{"id":5033,"date":"2026-07-28T18:16:23","date_gmt":"2026-07-28T16:16:23","guid":{"rendered":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/?p=5033"},"modified":"2026-07-31T17:54:51","modified_gmt":"2026-07-31T15:54:51","slug":"stellungnahme-zum-aktionstag-machtmissbrauch-und-diskriminierung-an-musikhochschulen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/stellungnahme-zum-aktionstag-machtmissbrauch-und-diskriminierung-an-musikhochschulen-2\/","title":{"rendered":"Es ist Klassismus, nicht Klassizismus: Anticlassist Killjoy Guide for beginners at the Udk and in the Theatre Field"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5033\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2672\" height=\"1170\" src=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23.png\" alt=\"Nahaufnahme eines Textdokuments auf einem Computerbildschirm. Das Wort \u201eklassistische\u201c wird von der Rechtschreibpr\u00fcfung als fehlerhaft markiert und rot unterstrichen. Als korrekte Schreibweise wird \u201eklassizistische\u201c vorgeschlagen.\" class=\"wp-image-5035\" srcset=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23.png 2672w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23-150x66.png 150w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23-768x336.png 768w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23-1536x673.png 1536w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-18.20.23-2048x897.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 2672px) 100vw, 2672px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich habe sehr oft den Fehler gesehen, dass man eine Liste von Diskriminierungsformen erstellt und dabei&nbsp;<em>Klassizismus<\/em>&nbsp;statt&nbsp;<em>Klassismus<\/em>&nbsp;schreibt, sogar f\u00fcr meine Word-Datei zu diesem Text ist das Wort ein Tippfehler. Man muss nicht viel recherchieren, um die Gr\u00fcnde daf\u00fcr zu verstehen. Meines Erachtens wird das Wort nicht so oft benutzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Klassismus: Diskriminierung oder Vorurteile gegen\u00fcber einer Person oder Personen aufgrund einer [vermuteten] Zugeh\u00f6rigkeit zu oder Herkunft aus einer bestimmten [niedrigeren] sozialen Klasse<a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn1\"><sup><strong><sup>[1]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kunsthochschulen sind ein Hotspot f\u00fcr Klassismus, doch es kann schwierig sein, bestimmte Situationen zu benennen, weil viele Codes \u00fcber Jahre hinweg normalisiert worden sind und nicht als Diskriminierung adressiert werden k\u00f6nnen, ohne dass man als&nbsp;<em>Killjoy<a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn2\"><sup><strong><sup>[2]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/em>&nbsp;gilt. Ich schreibe diesen Artikel in der Tradition der Selbst-Ethnographie, ich habe Szenisches Schreiben abgeschlossen, und meine Erfahrungen sind stark im Literaturbereich und in den darstellenden K\u00fcnsten verankert. Ich schreibe, um euch auch zu ermutigen, Killjoys zu werden und Klassismus an der UdK und im Theaterbereich besser zu erkennen und zu bek\u00e4mpfen und meritokratische Diskurse zu hinterfragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Okonomische_Zuganglichkeit_Erasure_und_Fetischisierung\"><\/span>\u00d6konomische Zug\u00e4nglichkeit, Erasure und Fetischisierung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meines Studiums musste ich viel mit Wut umgehen. Wut dar\u00fcber, dass Menschen mir S\u00e4tze gesagt haben wie: \u201eW\u00e4hl das Foto lieber nicht. Da siehst du wie eine Kinderg\u00e4rtnerin aus\u201c, nachdem ich Fotos aus meinem Autor*innenportfolio gezeigt hatte. Kann man nicht beides sein? Und was w\u00e4re daran schlimm? Hatte meine Mutter keinen Stil, als sie als Kinderg\u00e4rtnerin gearbeitet hat? Doch. Oder Aussagen wie: \u201eOh, du bist ja so reich!