{"id":1631,"date":"2022-07-11T10:00:00","date_gmt":"2022-07-11T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/?p=1631"},"modified":"2022-08-24T13:01:35","modified_gmt":"2022-08-24T11:01:35","slug":"wer-gestaltet-hier-fuer-wen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wer-gestaltet-hier-fuer-wen\/","title":{"rendered":"Wer gestaltet hier f\u00fcr wen?  Lecture von Hannah Witte zu gendersensibler Typografie"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1631\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><p class=\"is-style-intro-paragraph\">Zu den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/medienhaus-lectures.com\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/medienhaus-lectures.com\" target=\"_blank\">Medienhaus Lectures<\/a> werden einmal im Jahr Gestalter*innen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten an die Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin eingeladen. 2021 fanden die Medienhaus Lectures als Kooperation zwischen Gestaltung und Theorie statt und wurden von Henrike Uthe und Annika Haas organisiert. Unter dem Motto \u201ePerformance? Performance. Performance!\u201c stellten sie den menschlichen K\u00f6rper als Akteur sowie Adressat von Design in den Mittelpunkt und fragten: \u201eWie divers sind die K\u00f6rper, die an Entwurfsprozessen beteiligt sind? Wie differenziert ist das K\u00f6rperbild im Design? Welche Normen und Regeln werden daraus abgeleitet? Und wie wirken diese auf unsere K\u00f6rper zur\u00fcck?\u201c Wir ver\u00f6ffentlichen hier die Aufzeichnung der Lecture der Gestalterin Hannah Witte zu gendersensibler Typografie sowie eine Tagungsnotiz von Annika Haas.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Hannah Witte: Typohacks: Gendersensible Typografie\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/713241433?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\">Hannah Witte (sie*ihr) ist Grafikdesignerin und lebt in Leipzig. Ihre gestalterische Praxis dreht sich haupts\u00e4chlich um feministische Themen, Gender-Stereotype und non-bin\u00e4re Typografie und wurde 2021 mit dem <a href=\"https:\/\/iphi-award.org\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/iphi-award.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">iphiGenia Gender Design Award<\/a> ausgezeichnet. Ihr Buch Typohacks \u2013 Handbuch f\u00fcr gendersensible Sprache und Typografie erschien 2021 im form Verlag.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Tagungsnotiz_von_Annika_Haas\"><\/span>Tagungsnotiz von Annika Haas<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"is-style-default\">Sprache befindet sich in einem permanenten Wandel. Das zeigt sich nicht nur in gendersensiblen Sprech- und Schreibweisen, sondern auch im Schriftbild. Mit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/form.de\/products\/typohacks\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/form.de\/products\/typohacks\" target=\"_blank\"><em>Typohacks<\/em><\/a> (form-Verlag 2021) hat Hannah Witte den ersten Leitfaden zur Gestaltung gendersensibler Typografie im deutschsprachigen Raum vorgelegt. Auf den oft kaum beachteten Zusammenhang von Sprache und Typografie machte sie bei den Medienhaus Lectures mit der Wortsch\u00f6pfung \u201eOrtho-Typografie\u201d aufmerksam. Kathrin Peters hob als Moderatorin des Talks zudem hervor, dass Typografie und Sprache voller Normen seien und der Genderstern diese Normiertheit kenntlich mache. Denn da es sich dabei um ein Sonderzeichen handelt, das in den meisten Fonts anders als Buchstaben skaliert ist, sticht es im Schriftbild hervor bzw. f\u00e4llt heraus. W\u00e4hrend es zunehmend Fonts gibt, die den Genderstern gleichrangig mit Buchstaben setzen<sup>1<\/sup>, regt <em>Typohacks<\/em> dazu an, den Genderstern variabel und kontextuell einzusetzen: Mal bedarf es vielleicht eines Unruhe stiftenden \u201eGender-Trouble-Sterns\u201c, mal ist eine barrierearme Einbettung wichtiger. Etwa, wenn es um Texte geht, die f\u00fcr Menschen mit Legasthenie gut lesbar sein sollen. Dabei spielen, wie die Designhistorikerin Anne Massey zeigt, ganz andere Kriterien als die normativ formulierten f\u00fcr \u201agute Lesbarkeit\u2018 eine Rolle.<sup>2<\/sup> <br><br>Dass sich die Frage nach \u201aguter Lesbarkeit\u2018 nur spezifisch beantworten l\u00e4sst, zeigte bei den Medienhaus Lectures 2021 auch das Werkstattgespr\u00e4ch zwischen dem Designstudio Liebermann Kiepe Reddemann und den Direktor*innen der Kunsthalle Osnabr\u00fcck Anna Jehle und Juliane Schickedanz \u00fcber die gemeinsame Arbeit an der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/kunsthalle.osnabrueck.de\/media\/pages\/info\/barrierefreiheit\/4d1da79aa6-1624612657\/ausstellungsrundgang_barrierefreiheit.