oder zu beseitigen. Der Tokenismus ist eine Strategie, die den Anschein von Inklusion erwecken und von Diskriminierungsvorwürfen ablenken soll, indem eine einzelne Person als Vertreter einer Minderheit eingesetzt wird.

Weiße Vorherrschaft bezeichnet die Überzeugungen und Praktiken, die Weiße als eine von Natur aus überlegene soziale Gruppe privilegieren, die auf dem Ausschluss und der Benachteiligung anderer rassifizierter und ethnischer Gruppen beruht. Sie kann sich auf die miteinander verknüpften sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme beziehen, die es Weißen ermöglichen, sowohl auf kollektiver als auch auf individueller Ebene strukturelle Vorteile gegenüber rassifizierten Gruppen zu genießen. Der Begriff kann sich auch auf die zugrundeliegende politische Ideologie beziehen, die vielfältige Formen der Vorherrschaft von Weißen und nicht-weißen Anhängern erzwingt und aufrechterhält, von der Rechtfertigung des europäischen Kolonialismus bis hin zu den heutigen Neofaschismen.

Weißsein ist ein gesellschaftlich und politisch konstruiertes Verhalten, das eine Ideologie, Kultur, Geschichte und Wirtschaft aufrechterhält, die zu einer ungleichen Verteilung von Macht und Privilegien zugunsten derjenigen führt, die gesellschaftlich als weiß gelten. Die materiellen Vorteile des Weißseins werden auf Kosten Schwarzer, indigener und Menschen of Color erzielt, denen systematisch der gleiche Zugang zu diesen materiellen Vorteilen verwehrt wird. Auf diesem Blog wird weiß oftmals kursiv geschrieben, um es als politische Kategorie zu kennzeichnen und die Privilegien des Weißseins zu betonen, die oft nicht als solche benannt, sondern als unsichtbare Norm vorausgesetzt werden.

Xenophobie bezeichnet die Feindseligkeit gegenüber Gruppen oder Personen, die aufgrund ihrer Kultur als „fremd“ wahrgenommen werden. Fremdenfeindliche Haltungen sind oft mit einer feindseligen Aufnahme von Einwanderern oder Flüchtlingen verbunden, die in Gesellschaften und Gemeinschaften ankommen, die nicht ihre Heimat sind. Fremdenfeindliche Diskriminierung kann zu Hindernissen beim gleichberechtigten Zugang zu sozioökonomischen Chancen sowie zu ethnischen, rassistischen oder religiösen Vorurteilen führen.

Abolition ist ein Begriff, der das offizielle Ende eines Systems, einer Praxis oder einer Institution bezeichnet. Der Begriff hat seine Wurzeln in den Bewegungen zur Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert und wird heute oft verwendet, um die Praxis der Polizei und des Militärs und/oder die miteinander verbundenen Gefängnisse, Geflüchtetenlager, Haftanstalten usw. zu beenden. Weitere Informationen finden Sie in der Definition des gefängnisindustrielle Komplexes).

Accountability oder auch Rechenschaftspflicht ist die Verpflichtung und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Im Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit bezieht sich die Rechenschaftspflicht auf die Art und Weise, in der Einzelpersonen und Gemeinschaften sich selbst an ihre Grundsätze und Ziele halten und die Gruppen anerkennen, denen gegenüber sie verantwortlich sind. Rechenschaftspflicht erfordert oft einen transparenten Prozess und ein kontinuierliches Selbst- und Kollektivbewusstsein.

Ageism, auch Altersdiskriminierung genannt, ist eine Diskriminierung oder ein Vorurteil aufgrund des Alters einer Person, z. B. wenn Fähigkeiten und Fertigkeiten aufgrund des höheren oder niedrigeren Alters einer Person in Frage gestellt und bewertet werden.

Agender ist ein Adjektiv, das von Personen genutzt werden kann, die sich mit keinem bestimmten Geschlecht identifizieren.

BIPoC steht für Black, Indigenous und People of Color. Dieser aus den USA stammende Begriff ist eine Selbstbezeichnung, die darauf abzielt, Menschen und Gruppen zu vereinen, die von Rassismus betroffen sind. Die Selbstbezeichnung rückt die spezifischen Erfahrungen Schwarzer, indigener und anders rassifizierter Gruppen in den Mittelpunkt, welche stark von systematischer rassistischer Ungleichbehandlung, deren Wurzeln in der Geschichte der Versklavung und des Kolonialismus liegen, betroffen sind.

Colorism ist ein Begriff, der die Vorurteile oder Diskriminierung beschreibt, welche rassifizierte Menschen mit hellerer Hautfarbe bevorzugt, während solche mit dunklerer Hautfarbe benachteiligt werden. Er wird vor allem verwendet, um die nuancierte Diskriminierung innerhalb einer rassifizierten oder ethnischen Gruppe zu beschreiben.