\u201c, nachdem ich einer Person mein Kontoauszug mit Baf\u00f6g-Ersparnissen aus Versehen gezeigt hatte \u2013 einer Person, die nicht arbeiten musste und keine Miete selbst zahlen musste, weil die Eltern daf\u00fcr gesorgt haben. Ich hatte das Privileg als EU-Mitglied, Baf\u00f6g zu beziehen, allerdings musste ich als Person ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft beweisen, dass ich w\u00e4hrend des Studiums mindestens 12 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Ja, wenn man f\u00fcr das Leben arbeiten muss, muss man auch sparen, wenn es \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Ich dachte, das w\u00fcssten alle. Aber vielleicht, wenn man nur Geld von den Eltern \u00fcberwiesen bekommt, ist es nicht so. Wenn man nicht Angst hat, Baf\u00f6g-Schulden zur\u00fcckzahlen zu m\u00fcssen. Manchmal sind Werte und Dynamiken, die ich als \u201cselbstverst\u00e4ndlich\u201d wahrnehme, eigentlich klassenbedingt. Meine Wut hat sich inzwischen in Traurigkeit verwandelt, weil ich gemerkt habe, dass man sich \u00fcber diese Themen kaum unterh\u00e4lt. Oft wei\u00df man einfach nichts \u00fcber die Lebensrealit\u00e4ten anderer Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr oft werden an der Uni (Kooperations-)Projekte angek\u00fcndigt \u2013 spannende, gut gemeinte Projekte, f\u00fcr die man sich manchmal bewerben muss. Eine Bewerbung, in die viel Arbeit flie\u00dft, Arbeit, die am Ende m\u00f6glicherweise umsonst ist. Die Zeit f\u00fcr diese Bewerbungen ist im Stundenplan jedoch nie mitgedacht. Das ist an sich schon problematisch, wird aber oft hingenommen, da die UdK Berlin ohnehin den Ruf hat, eine Universit\u00e4t zu sein, an der es extrem schwierig ist, etwas anderes neben dem Studium zu machen (z. B regul\u00e4rer Lohnarbeit nachzugehen), an der sich Studierende zu 100 % der Kunst widmen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus ist das gr\u00f6\u00dfte Problem meiner Meinung nach, dass viele Projekte keine klare \u00f6konomische Zug\u00e4nglichkeit haben. Wenn es um Reisen geht: Werden die Kosten erstattet? Wenn ja, wann? M\u00fcssen Rechnungen vorgestreckt werden? Wann wei\u00df ich, ob ich Ferien beantragen muss, falls ich ortsgebunden bin?&nbsp;&nbsp;Sehr oft kommen diese Informationen zu sp\u00e4t, als w\u00e4ren sie nur eine zus\u00e4tzliche organisatorische Randnotiz und keine Form von Zug\u00e4nglichkeit. Nat\u00fcrlich liegt das manchmal daran, dass F\u00f6rderungen erst sp\u00e4t best\u00e4tigt werden. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Wer leidet darunter?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die \u00f6konomische Zug\u00e4nglichkeit von Projekten an der Universit\u00e4t oder von Ausschreibungen mit Kooperationspartner*innen nicht transparent ist, werden klassenbedingte Ausschl\u00fcsse produziert. Diese Problematiken werden jedoch nicht von der Mehrheit erlebt, und \u00fcber Geld zu sprechen gilt schnell als unh\u00f6flicher Killjoy. Dadurch findet h\u00e4ufig&nbsp;<strong><em>Erasure<\/em><\/strong>&nbsp;statt, weil sich betroffene Menschen nicht trauen, etwas zu sagen. Wenn man dennoch etwas anspricht, gilt man entweder als unsympathisch und wird kleingeredet, oder man wird zum Teil fetischisiert. W\u00e4hrend meiner Zeit an der UdK habe ich viel Armutscosplay und&nbsp;<em>Saviourism<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>gesehen. Mit&nbsp;<strong>Fetischisierung<\/strong>&nbsp;meine ich, wenn eine bestimmte Person immer dann angeschaut oder angesprochen wird, wenn es um Geld geht. Wenn die Privatsph\u00e4re der Person zur Diversity-Erfahrung \u00fcbersetzt wird. Die Zug\u00e4nglichkeit eines Projekts sollte von der gesamten Gruppe mitgedacht werden, nicht nur von den Betroffenen. Zug\u00e4nglichkeit muss Teil eines Projekts sein und nicht nur f\u00fcr&nbsp;<em>Virtue Signaling<a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn4\"><sup><strong><sup>[4]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a>&nbsp;<\/em>ausgenutzt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Geschmacksdiskurs_und_Habitus\"><\/span>Geschmacksdiskurs und Habitus<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Eine weitere Form, Klassismus zu erzeugen \u2013 ohne dass dies unbedingt beabsichtigt