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/kunsthalle.osnabrueck.de\/media\/pages\/info\/barrierefreiheit\/4d1da79aa6-1624612657\/ausstellungsrundgang_barrierefreiheit.pdf\" target=\"_blank\">Website<\/a> f\u00fcr das Jahresthema \u201eBarrierefreiheit\u201c. Fazit: Was <em>barrierearm<\/em> ist, ist eine Frage des*der jeweiligen Betrachter*in bzw. Zuh\u00f6rer*in. So unterbricht der Genderstern den Textfluss auch auf akustische Weise, wenn Screenreader Texte vorlesen. Sie interpretieren z. B. \u201eGestalter*in\u201c als: \u201eGestalter, Stern, in\u201c. Unabh\u00e4ngig von der Typografie verhalten sich Buchstaben und das nichtlautliche Zeichen * damit auf der akustischen Ebene weiterhin disparat zueinander. Sofern keine genderneutralen Alternativen gefunden werden k\u00f6nnen, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dbsv.org\/gendern.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dbsv.org\/gendern.html\" target=\"_blank\">empfiehlt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband den Genderstern <\/a>dennoch, da er im Schriftbild besser als ein Doppelpunkt oder Unterstrich lesbar ist. <br><br>Rund um den Genderstern und die Fragen seiner typografischen wie technologischen Einbettung zeigt sich damit einmal mehr, dass die universalistische Rede von \u201aguter Gestaltung\u2018 unhaltbar geworden ist. Wie auch zahlreiche queer-feministische und postkoloniale Design-Plattformen und -Publikationen zeigen, ist Design situiert und damit weder losgel\u00f6st von seinen Produzent*innen, noch von den Adressat*innen zu denken.<sup>3<\/sup> Diversit\u00e4tskritisches Design braucht also diverse Beteiligte und Perspektiven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\">Annika Haas ist Medientheoretikerin und wurde 2022 mit einer Arbeit \u00fcber H\u00e9l\u00e8ne Cixous an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin promoviert, wo sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/visuellekultur.udk-berlin.de\/personen\/annika-haas\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/visuellekultur.udk-berlin.de\/personen\/annika-haas\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Geschichte und Theorie der Gestaltung<\/a>  ist. Kooperationsprojekte wie die Medienhaus Lectures 2021 pr\u00e4gen ihre <a href=\"https:\/\/annikahaa-s.com\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/annikahaa-s.com\">Theoriepraxis<\/a> an den Schnittstellen von Theorie, Kunst und Gestaltung.&nbsp;<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><sup>1 <\/sup>Siehe dazu das Gespr\u00e4ch mit der Schriftgestalterin Charlotte Rohde auf diesem Blog: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/charlotte-rohde\/\" target=\"_blank\">https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/charlotte-rohde\/<\/a>. Gendersensible \u201eOrtho-Typografie\u201c ist zudem regionalspezifisch, wie die genderfluiden Fonts f\u00fcr franz\u00f6sischsprachige Texte von <em>Bye Bye Binary<\/em> zeigen: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/typotheque.genderfluid.space\" target=\"_blank\">https:\/\/typotheque.genderfluid.space<\/a><br><br><sup>2 <\/sup>Massey, Anne. &#8220;Design History and Dyslexia.&#8221; <em>Design and Agency: Critical Perspectives on Identities, Histories, and Practices<\/em>. Ed. John Potvin. Ed. Marie-E\u0300ve Marchand. London: Bloomsbury Visual Arts, 2020. 259\u2013272. <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.5040\/9781350063822.ch-016\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.5040\/9781350063822.ch-016\" target=\"_blank\">Bloomsbury Collections<\/a><\/em>. Web. 31 May 2021. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-more-info-paragraph\"><sup>3 <\/sup>Siehe z. B. <a href=\"https:\/\/futuress.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/futuress.org\/<\/a>, <a href=\"https:\/\/teaching-design.net\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/teaching-design.net<\/a>, <a href=\"https:\/\/depatriarchisedesign.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/depatriarchisedesign.com<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.decolonisingdesign.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.decolonisingdesign.com<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1631\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eWie divers sind die K\u00f6rper, die an Entwurfsprozessen beteiligt sind? Wie differenziert ist das K\u00f6rperbild im Design? Welche Normen und Regeln werden daraus abgeleitet? Und wie wirken diese auf unsere K\u00f6rper zur\u00fcck?\u201c Wir ver\u00f6ffentlichen hier die Aufzeichnung der Lecture der Gestalterin Hannah Witte zu gendersensibler Typografie sowie eine Tagungsnotiz von Annika Haas<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":1646,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"single-no-thumb.php","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[13,4,1,34],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1631"}],"collection":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1631"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1759,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1631\/revisions\/1759"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1646"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/criticaldiversity.udk-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}