{"id":4432,"date":"2025-03-05T21:45:49","date_gmt":"2025-03-05T20:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/?p=4432"},"modified":"2025-03-12T14:09:32","modified_gmt":"2025-03-12T13:09:32","slug":"interview-eine-uni-zwei-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/interview-eine-uni-zwei-welten\/","title":{"rendered":"Eine Uni, zwei Welten  \u2013 Zwischen H\u00f6rsaal und Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4432\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><p>Ein\u00a0Interview\u00a0zwischen\u00a0Josephine\u00a0Pritz\u00a0(Fakult\u00e4t\u00a0Musik)\u00a0und\u00a0Emilie\u00a0Intsiful\u00a0(Jazz Institute Berlin).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4404\" srcset=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-scaled.jpg 2560w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-150x113.jpg 150w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-768x576.jpg 768w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Foto-Josephine-Pritz_CDB-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Emilie\u00a0Intsiful\u00a0(Jazz Institute Berlin) und Josephine\u00a0Pritz\u00a0(Fakult\u00e4t\u00a0Musik) v. l. n. r.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:5px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-background\" style=\"background-color:#e5e5e5\"><strong>Einleitung und Hintergrund des Interviews <\/strong><br><em><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Josephine\u00a0Pritz<\/mark>:\u00a0<\/em>In einer sehr\u00a0konservativen, \u00fcberwiegend <em>wei\u00df<\/em> gelesenen Klassikszene habe ich als <em>wei\u00dfe <\/em>Frau<em>\u00a0<\/em>Machtmissbrauch\u00a0an\u00a0verschiedenen Musikhochschulen in Deutschland erlebt, die meine Karriere gepr\u00e4gt und ungewollt gelenkt\u00a0haben.\u00a0In\u00a0der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin (UdK Berlin)\u00a0habe\u00a0ich\u00a0dann\u00a0Emilie\u00a0Intsiful\u00a0kennengelernt.\u00a0Auch\u00a0sie\u00a0wurde\u00a0an einer Institution an klassische Musik herangef\u00fchrt, welche haupts\u00e4chlich M\u00e4nner repr\u00e4sentiert. Aber nicht nur als Frau in\u00a0der Musikwelt \u2013 sie\u00a0studiert am Jazz Institut Berlin (JiB), wo\u00a0nur 10% weiblich sind \u2013 erf\u00e4hrt sie Herausforderungen, die strukturell bedingt sind. Besonders als Schwarze Frau in der Klassikszene, die haupts\u00e4chlich auch nach wie vor <em>wei\u00df<\/em> und m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt ist, und als Mutter in einem Studium, das haupts\u00e4chlich abends stattfindet, erf\u00e4hrt sie H\u00fcrden, die systembedingt sind. Warum ihr Vater eine fast untypische klassisch\u00a0musikalische\u00a0F\u00f6rderung\u00a0f\u00fcr Emilie Intsiful gew\u00e4hlt hat, und vieles mehr m\u00f6chte ich gerne herausfinden und ihrer tollen (musikalischen)\u00a0Stimme\u00a0zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Josephine\u00a0Pritz:<\/mark>\u00a0Hallo\u00a0Emilie.\u00a0Wie\u00a0geht&#8217;s\u00a0dir und woher kommst du gerade?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Emilie Intsiful:<\/mark> <\/strong>Hi Phine.