ist, denn mein Punkt hier ist Institutionskritik \u2013 besteht darin, elit\u00e4re Netzwerke zu reproduzieren. Jobs bekommt eine Person zum Beispiel, wenn sie zu bestimmten Premieren geht, die einen teuren Eintrittspreis verlangen oder wenn sie an bestimmten Veranstaltungen au\u00dferhalb von Berlin teilnimmt. Auch wenn diese Netzwerke sich nach au\u00dfen als zug\u00e4nglich pr\u00e4sentieren, gibt es darin einen&nbsp;<em>Habitus<a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn5\"><sup><strong><sup>[5]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/em>, der weniger zug\u00e4nglich ist. Und es braucht sowohl Geld als auch Zeit. Wie lange muss jemand mit Ferienwohnungen-Problemen empathisieren, um einen Job im Staatstheater zu bekommen? In solchen Momenten habe ich bemerkt, dass mir in Deutschland nicht nur Vitamin D fehlt, sondern auch Vitamin B.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als migrantische Person der ersten Generation klingt es zun\u00e4chst gut, die \u201erichtigen\u201c Menschen endlich durch Talent oder&nbsp;<em>Tokenism<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>&nbsp;zu erreichen. Gleichzeitig f\u00fchlt sich das politisch schief an. Warum bin ich jetzt hier? Wegen meiner Kunst oder meiner Identit\u00e4t? Welche Privilegien haben mich hierher gebracht?&nbsp;&nbsp;Warum f\u00fchle ich mich trotzdem fehl am Platz?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was sehr viele Aufstiegsbiographien im Kunstbereich verbindet, ist die Entt\u00e4uschung, wenn symbolische Macht sich nicht direkt in \u00f6konomische Macht verwandelt. Die UdK ist mehr oder weniger demokratisch, wenn es um symbolische Macht geht. Ein UdK-Abschluss \u00f6ffnet viele T\u00fcren, aber wie viele T\u00fcren k\u00f6nnen nachhaltig offen bleiben, wenn man nicht schon vorher \u00f6konomische Sicherheit hatte?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich ja nun meine aufstiegsbiografische Position geoutet habe, komme ich zum n\u00e4chsten Punkt:\u00a0<strong>Geschmack.<\/strong>\u00a0Geschmack ist unter anderem klassenbedingt. Er funktioniert subtil. Aber wenn wir \u00f6konomische Zug\u00e4nglichkeiten im Kunst- und Theaterbereich transparent machen, werden wir zwangsl\u00e4ufig mit einem Geschmacksdiskurs konfrontiert. Hier lie\u00dfe sich der h\u00e4ufige Rechtschreibfehler tats\u00e4chlich produktiv wenden:\u00a0<em>Klassizismus<\/em>. Wer entscheidet was zum Klassiker wird?\u00a0\u00a0Es gibt bestimmte \u00e4sthetische Setzungen \u2013 Mischungen aus Themen und Formen \u2013, die bei einigen Klassen sehr gut ankommen und bei anderen kaum. Zum Beispiel ertrage ich kaum Texte in denen die Arbeiter*innen Klasse romantisiert wird oder mit der Armutsklasse gleichgesetzt wird und habe zudem manchmal das Gef\u00fchl, dass einige Texte \u201crealit\u00e4tsfern\u201d in mir wirken, wobei sie realistisch sein sollten.\u00a0\u00a0Welche Klasse ist f\u00fcr die Preiskultur zust\u00e4ndig? Welche Narrative gehen immer weiter? Habitus beinhaltet auch Geschmack. Nat\u00fcrlich gibt es Ausnahmen aber wenn man sich die Statistiken von Arbeiter*innenkindern anschaut, sieht man dass sie es z. B. nicht zu oft in den Kulturbereich schaffen. Geschmack ist nat\u00fcrlich nicht nur Klasse, aber wenn ein bestimmter Geschmack eine gro\u00dfe Mehrheit in Machtpositionen hat, sollte man das im Studium zumindest thematisieren. Geschmacks-Diskursen waren aber komplett abwesend, nur Angst vor Aneignung war sehr oft im Raum.