{"id":341,"date":"2020-07-15T12:55:42","date_gmt":"2020-07-15T10:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/?p=341"},"modified":"2022-04-24T18:30:56","modified_gmt":"2022-04-24T16:30:56","slug":"fuer-eine-gendergerechte-udk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/fuer-eine-gendergerechte-udk\/","title":{"rendered":"F\u00fcr eine (gender)gerechte UdK"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><p>Das allgemein etablierte, bin\u00e4re Geschlechtersystem geht von der Alleinexistenz zweier klar bestimmbarer Geschlechter \u2013 n\u00e4mlich M\u00e4nner und Frauen \u2013 aus und entspricht damit nicht ansatzweise der eigentlichen menschlichen Vielfalt. Auch die deutsche Sprache spiegelt diese konstruierte Zweigeschlechtlichkeit wider, wenn z. B. von \u201eStudentinnen und Studenten\u201c oder von \u201eProfessorinnen und Professoren\u201c die Rede ist und macht Frauen und M\u00e4nner damit gleicherma\u00dfen sichtbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier muss ich kurz ausholen, denn selbst\u00a0<em>das\u00a0<\/em>ist leider noch l\u00e4ngst nicht \u00fcberall gang und g\u00e4be, war und ist ein andauernder Kampf, um die Sichtbarkeit von Frauen im deutschen Sprachgebrauch und damit auch in den Bildern, die wir mit Gelesenem und Geh\u00f6rtem zwangsl\u00e4ufig assoziieren. Auch an unserer Hochschule gibt es noch immer Professor*innen, die konsequent das generische Maskulinum verwenden und damit mehr als die H\u00e4lfte ihrer Studierenden nicht ansprechen (von anderen K\u00e4mpfen um die Rechte Frauen mal ganz zu schweigen; Stichworte Gender Pay Gap oder Frauenanteil in F\u00fchrungspositionen. Und wie kann es sein, dass Fahrzeuge oft nur mit &#8220;m\u00e4nnlichen\u201c Crash-Test-Dummies, Medikamente \u00fcberwiegend an cis m\u00e4nnlichen Probanden getestet werden und dementsprechend f\u00fcr Frauen ungleich unsicherer sind?).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eImmerhin\u201c, m\u00f6chten wir jetzt vielleicht sagen, \u201ebewegt sich was, zumindest sprachlich.\u201c Was wir aber nicht vergessen d\u00fcrfen: Selbst mit diesen Formen und trotz all dieser Diskurse bleiben weiterhin Menschen ausgeschlossen; n\u00e4mlich all jene, die sich nicht als Frau oder als Mann identifizieren. Das kann trans, inter und nichtbin\u00e4re Personen betreffen. Die Genderforschung argumentiert schon seit Jahren, dass dieses bin\u00e4re System nicht mehr haltbar ist und von einer Vielzahl geschlechtlicher Identit\u00e4ten ausgegangen werden muss. Die Lebensrealit\u00e4ten aller Geschlechter sollen ausgewogen ber\u00fccksichtigt, Rollenklischees nicht weiter verfestigt werden. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom September 2017 schlie\u00dft das auch explizit Geschlechtsidentit\u00e4ten von inter und trans Personen mit ein. Gendersensible Sprache und Inhalte haben die Vision, die gesamte Vielfalt unterschiedlicher Lebensrealit\u00e4ten selbstverst\u00e4ndlich sichtbar zu machen: nicht nur von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, sondern auch unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Religion, Herkunft und Hautfarbe. Gendersensible Sprache ist ein weiterer Schritt in Richtung diversit\u00e4tssensible Welt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die UdK Berlin hat im vergangenen Monat auf gemeinsamen Antrag des StuPa, des AStA, der Kommission f\u00fcr Chancengleichheit und der Frauenbeauftragten beschlossen, sich dieser Problematik verst\u00e4rkt zu widmen und diskriminierende Strukturen sukzessive abzubauen. So werden in den kommenden Wochen folgende Umstellungen in Angriff genommen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Integration und Anerkennung aller nichtbin\u00e4ren Geschlechteridentit\u00e4ten und Personen mit allen Varianten der Geschlechtsentwicklung durch eine Erg\u00e4nzung der Optionen \u201edivers\u201c und \u201ekeine Angabe\u201c sowie die Verwendung neutraler Anreden, Formulierungen und des Gendersternchens in allen universit\u00e4ren Korrespondenzen, Dokumenten, Formularen, Zeugnissen, Statistiken, Datenbanken und auf allen Plattformen der UdK Berlin<\/strong>.\u00a0<br><\/li><li><strong>Einf\u00fchrung von bis zu 50% genderneutraler Toiletten an allen Standorten der UdK Berlin\u00a0<\/strong>Immer wieder machen inter, trans und nichtbin\u00e4re Mitstudierende diskriminierende und sogar gewaltvolle Erfahrungen bei der Wahl ihrer Toilette. Ein menschliches Grundbed\u00fcrfnis zu stillen, darf nicht zu einer immer wieder diskriminierenden Erfahrung werden; in unserer Gesellschaft m\u00fcssen alle Menschen ein diskriminierungsfreies Leben f\u00fchren d\u00fcrfen. Eine \u201eToilette f\u00fcr alle\u201c bietet den Betroffenen den n\u00f6tigen Schutzraum, tr\u00e4gt der geschlechtlichen Vielfalt Rechnung und zu einer Kultur des Respekts und der Antidiskriminierung bei. (Wegen unterschiedlicher Bed\u00fcrfnisse nach Schutzr\u00e4umen sollen weiterhin Frauen- und M\u00e4nner-Toiletten bestehen bleiben. So wird gew\u00e4hrleistet, dass alle Menschen ihren pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen entsprechend eine Toilette als sicheren Raum betreten k\u00f6nnen.)