\u00a0Vielen\u00a0Dank,\u00a0gut\u00a0geht\u00a0es\u00a0mir. Ich\u00a0komme\u00a0gerade\u00a0von\u00a0einem Meeting\u00a0mit Freunden\u00a0auch\u00a0von\u00a0der Uni. Wir organisieren\u00a0ein\u00a0Benefizkonzert f\u00fcr \u00dcberlebende des\u00a0Genozids in\u00a0Pal\u00e4stina. Das\u00a0ist so das, was ich als Mensch in meiner Situation tun kann. Ich bin nicht so der Demomensch, gerade zumal die Polizei ein bisschen unberechenbar ist. Deswegen also ein Friedenskonzert, wo Liebe und Musik im Vordergrund stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Die&nbsp;anderen,&nbsp;die&nbsp;dieses&nbsp;Benefizkonzert&nbsp;mit&nbsp;dir&nbsp;organisieren,&nbsp;sind&nbsp;die&nbsp;auch&nbsp;von&nbsp;der UdK Berlin. Wann hast du mit dem Studium angefangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Ich habe offiziell die Aufnahmepr\u00fcfung im Jahre 2021 bestanden. Dann wurde ich schwanger&nbsp;und&nbsp;habe&nbsp;im Wintersemester 2022&nbsp;mein&nbsp;Studium&nbsp;mit&nbsp;meinem&nbsp;sieben&nbsp;Monate&nbsp;jungen&nbsp;Sohn zusammen begonnen. W\u00e4hrend meines Studiums hatte mich meine wundervolle Gesangsdozentin inspiriert, mich mit Jazzmusik zu befassen. Das hat mich motiviert, ich habe mich nach meinem ersten Semester spontan am JIB beworben.&nbsp;Und&nbsp;seit&nbsp;Wintersemester 2023&nbsp;bin&nbsp;ichalso&nbsp;am&nbsp;JIB.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Studium mit einem Kind \u2013 das ist eine&nbsp;krasse&nbsp;Herausforderung, oder? Wie&nbsp;machst du&nbsp;das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>EI:<\/strong> <\/mark>Ich habe angefangen, meinen Sohn mit in jeden Kurs zu nehmen. Und habe dann einfach&nbsp;an&nbsp;Ort&nbsp;und&nbsp;Stelle&nbsp;gefragt,ob&nbsp;das&nbsp;f\u00fcr&nbsp;die*den&nbsp;jeweilige*n&nbsp;Dozent*in&nbsp;okay&nbsp;ist.&nbsp;Und die meisten Dozierenden waren total lieb und verst\u00e4ndnisvoll. In&nbsp;einem&nbsp;Kurs&nbsp;wurde&nbsp;ich,&nbsp;weil&nbsp;mein&nbsp;Kind&nbsp;zu&nbsp;unruhig&nbsp;war,&nbsp;schon&nbsp;zweimal&nbsp;gebeten,&nbsp;den Kurs zu verlassen. Andere Dozierende haben auch mal meinen Sohn gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:&nbsp;<\/mark>Du&nbsp;als&nbsp;Schwarze&nbsp;Frau&nbsp;und&nbsp;als&nbsp;alleinerziehende&nbsp;Mutter,&nbsp;wie&nbsp;f\u00fchlst&nbsp;du&nbsp;dich&nbsp;unter&nbsp;all diesen Bedingungen, die dich ausmachen, in unserer Institution, der UdK Berlin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong>&nbsp;Wie&nbsp;f\u00fchle ich&nbsp;mich?&nbsp;Es&nbsp;ist&nbsp;mit viel&nbsp;Unsicherheit verbunden.&nbsp;Ich&nbsp;f\u00fchle&nbsp;viele Blicke auf mir seit ich hier angefangen habe. Es gibt hier nicht so viele Menschen mit Migrationserfahrung,&nbsp;vor&nbsp;allem&nbsp;an&nbsp;der&nbsp;UdK Berlin,&nbsp;auch&nbsp;am&nbsp;Jazz-Institut,&nbsp;gibt&nbsp;es&nbsp;mittlerweile keine einzige BIPoC mehr. Ich habe das Gef\u00fchl, ich versetze mich sehr oft aus Unsicherheit in die Lage meiner Mitstudierenden und versuche, mich von au\u00dfen zu betrachten&nbsp;und&nbsp;zu&nbsp;sehen,&nbsp;wie&nbsp;die&nbsp;anderen&nbsp;mich&nbsp;sehen&nbsp;und&nbsp;denke&nbsp;mir,&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;bestimmt irgendwie&nbsp;nur&nbsp;diese&nbsp;Schwarze Mutter&nbsp;halt.&nbsp;Und&nbsp;die,&nbsp;die&nbsp;vielleicht&nbsp;noch&nbsp;\u00e4lter ist.&nbsp;Deshalb werde&nbsp;ich&nbsp;auch&nbsp;nicht&nbsp;eingeladen.&nbsp;Weil&nbsp;wenn&nbsp;ich&nbsp;eingeladenwerde,&nbsp;dann&nbsp;nur&nbsp;so&nbsp;spontan, dass ich keine Babysitter*in mehr organisieren kann. Menschen denken nicht zwingend f\u00fcr mich&nbsp;als&nbsp;Mutter mit. Das&nbsp;ist gerade&nbsp;mein&nbsp;Eindruck, vielleicht kannst du mir aber auch mal&nbsp;erz\u00e4hlen,&nbsp;wie&nbsp;du&nbsp;unsere&nbsp;Uni als&nbsp;Frau&nbsp;wahrnimmst.