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Dogmatische_Identitatspolitik_und_Reprasentation\"><\/span>Dogmatische Identit\u00e4tspolitik und Repr\u00e4sentation<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Was mir in Bezug auf Klassismus an der UdK Berlin besonders auff\u00e4llt, ist, dass problematische, direkt klassistische Aussagen oft von Personen, die vorgeben sich intensiv mit dekolonialen und machtkritischen Diskursen auseinandergesetzt zu haben. Viele lernen Diskriminierungsformen ausschlie\u00dflich theoretisch und verwenden bestimmte Paradigmen als starre Dogmen statt als Instrumente. Eine kleine Anekdote dazu:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe eine autofiktionale Szene \u00fcber Ersch\u00f6pfung und Klassenerfahrung an der Universit\u00e4t \u2013 ja, das ist momentan ein bisschen mein Fokus\u2013 und wir suchen ein Team f\u00fcr eine kleine Werkstattinszenierung. Abends bekomme ich einen Anruf und mir wird mitgeteilt, dass die Person, die die Rolle spielen k\u00f6nnte, keine Migrantin sei. Damit habe ich kein Problem und freue mich auf die Proben. Weniger freue ich mich dar\u00fcber, dass ich gebeten werde, den Text zu k\u00fcrzen (K\u00fcrzungen sind f\u00fcr Schriftsteller*innen immer schmerzhaft, egal ob im Text oder auf finanzieller Ebene in der Kulturpolitik). Ich stimme trotzdem zu und streiche die Teile \u00fcber Sprachschwierigkeiten und das Thema Migration. Ich entscheide mich selbst daf\u00fcr, um weniger Stress zu haben und zu verursachen. \u00dcbrig bleibt ein Text \u00fcber Ersch\u00f6pfung. Ich schlage vor, st\u00e4rker die \u00f6konomischen Bedingungen zu inszenieren, und h\u00f6re folgende Antwort:<br>\u201eJa, aber wir k\u00f6nnen keine Unterdr\u00fcckung zeigen, wir haben keine Schwarze Person auf der B\u00fchne.\u201c&nbsp;&nbsp;Da der Monolog autofiktional ist, antworte ich spontan: \u201eIch bin auch nicht Schwarz aber ich erlebe die Unterdr\u00fcckung!\u201c \u2013 \u201eJa, du!\u201c. F\u00fcr mich war die erste Antwort rassistisch, auch wenn sie aus der Idee heraus entstanden ist, keine Aneignung von Unterdr\u00fcckung zu betreiben. Warum durfte nur ein schwarzer K\u00f6rper Unterdr\u00fcckung auf die B\u00fchne bringen und warum k\u00f6nnte nicht ein schwarzer K\u00f6rper einfach dort sein wenn&nbsp;<em>race<\/em>&nbsp;kein Thema ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist wichtig zu betonen, dass ich wei\u00df bin. Ich erfahre keinen Rassismus, und ich halte es f\u00fcr zentral, die analytische Sch\u00e4rfe dieser Begriffe zu bewahren. Was im Text auf der B\u00fchne beschrieben wurde, war eine Klassenerfahrung, die auch die wei\u00dfe deutsche Arbeiterklasse widerspiegeln k\u00f6nnte. Im Raum existierte jedoch nur ein sehr bin\u00e4rer Schwarz-Wei\u00df-Diskurs, der weit entfernt war von Klassenbewusstsein oder materialistischer Analyse.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verstehe, dass sich die darstellenden K\u00fcnste intensiv mit Repr\u00e4sentation besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Dennoch ergibt es keinen Sinn, Identit\u00e4tspolitik auf diese Weise zu verwenden. Ich war die migrantische Person im Raum, und deshalb konnte&nbsp;&nbsp;niemand meine Geschichte ad\u00e4quat spielen. Woher kommt diese Angst? Warum? Wer profitiert davon?<\/p>\n\n\n\n<p>Es stimmt, dass Rassismus und Klassismus sehr oft zusammengehen und ein bisschen so wie ein toxisches Liebespaar funktionieren, aber sie existieren auch unabh\u00e4ngig voneinander. Es ist wichtig, Diskriminierungsformen intersektional zu denken, aber es ist auch wichtig, die Ph\u00e4nomene unabh\u00e4ngig voneinander betrachten zu k\u00f6nnen. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur machbar, sondern auch notwendig und dringend ist. Nur mit den richtigen Instrumenten k\u00f6nnen wir hegemonische Diskurse hinterfragen, andere Perspektiven sichtbar machen und echte&nbsp;<em>critical diversity<\/em>&nbsp;f\u00f6rdern. Es geh\u00f6rt zur Antidiskriminierungsarbeit. Die UdK Berlin braucht mehr&nbsp;<em>Killjoys<\/em>&nbsp;und einen internen, kollektiven Abbau von diskriminierenden und ausschlie\u00dfenden Strukturen, die derzeit f\u00fcr Viele nicht einmal sichtbar sind. Das k\u00f6nnen und d\u00fcrfen sich nicht allein die betroffenen Menschen leisten. Ich beende diesen Artikel mit einer letzten Anekdote, die eine Art Zusammenfassung ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal hatten wir einen Workshop, zu dem ich einen Text mitgebracht hatte, der erneut autofiktional war (ja, vielleicht muss ich damit irgendwann aufh\u00f6ren, um weniger Stress zu haben). Meine Erfahrungen mit dem Putzen als Au-pair mit Stauballergie hatte ich in eine Figur \u00fcbersetzt, die als Reinigungskraft arbeitet. Eine bekannte K\u00fcnstler*in, die den Workshop leitete, deutete immer wieder an, es handle sich dabei um eine Form von Klassenaneignung. Ich ignorierte diese Provokationen, bis die Person sagte: \u201eIch habe eine Freundin, die als Reinigungskraft arbeitet \u2013 was w\u00fcrde sie \u00fcber deine Texte denken?