Die Critical Diversity Policy der UdK ist ein Dokument, welches die Vorstellung hervorheben und durchsetzen soll, dass Unterschiede in Werten, Einstellungen, kulturellen Perspektiven, Überzeugungen, ethnischen Hintergründen, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Fähigkeiten, Wissen und Lebenserfahrungen jeder*jedes Einzelnen in jeder Gruppe von Menschen innerhalb der Universität berücksichtigt und überwunden werden sollten.

Deadnaming ist der Akt, für eine trans*, nicht-binäre oder genderexpansive Person mit ihren Geburtsnamen oder einen falschen Namen zu nutzen, wenn diese ihren Namen als Teil ihres Geschlechtsausdrucks geändert hat. Es ist niemals in Ordnung oder notwendig, den Deadname einer Person zu verwenden, wenn sie ihren Namen geändert hat, auch nicht bei der Beschreibung von Ereignissen in der Vergangenheit. Wenn Du eine Person mit ihrem Deadname anredest, übernimm Verantwortung, indem Du dich entschuldigst und verpflichtest, dies in Zukunft nicht mehr zu tun. Erkundige Dich nach dem aktuellen Namen der Person und bemüh Dich, ihn konsequent zu verwenden.

Dieser soziologische Begriff konzentriert sich auf die Art und Weise, wie Menschen Geschlecht wahrnehmen, (re-)produzieren und im täglichen Leben als relevant erachten. Im Gegensatz zur Annahme, dass Geschlecht eine angeborene Eigenschaft ist, unterstreicht das Konzept des “doing gender”, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, das die tägliche menschliche Interaktion prägt.

Misogynoir ist ein von der Schwarzen Feministin Moya Bailey 2010 geprägter Begriff, der die geschlechtsspezifische und rassistische Unterdrückung beschreibt, mit der Schwarze Cis- und Transgender-Frauen konfrontiert sind (letztere wird manchmal auch durch den Begriff Trans*-Misogynoir charakterisiert). Ausgehend von einer intersektionalen Sichtweise untersucht das Konzept, wie sich anti-Schwarzer Rassismus und Frauenfeindlichkeit zu einer besonderen Form der Unterdrückung und Diskriminierung verbinden.

Queer ist ein Oberbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell oder cisgender sind. Er wird für ein breites Spektrum an nicht-normativen sexuellen und/oder geschlechtlichen Identitäten und Politiken verwendet.

Safer Spaces sollen Orte sein, an denen marginalisierte Gemeinschaften zusammenkommen und gemeinsame Erfahrungen austauschen können, frei von Voreingenommenheit, Konflikten oder Verletzungen, die von Mitgliedern einer dominanten Gruppe verursacht werden. In Anerkennung der Tatsache, dass es unter den gegenwärtigen Systemen unserer Gesellschaft keinen vollkommen sicheren Raum für marginalisierte Menschen gibt, verweist der Begriff „safer“ auf das Ziel einer vorübergehenden Entlastung sowie auf die Anerkennung der Tatsache, dass Verletzungen auch innerhalb marginalisierter Gemeinschaften reproduziert werden können. Beispiele für sichere Räume, die in Organisationen und Institutionen geschaffen wurden, sind Queer-only Räume und/oder Räume nur für Schwarze, Indigene und People of Color.

Social Justice ist eine Form des Aktivismus und eine politische Bewegung, die den Prozess der Umwandlung der Gesellschaft von einem ungerechten und ungleichen Zustand in einen gerechten und gleichberechtigten Zustand fördert. Social Justice beruht auf der Auffassung, dass jeder Mensch die gleichen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rechte und Chancen verdient und das Grundrecht hat, sich psychisch und physisch sicher zu fühlen. Social Justice zielt daher darauf ab, geltende Gesetze und gesellschaftliche Normen zu ändern, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart bestimmte Gruppen gegenüber anderen unterdrückt haben. Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur die Abwesenheit von Diskriminierung, sondern auch das Vorhandensein bewusster Systeme und Unterstützungen, die Gleichheit entlang der Grenzen von Rassifizierung, Geschlecht, Klasse, Fähigkeiten, Religion usw. erreichen und erhalten.

Transgender, oder einfach trans*, ist ein Adjektiv, das sich auf Menschen bezieht, deren Geschlechtsidentität sich von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht unterscheidet. Trans kommt von der lateinischen Vorsilbe, die „hindurch“ oder „darüber hinaus“ bedeutet. Die Selbstbezeichnung gibt als Identitätsmerkmal nicht automatisch an, ob sich diese Person mit einem anderen Geschlecht, keinem Geschlecht oder mehreren Geschlechtern identifiziert. Es gibt also mehrere Trans*-Identitäten. Das Sternchen (*) unterstreicht die Pluralität und Fluidität von Trans-Identitäten.