&nbsp;Warum&nbsp;hast&nbsp;du&nbsp;die&nbsp;UdK Berlin&nbsp;gew\u00e4hlt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Mein&nbsp;Eindruck&nbsp;ist,&nbsp;dass&nbsp;der&nbsp;immer&nbsp;pr\u00e4sente&nbsp;Machtmissbrauch&nbsp;an&nbsp;Musikhochschulen noch&nbsp;viel&nbsp;krasser&nbsp;ist,&nbsp;als an&nbsp;anderen&nbsp;Institutionen&nbsp;wie&nbsp;wissenschaftlichen&nbsp;Universit\u00e4ten z. B. Ich&nbsp;sch\u00e4tze mein&nbsp;Studium und das, was&nbsp;ich&nbsp;hier gelernt habe. Ich&nbsp;habe gemerkt, wie privilegiert ich bin und wie wenig privilegiert andere Personen sind, weil ich das reflektieren&nbsp;konnte,&nbsp;indem&nbsp;ich&nbsp;\u00fcber&nbsp;den&nbsp;Tellerrand&nbsp;der&nbsp;UdK Berlin&nbsp;hinaus&nbsp;geblickt&nbsp;habe,&nbsp;was auch&nbsp;total&nbsp;wichtig&nbsp;f\u00fcr&nbsp;mich&nbsp;ist, um&nbsp;eine&nbsp;Struktur&nbsp;aufzubrechen.&nbsp;Man&nbsp;m\u00fcsste&nbsp;sehr&nbsp;gro\u00df aufr\u00e4umen, was die Strukturen, die Hierarchien und so einige Habiten angeht. Wer muss sich wo und wie vorstellen? Oder welche Diskriminierungsformen, die in jeglicher&nbsp;Struktur&nbsp;oder&nbsp;aufverschiedenen&nbsp;Ebenen,&nbsp;in&nbsp;verschiedenen&nbsp;Ismen&nbsp;an&nbsp;der&nbsp;Uni stattfinden, gibt es? Da muss man wirklich ganz genau \u00fcberpr\u00fcfen. Ein Ziel sollte sein, dass viel mehr Menschen die M\u00f6glichkeit haben, an der UdK Berlin zu studieren,&nbsp;und&nbsp;es&nbsp;sollte&nbsp;m\u00f6glichgemacht werden als&nbsp;alleinerziehende&nbsp;Mutter&nbsp;auch&nbsp;ein Studium zu bew\u00e4ltigen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Und&nbsp;jetzt bist&nbsp;du&nbsp;am&nbsp;Jazz-Institut.&nbsp;Was&nbsp;w\u00fcrdest du&nbsp;sagen,&nbsp;ist der&nbsp;Unterschied zwischen dem Lehramtsstudium an der Fakult\u00e4t Musik und am Jazz-Institut zu&nbsp;studieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-default\" style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Die Hauptsprache ist dort Englisch, das fand ich auch irgendwie angenehm. Die Fakult\u00e4t&nbsp;Musik&nbsp;war&nbsp;mir&nbsp;einfach&nbsp;zu Deutsch&nbsp;irgendwie.&nbsp;Also&nbsp;ich&nbsp;habe&nbsp;dort&nbsp;gemerkt,&nbsp;dass es&nbsp;mir gut tut unter&nbsp;\u201cAusl\u00e4ndern\u201d. Auch&nbsp;wenn&nbsp;die am JIB zwar alle <em>wei\u00df <\/em>sind, aber sie kommen&nbsp;trotzdem&nbsp;von&nbsp;\u00fcberall&nbsp;her&nbsp;und&nbsp;dadurch&nbsp;ist&nbsp;die&nbsp;Mentalit\u00e4t&nbsp;und&nbsp;die&nbsp;Offenheit&nbsp;f\u00fcr BIPoC anders. Ich glaube auch Musiker*innen haben da mehr Ber\u00fchrungspunkte mit Menschen&nbsp;mit Migrationserfahrung, weil&nbsp;die&nbsp;Musik&nbsp;in&nbsp;Berlin&nbsp;so&nbsp;vielf\u00e4ltig&nbsp;und bunt ist, dass&nbsp;man&nbsp;da gar nicht drum rumkommt. Aber im&nbsp;Lehramt Musik&nbsp;war ich&nbsp;in&nbsp;einer <em>wei\u00dfen<\/em> Blase und da wurde mir einiges klar. Okay, ich sah den Menschen irgendwann an, dass sie tats\u00e4chlich ausschlie\u00dflich <em>wei\u00dfe<\/em> Freunde haben, und da keine Notwendigkeit sehen rauszukommen. Ich merke, dass ich die einzige Schwarze Person bin, die die kennen. Ich f\u00fchle es mittlerweile einfach. Ich bin dies zwar gewohnt, aber gleichzeitig hei\u00dft das nicht, dass es leicht ist, sich in&nbsp;dieser&nbsp;Welt&nbsp;zu&nbsp;bewegen,&nbsp;wo&nbsp;mandas&nbsp;Gef\u00fchl&nbsp;hat,&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;jetzt&nbsp;das&nbsp;Paradebeispiel, was du kennst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:&nbsp;<\/mark>Also&nbsp;es&nbsp;ist&nbsp;in&nbsp;deinen&nbsp;Gedanken&nbsp;nicht&nbsp;nur&nbsp;der&nbsp;Faktor,&nbsp;dass&nbsp;du&nbsp;als&nbsp;Mama&nbsp;nicht&nbsp;integriert wirst, sondern als Schwarze Frau auch? Oder vielleicht auch als \u00e4ltere? Ich glaube nicht, um dir das jetzt mal zu spiegeln, dass du als \u00e4lter wahrgenommen wirst. Du wirkst in