\u201c Ich wollte mich nicht als Arbeiterklasse outen, ich wollte meine Biographie nicht rechtfertigen. Doch genau darum geht es: das Image der UdK: ein Ort f\u00fcr&nbsp;<em>rich kids<\/em>. Ein Ort, wo einige Menschen sich nicht einmal vorstellen k\u00f6nnen, dass Studierende gleichzeitig putzen und schreiben k\u00f6nnen, oder dass sich eine Person aufstiegsbiografisch bewegt hat. Ein Ort f\u00fcr&nbsp;<em>rich kids<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt aber nicht immer, es gibt sehr viele unterschiedliche Realit\u00e4ten, die jedoch sehr leise sind. Es ist Zeit sie sichtbar zu machen und meritokratische Diskurse tief zu hinterfragen. Das ist momentan besonders wichtig weil Kultur immer mehr gek\u00fcrzt wird und K\u00fcrzungen schaffen schwierigere \u00f6konomische Bedingungen, die Antiklassismus noch dringender machen. Wir m\u00fcssen Antiklassismus zum festen Kanon der UdK machen, nur dann k\u00f6nnen wir vielleicht das Wort Klassizismus neutral nutzen. Gerade k\u00f6nnen wir uns das nicht leisten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Klassismus\">https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Klassismus<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Der Begriff der \u201efeminist killjoy\u201c geht auf Sara Ahmed zur\u00fcck und bezeichnet eine Person, die durch das Benennen von Diskriminierung soziale Harmonie st\u00f6rt und dadurch Machtverh\u00e4ltnisse sichtbar macht&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>&nbsp;Saviorismus bedeutet, jemandem auf eine eigenn\u00fctzige Weise zu helfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>&nbsp;bezeichnet das demonstrative Zur-Schau-Stellen moralischer Werte oder politischer Haltungen, vor allem mit dem Ziel, von anderen als moralisch gut oder sozial engagiert wahrgenommen zu werden \u2013 oft ohne entsprechendes Handeln im Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>&nbsp;bezeichnet ein System verinnerlichter Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, das Menschen im Laufe ihrer Sozialisation erwerben und das ihr Verhalten, ihren Geschmack und ihre Einstellungen pr\u00e4gt. Besonders gepr\u00e4gt wurde der Begriff von Pierre Bourdieu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/0FACCB60-D36B-43E9-9539-8407DC4E50CB#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>&nbsp;bezeichnet die Praxis, einzelne Personen aus marginalisierten oder unterrepr\u00e4sentierten Gruppen symbolisch einzubeziehen, um den Anschein von Vielfalt oder Gleichberechtigung zu erwecken \u2013 ohne jedoch echte strukturelle Ver\u00e4nderungen vorzunehmen oder diesen Personen tats\u00e4chlichen Einfluss zu geben. Das Konzept stammt von der Soziologin Rosabeth Moss Kanter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5033\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Text \u00fcber Klassismuserfahrungen an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin. Alice Muitoevoli Rugai studierte Szenisches Schreiben an der UdK Berlin und berichtet von Begegnungen, Situationen und Machtdynamiken, die klassistische Denkmuster reproduzieren und h\u00e4ufig umhinterfragt lassen. Alice pl\u00e4diert f\u00fcr eine strukturelle Auseinandersetzung mit Klassismus.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":5035,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[13,12,9,1,11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5033"}],"collection":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5033"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5060,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5033\/revisions\/5060"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}