\u00a0<\/li><li><strong>Anerkennung und Integration des selbst gew\u00e4hlten Vornamens unter Anwendung des vom BMI anerkannten dgti-Erg\u00e4nzungsausweises auf Studierendenausweisen, bei der Zulassung, im Studienverlauf, auf Zeugnissen und Diplomen.\u00a0<\/strong>Ein Zwangs-Outing gegen\u00fcber Professor*innen und Mitstudierenden wird so aufgehoben und der psychische und emotionale Druck verringert. (Von einem Zwangs-Outing ist z.B. dann die Rede, wenn der\u00a0<em>dead name\u00a0<\/em>(der bei der Geburt zugewiesene, nicht mehr verwendete Name) beim Verlesen von Teilnahmelisten oder beim Vorzeigen des Studierendenausweises genannt wird, Stellungnahme der Antidiskriminierungsstelle des Bundes) Eine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/29609917\/\" target=\"_blank\">Studie<\/a> der Universit\u00e4ten Texas, British Columbia und NYU zeigt: Bei jungen trans Menschen tritt ein deutlicher R\u00fcckgang depressiver Symptomatik sowie eine Reduktion ihres suizidalen Verhaltens um 56% ein, wenn sie in einem ihrer Lebensumfelder mit ihrem gew\u00e4hlten Vornamen angesprochen werden.\u00a0<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die UdK ist berlinweit die erste Universit\u00e4t, die diesen wichtigen Schritt geht und damit dem Vorbild zahlreicher anderer deutscher Universit\u00e4ten folgt. Bleibt zu hoffen, dass dieses Vorbild Schule macht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn: Universit\u00e4ten sind Orte des Lernens, R\u00e4ume der Entwicklung, in ihnen sollen sich Gedanken und Pers\u00f6nlichkeiten frei entfalten k\u00f6nnen; sie tragen deshalb eine massive Verantwortung f\u00fcr den Schutz ihrer Angeh\u00f6rigen. Dass diese Schutzr\u00e4ume, gerade an Kunsthochschulen, wichtig sind, damit sich alle unsere Kommiliton*innen mit Vertrauen und (angst)frei bewegen und ausprobieren k\u00f6nnen, muss hier vermutlich nicht weiter erl\u00e4utert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sto\u00dfe mich grade selber an dem Begriff \u201eSchutzraum\u201c in diesem Zusammenhang, denn eigentlich br\u00e4uchten wir nat\u00fcrlich mehr als das; eine uns bedingungslos sch\u00fctzende Gesellschaft \u2013 sodass dezidierte Schutzr\u00e4ume hinf\u00e4llig werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da sind wir noch nicht. Und dahin kommen wir auch nur, wenn wir beginnen, jahrhundertealte Denkmuster und Machtstrukturen unserer konstruierten \u201eMehrheitsgesellschaft\u201c zu erkennen, sie aufzubrechen und uns ihrer zu entledigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende betrifft es uns alle. Nicht umsonst leitet sich das Wort Kommiliton*in vom lat.&nbsp;<em>commilito&nbsp;<\/em>ab: \u201eMitstreiter*in\u201c also. Miteinander f\u00fcr etwas streiten. Oder f\u00fcreinander mitstreiten \u2013 gelegentlich vielleicht sogar&nbsp;<em>\u00fcber&nbsp;<\/em>etwas streiten, im Sinne eines konstruktiven Streits in Kunst und Wissenschaft \u2013 all das geht nur in einem Klima des Vertrauens und gegenseitigen Respekts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diskriminierungsherde sind aber weiterhin da \u2013 vielen Nichtbetroffenen bleiben sie auf den ersten Blick verborgen; viele Betroffene sind direkt mehrfach betroffen. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Ableismus, Klassismus, Ageismus \u2013 die Liste ist lang und nicht mit dreieinhalb Forderungen zur Gendergerechtigkeit abzuhaken. Denn solange auch nur&nbsp;<em>eine einzige Person&nbsp;<\/em>innerhalb jeweiliger Strukturen Diskriminierung(en) erf\u00e4hrt, ist sch\u00fctzender Raum nicht in ausreichendem Ma\u00dfe gegeben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne: Wir danken dir, UdK Berlin, f\u00fcr diesen Schritt in die richtige Richtung. Das hier ist ein Anfang. Aber, UdK, es geht weiter \u2013 versprochen? Wir h\u00f6ren uns ganz bald wieder!&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin hat neue Ma\u00dfnahmen f\u00fcr mehr Gendergerechtigkeit beschlossen. Welche das sind, woher sie kommen und warum wir sie brauchen, ist hier zu lesen. Und: weshalb Kommiliton*in zu sein dazu verpflichtet, Antidiskriminierung aktiv zu leben.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":346,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341"}],"collection":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1517,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions\/1517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}