meinen&nbsp;Augen&nbsp;offen&nbsp;und&nbsp;frisch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Danke. Ich&nbsp;glaube,&nbsp;dass&nbsp;eine&nbsp;Frau mit Kind einfach&nbsp;dann&nbsp;f\u00fcr viele&nbsp;Leute&nbsp;den&nbsp;Eindruck erweckt, die Frau muss&nbsp;\u00e4lter sein. Man wird direkt anders wahrgenommen. So war auf jeden&nbsp;Fall&nbsp;mein&nbsp;Eindruck. Ich&nbsp;habe&nbsp;als&nbsp;Person&nbsp;mit Migrationserfahrung wahrscheinlich ein paar andere Unsicherheiten als <em>wei\u00dfe<\/em> Menschen und stelle mir andere Fragen. Dadurch,&nbsp;dass&nbsp;ich&nbsp;<em>wei\u00df<\/em>,&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;offen,&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;nett,&nbsp;kann&nbsp;das&nbsp;kein&nbsp;schl\u00fcssiger&nbsp;Faktor&nbsp;sein,&nbsp;nicht&nbsp;gefragt&nbsp;zu&nbsp;werden, also&nbsp;f\u00e4llt&nbsp;per&nbsp;Ausschlussverfahren&nbsp;der&nbsp;Blick&nbsp;auf&nbsp;\u00e4u\u00dfere&nbsp;Faktoren,&nbsp;sprich,&nbsp;meine&nbsp;Hautfarbe,&nbsp;mein&nbsp;Muttersein&nbsp;oder vielleicht&nbsp;mein&nbsp;Alter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Kurzer R\u00fcckblick zu deiner Musikausbildung. Wie hat das, was du heute machst, angefangen? Wer hat dich dazu gebracht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>EI:<\/strong> <\/mark>Mein Vater wurde als Gastarbeiter in diesem Land willkommen gehei\u00dfen. Er war sehr motiviert, sich zu integrieren. Somit wares ihm ein Wunsch, dass wir als seine Kinder so deutsch wie m\u00f6glich sind, um akzeptiert zu werden. Und dadurch war ihm das ein willkommenes Geschenk, als ich gefragt habe, ob ich aufs musische und katholische M\u00e4dchen Internat gehen darf. Es stellte sich dannraus, dass ich da keine Popmusik h\u00f6ren darf, nur klassische Musik und vielleicht noch Volksmusik. Meine CDs haben sie mir abgenommen. Eines Nachmittags haben sie mich irgendwann Whitney Houston \u201cI will always love you\u201d schreien h\u00f6ren und dann war denen klar, dass sie mir Gesangsunterricht sponsern&nbsp;m\u00fcssen, damit ich&nbsp;ja in&nbsp;die richtige Richtung gehe und mein schlechter Einfluss minimiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Gesangsunterricht&nbsp;war&nbsp;dann&nbsp;aber&nbsp;klassisch,&nbsp;oder&nbsp;wie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark>&nbsp;<\/strong>Klassisch.&nbsp;Genau. Und&nbsp;ich&nbsp;habe&nbsp;aber&nbsp;trotzdem&nbsp;immer&nbsp;heimlich&nbsp;weiter&nbsp;meine Popmusik&nbsp;geh\u00f6rt auf&nbsp;einem&nbsp;Disc-Man.&nbsp;Und&nbsp;was&nbsp;ich&nbsp;h\u00f6rte,&nbsp;habe&nbsp;ich&nbsp;dann&nbsp;tags\u00fcber&nbsp;in&nbsp;der Schule auf dem Klavier gespielt. Und das war so meine pers\u00f6nliche Beziehung zum Klavier und zur Musik: mir Sachen rauszuh\u00f6ren und zu merken und meinen Freunden vorzusingen. Ich&nbsp;war so&nbsp;deren&nbsp;\u201ereal&nbsp;life&nbsp;Radio\u201c. Dieser Teil&nbsp;meiner Jugend war echt sch\u00f6n. Nach&nbsp;der&nbsp;Schule&nbsp;habe&nbsp;ich&nbsp;eine&nbsp;Ausbildung&nbsp;in&nbsp;der&nbsp;Berufsfachschule&nbsp;f\u00fcr&nbsp;Musik&nbsp;Alt\u00f6tting gemacht,&nbsp;ein Kurzstudium&nbsp;f\u00fcr&nbsp;zwei Jahre.&nbsp;Klassische&nbsp;Musik.&nbsp;Ich hatte&nbsp;in Alt\u00f6tting&nbsp;oft Auftritte&nbsp;als einzige \u201cJazzs\u00e4ngerin\u201d in diesem&nbsp;kleinen \u00d6rtchen.&nbsp;Pro Auftritt&nbsp;habe&nbsp;ich damals 15 Euro verdient.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:&nbsp;<\/mark>Davon&nbsp;k\u00f6nnen&nbsp;Musiker*innen&nbsp;nicht&nbsp;leben.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>EI:<\/strong> Nein (schmunzelt)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Wie sieht das heute aus? Ich habe ja das Gl\u00fcck, dich als Bratschistin begleiten zu k\u00f6nnen. Die Musik, die du schreibst, kommt ja auch aus deinem klassischen&nbsp;Background. Du trittst ja einfach, ich sage jetzt mal in Anf\u00fchrungsstrichen, gro\u00df auf. Wo andere einfach nur ein Klavier und einen Bass und ein Schlagzeug haben, suchst du dir ganz andere&nbsp;Instrumente&nbsp;und dementsprechend auch&nbsp;mehr Leute&nbsp;aus. Und kannst dann auch hoffentlich mehr verlangen als 15 Euro pro Abend.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark> <\/strong>Das&nbsp;sieht heute ganz anders&nbsp;aus.&nbsp;Heute w\u00fcrde ich&nbsp;das&nbsp;nicht mehr durchgehen&nbsp;lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Und nun bist du&nbsp;am Jazzinstitut quasi musikalisch am Ursprung. Jazz ist ja Musik, die von Schwarzen Personen kommt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong>&nbsp;Ja,&nbsp;Jazz&nbsp;kommt&nbsp;von&nbsp;Schwarzen&nbsp;Menschen.&nbsp;Aber&nbsp;es&nbsp;wurde&nbsp;halt&nbsp;sehr&nbsp;intellektualisiert. Menschen, die Migrationserfahrung haben, gehen seltener als <em>Wei\u00dfe<\/em> den akademischen&nbsp;Pfad,&nbsp;vor&nbsp;allem&nbsp;nicht,&nbsp;wenn&nbsp;er nicht&nbsp;als&nbsp;lukrativ&nbsp;gilt.&nbsp;\u201cMusiker\u201d&nbsp;ist gesellschaftlich gesehen kein lukrativer Beruf. Und du siehst wahrscheinlich viel mehr Menschen&nbsp;mit Migrationserfahrung,&nbsp;die&nbsp;Architektur&nbsp;oder&nbsp;Ingenieurwesen&nbsp;studieren. Musiker*innen werden unterst\u00fctzen Migra Eltern&nbsp;selten, denn in diesem Land bringt Kunst kein Geld. Ich glaube deswegen sieht man einfach keine Schwarzen an meiner Uni, obwohl das unsere Musik ist. Und leider glaube ich auch, dass Jazzmusik deshalb Gefahr&nbsp;l\u00e4uft, auszusterben.&nbsp;Sie&nbsp;wird&nbsp;halt&nbsp;nicht&nbsp;mehr&nbsp;so&nbsp;gelebt&nbsp;wie&nbsp;fr\u00fcher.&nbsp;Es&nbsp;war&nbsp;fr\u00fcher die Musik der Resistenz, die Musik des Widerstands. In Deutschland war das ja auch sehr lange verboten und viele j\u00fcdische Menschen haben Jazz f\u00fcr sich entdeckt, man siehe&nbsp;Kurt&nbsp;Weill.&nbsp;Aber&nbsp;diese&nbsp;Schwarze&nbsp;Jazz-Szene&nbsp;in&nbsp;Deutschland&nbsp;war&nbsp;so&nbsp;klein,&nbsp;dass&nbsp;sich das nie so ausgebreitet hat und nie so gelebt wurde wie in den Staaten. Und dadurch ist&nbsp;hier&nbsp;kein&nbsp;Selbstverst\u00e4ndnis&nbsp;wie&nbsp;in&nbsp;den&nbsp;Staaten,&nbsp;daszu&nbsp;studieren.&nbsp;So&nbsp;erkl\u00e4re&nbsp;ich&nbsp;mir&nbsp;das.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Was&nbsp;w\u00fcrdest&nbsp;du&nbsp;dir&nbsp;vom&nbsp;JIB&nbsp;w\u00fcnschen&nbsp;mit&nbsp;all&nbsp;den&nbsp;Dingen,&nbsp;die&nbsp;wir&nbsp;jetzt&nbsp;heute besprochen haben, auch nicht nur was \u201eRace\u201c angeht, sondern auch was Muttersein angeht in dem Studium, was auch haupts\u00e4chlich abends stattfindet, was dann auch eine Herausforderung ist. Und auch als Person, die irgendwie mit Machtstrukturen Schwierigkeiten&nbsp;hatte.&nbsp;Was&nbsp;gibt es&nbsp;f\u00fcr&nbsp;Sachen,&nbsp;die&nbsp;einfach&nbsp;umzusetzen w\u00e4ren oder vielleicht auch schwierig oder utopisch? Also:&nbsp;was&nbsp;ist&nbsp;dein&nbsp;Traum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Mein Traum? Am liebsten h\u00e4tte ich am JIB mehr weiblich gelesene Dozierende. Das w\u00fcrde f\u00fcr mich schon einen gro\u00dfen Unterschied machen. Mehr Schwarze Studierende und Dozierende. Ich w\u00fcrde gerne die Professorenschaft abschaffen, damit da mehr Flexibilit\u00e4t&nbsp;ist,&nbsp;wenn&nbsp;Dozierende&nbsp;keinen&nbsp;guten&nbsp;Unterricht&nbsp;machen,&nbsp;sage&nbsp;ich&nbsp;jetzt&nbsp;mal&nbsp;ganz klar. Und ich w\u00fcrde mir auch w\u00fcnschen, dass die Musik mehr im Kontext geschieht. Wenn&nbsp;Menschen&nbsp;Name-droppen&nbsp;an&nbsp;unserer&nbsp;Uni,&nbsp;dann&nbsp;wei\u00df&nbsp;ich&nbsp;nicht,&nbsp;ob&nbsp;die&nbsp;wissen, dass&nbsp;die&nbsp;Menschen&nbsp;deren&nbsp;Namensie&nbsp;gerade&nbsp;nennen&nbsp;Schwarz&nbsp;waren&nbsp;und&nbsp;was&nbsp;die&nbsp;f\u00fcr Leben&nbsp;gelebt haben. Dann&nbsp;entsteht ein&nbsp;Bezug. Ich&nbsp;glaube,&nbsp;diese&nbsp;Losgel\u00f6stheit vor&nbsp;dem Hintergrund einer jeden&nbsp;Musikist die&nbsp;wahre&nbsp;Cultural&nbsp;Appropriation, wo&nbsp;die&nbsp;Musik irgendwie ein bisschen wei\u00df gewaschen wird. Und ja, ich w\u00fcnsche mir da mehr Hommage&nbsp;an&nbsp;die&nbsp;Gr\u00fcnder des&nbsp;Jazz und mehr Nachforschung, warum er entstanden&nbsp;ist. Und dann, wenn man diesen Spirit vielleicht erkennt, w\u00fcrde ich mir auch mehr Widerstand&nbsp;von&nbsp;meinen Kommiliton*innen&nbsp;w\u00fcnschen&nbsp;und&nbsp;sogar&nbsp;von&nbsp;meinen Dozent*innen.&nbsp;Wir&nbsp;machen&nbsp;Musik&nbsp;des&nbsp;Widerstands,&nbsp;also&nbsp;sollten&nbsp;wir&nbsp;auch&nbsp;mehr Widerstand leisten. Wir&nbsp;sollten&nbsp;uns&nbsp;das&nbsp;verdienen, dass&nbsp;wir&nbsp;diese&nbsp;Musik&nbsp;machen&nbsp;d\u00fcrfen und diese Musik auch f\u00fcr Politik, Widerstand und Protest nutzen. Irgendwie lehrt mich unsere&nbsp;Zeit&nbsp;gerade,&nbsp;dass&nbsp;Musik&nbsp;eine&nbsp;der&nbsp;st\u00e4rksten&nbsp;Waffen&nbsp;ist&nbsp;unddeswegen&nbsp;will&nbsp;man&nbsp;sie unterdr\u00fccken,&nbsp;glaube&nbsp;ich.&nbsp;Wir&nbsp;sollten&nbsp;uns&nbsp;unserer&nbsp;Verantwortung&nbsp;als&nbsp;Musiker*innen bewusst&nbsp;sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Ich&nbsp;w\u00fcrde&nbsp;noch&nbsp;erg\u00e4nzen,&nbsp;dass&nbsp;der&nbsp;erste&nbsp;Punkt,&nbsp;den&nbsp;du&nbsp;gesagt&nbsp;hast,&nbsp;dieses Repr\u00e4sentieren von den Menschen, die das geschaffen haben, das passiert ja an der Fakult\u00e4t&nbsp;Musik&nbsp;wahnsinnig.&nbsp;Wirhaben&nbsp;ja nur&nbsp;alte,&nbsp;tote&nbsp;<em>wei\u00dfe<\/em>&nbsp;M\u00e4nner,&nbsp;die&nbsp;in&nbsp;Form irgendwelcher&nbsp;B\u00fcsten,&nbsp;in&nbsp;Bilderrahmen&nbsp;oder&nbsp;mit&nbsp;Raumnamen&nbsp;dortverewigt&nbsp;sind.&nbsp;Man k\u00f6nnte das JIB ja theoretisch auch schon mit einem Untertitel einer Person umbenennen. Es&nbsp;gibt ja so&nbsp;viele&nbsp;M\u00f6glichkeiten. In der klassisch, <em>wei\u00dfen<\/em>, konservativen Szene&nbsp;wird&nbsp;Repr\u00e4sentanz&nbsp;jaauch&nbsp;gro\u00df&nbsp;gelebt.&nbsp;Nur&nbsp;aber&nbsp;eben&nbsp;von&nbsp;<em>wei\u00dfen<\/em>&nbsp;M\u00e4nnern.&nbsp;Und das zeigt nat\u00fcrlich auch wieder, das f\u00e4llt mir jetzt auf, wo wir dr\u00fcber reden, dass es immer noch diese <em>wei\u00dfe <\/em>Welt ist, die klassisch konservativ ist, einfach weil sie immer schon&nbsp;so&nbsp;war&nbsp;und&nbsp;hier&nbsp;werdenalle,&nbsp;die&nbsp;reinpassen&nbsp;gepusht&nbsp;und&nbsp;gef\u00f6rdert.&nbsp;Und&nbsp;Jazz,&nbsp;ja, wir nehmen uns oft nur das, was vermeintlich gut ist, oder eher bequem: die Musik.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark>&nbsp;<\/strong>Ja,&nbsp;genau&nbsp;das.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Ja, man&nbsp;m\u00fcsste da konsequenter sein: n&nbsp;der Fakult\u00e4t Musik&nbsp;ein&nbsp;bisschen mehr alte <em>wei\u00dfe<\/em> M\u00e4nnernamen abschaffen und vielleicht auch mehr Frauen da repr\u00e4sentieren.&nbsp;Und&nbsp;am&nbsp;JIB&nbsp;vor&nbsp;allem&nbsp;diese&nbsp;Namen&nbsp;und&nbsp;Menschen&nbsp;und&nbsp;Gesichter&nbsp;zeigen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Ja, voll gut. Voll guter Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Das&nbsp;w\u00e4re&nbsp;doch&nbsp;vielleicht&nbsp;ein&nbsp;Wunsch,&nbsp;auf&nbsp;den&nbsp;man&nbsp;sich&nbsp;einigen&nbsp;k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Ja, voll. Ich h\u00e4tte noch eine Frage an&nbsp;dich. Du bist ja an der UdK Berlin&nbsp;Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte derFakult\u00e4t Musik und bekommst ja da auch ein paar Dinge mit, die so hochschulpolitisch geschehen. Siehst du einen Weg, wie du das Bild da beeinflussen kannst, was diese Einseitigkeit in der Musikszene angeht, ob klassisch oder Jazz, siehst du da einen Weg, wie du das Bild vielleicht ein bisschen aufr\u00fctteln kannst, ver\u00e4ndern kannst?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Ich glaube, wir setzen uns schon viel daf\u00fcr ein, mehr Diversit\u00e4t zu schaffen. Das passiert\u00a0zum\u00a0Beispiel\u00a0mit\u00a0derF\u00f6rderung\u00a0der\u00a0Initiative\u00a0\u201emusica\u00a0inaudita\u201c,\u00a0die\u00a0Konzertreihen veranstaltet, wo\u00a0nur Personen, die\u00a0in\u00a0der Musikwelt im Kanon\u00a0nicht repr\u00e4sentativ dargestellt\u00a0sind,\u00a0auftreten\u00a0k\u00f6nnen\u00a0und\u00a0deren\u00a0Musik\u00a0gespielt\u00a0wird.\u00a0Du\u00a0hast\u00a0da\u00a0ja\u00a0auch\u00a0mal gespielt als Komponistin, Emilie, ich habe bin da auch schon mal mit meiner Musik\u00a0aufgetreten.\u00a0Und\u00a0dann\u00a0haben\u00a0wirleider\u00a0so\u00a0wahnsinnig\u00a0viel\u00a0zu\u00a0tun,\u00a0um\u00a0die\u00a0Fakult\u00e4t\u00a0gendergerecht\u00a0zu gestalten, was uns gar nicht dann die Kapazit\u00e4ten l\u00e4sst, da mehr Repr\u00e4sentation zu schaffen f\u00fcr eben die Dinge, die du gesagt hast. Also ich sitze in Berufungskommissionen\u00a0und\u00a0schaue,\u00a0wer\u00a0sich\u00a0bewirbt\u00a0und\u00a0ob\u00a0das Bewerbungsprozedere\u00a0und\u00a0die\u00a0Berufung\u00a0auch\u00a0gendergerecht\u00a0geschieht,\u00a0damit\u00a0eben Hierarchiestrukturen aufgebrochen werden. Dann schaue ich nat\u00fcrlich auch intersektional\u00a0auf\u00a0das\u00a0Ganze\u00a0und versuche\u00a0auch\u00a0im\u00a0Sinne\u00a0von\u00a0der\u00a0Diversit\u00e4tsbeauftragten da reingucken, wie Strukturen hier sind und was man da den Kommissionen, den\u00a0Professor*innen, die quasi\u00a0die Macht haben\u00a0etwas\u00a0zu entscheiden, was wir da noch entgegensetzen k\u00f6nnen bzw. m\u00fcssen. Also ich versuche sozusagen eher strukturellen Ebene zu bewegen. Ich will, dass man durch die Geb\u00e4ude geht und feststellt, hier sind diese und jene Personen, die mich repr\u00e4sentieren, wo ich mich wohlf\u00fchle, wo ich mich gesehen f\u00fchle. Einfach weil sie da sind. Genau das ist ein Ziel, dass im Endeffekt das Wohlf\u00fchlmoment f\u00fcr alle da ist, egal welcher Gruppe du angeh\u00f6rst, vom Erstsemester-Studierende bis zur Dekan*in.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Wir&nbsp;haben&nbsp;an&nbsp;der&nbsp;Fakult\u00e4t Musik&nbsp;so&nbsp;wenig&nbsp;Personen, die&nbsp;studieren&nbsp;und M\u00fctter&nbsp;oder Eltern&nbsp;sind zum Beispiel. Nochweniger, die alleinerziehend sind. Und da habe ich&nbsp;schon einfach festgestellt, als ich mit dir zu tun hatte, wir m\u00fcssen so viel mehr Wickelr\u00e4ume schaffen, zum Beispiel. Oder die M\u00f6glichkeit, ein Kind zu stillen. Du hast dein Kind und du hast vorher angefangen zu studieren und die Uni muss irgendwie schauen, dass sie dir das erm\u00f6glicht. Und das jetzt in einem Studium, das haupts\u00e4chlich abends stattfindet,&nbsp;ist f\u00fcr&nbsp;dich&nbsp;auch&nbsp;eine&nbsp;Herausforderung.&nbsp;Ja,&nbsp;wir&nbsp;m\u00fcssen&nbsp;bessere&nbsp;Bedingungen schaffen f\u00fcr Personen, die nicht aus einem <em>wei\u00df<\/em> akademisierten, gegebenenfalls&nbsp;reichen Elternhaus kommen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Nice, das&nbsp;klingt doch&nbsp;schon&nbsp;mal&nbsp;nach&nbsp;viel. Vielen&nbsp;Dank&nbsp;f\u00fcr deine Arbeit, Phine. Ich habe mich ja f\u00fcr die Dingswahl aufstellen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Welche&nbsp;Wahl?&nbsp;Die&nbsp;Pr\u00e4sident*innenwahl?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>EI:<\/strong> <\/mark>Jetzt wo du es sagst. Das k\u00f6nnte es gebrauchen. Eine Schwarze. Das w\u00e4re lustig. Eine Schwarze Mutter in Deutschland als Pr\u00e4sidentin an der UdK Berlin. Nein, ich habe mich f\u00fcr die Stupa-Wahl aufstellen lassen. Und ich m\u00f6chte mich unter anderem f\u00fcr studierende M\u00fctter&nbsp;einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:&nbsp;<\/mark>Finde&nbsp;ich&nbsp;auch&nbsp;richtig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark><\/strong> Die Uni macht schon viel. Die unterst\u00fctzen mich mit zehn Stunden im Monat, wo ich mein Kind bei Kidsmobil abgeben kann. Und das hilft mir schon sehr. Also wenn das nicht&nbsp;w\u00e4re,&nbsp;k\u00f6nnte&nbsp;ich&nbsp;bei&nbsp;gar&nbsp;keiner&nbsp;Abendveranstaltungmitmachen.&nbsp;Das&nbsp;ist&nbsp;schon&nbsp;gut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Und das ist schon auf jeden Fall das, was du brauchst, um dein Studium zu machen. Und&nbsp;wenn&nbsp;du&nbsp;was&nbsp;anderesstudieren&nbsp;w\u00fcrdest,&nbsp;dann&nbsp;k\u00f6nnte&nbsp;alles&nbsp;vormittags&nbsp;stattfinden. Aber du musst auf die B\u00fchne. Und das ist immer dann, wenn andere Freizeit haben. Kannst&nbsp;du&nbsp;bitte&nbsp;mehr&nbsp;Musik&nbsp;machen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">EI:<\/mark>&nbsp;<\/strong>Oh,&nbsp;ich&nbsp;probiere&nbsp;es.&nbsp;Vielen&nbsp;Dank.&nbsp;Und&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;ja&nbsp;auch&nbsp;schon&nbsp;froh,&nbsp;dass&nbsp;du&nbsp;dich&nbsp;f\u00fcr mein&nbsp;Ensemble&nbsp;bereitstellstals&nbsp;Bratschistin.&nbsp;Also&nbsp;diesen&nbsp;Wunsch&nbsp;kann&nbsp;ich&nbsp;nur zur\u00fcckwerfen&nbsp;an&nbsp;dich,&nbsp;liebe&nbsp;Phine,&nbsp;du&nbsp;bist&nbsp;ja&nbsp;auch&nbsp;eine&nbsp;grandiose&nbsp;Musikerin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark> Dann lass uns gemeinsam was planen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>EI:<\/strong>&nbsp;<\/mark>Yes.&nbsp;Pinky&nbsp;promise?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">JP:<\/mark>&nbsp;Pinky&nbsp;promise.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4432\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n<p>Ein\u00a0intensives Interview\u00a0zwischen Emilie\u00a0Intsiful (Jazz Institute Berlin) und Josephine\u00a0Pritz (Fakult\u00e4t\u00a0Musik) \u00fcber Machtmissbrauch, Chancengleichheit und dem Mutter sein am JIB, der UdK Berlin und im Jazz.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":4415,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[13,12,9,1,11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4432"}],"collection":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4432"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4581,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4432\/revisions\/4581"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}